Nach der tödlichen Attacke auf zwei Nationalgardisten in Washington mit einem Afghanen als Tatverdächtigen hat Donald Trump weitere Verschärfungen der Einwanderungspolitik angekündigt. Der amerikanische Präsident schrieb am Abend von Thanksgiving auf seiner Plattform, die Einwanderung aus „Ländern der Dritten Welt“ werde „dauerhaft“ ausgesetzt. Man werde außerdem jeden entfernen, „der kein Gewinn für die Vereinigten Staaten ist“. Nur „Remigration“ könne „diese Situation vollständig beheben“. Zuvor hatte die amerikanische Einwanderungsbehörde USCIS auf der Plattform X angekündigt, auf Anweisung Trumps hin werde es eine „vollständige, strenge Überprüfung“ aller Green Cards für Ausländer „aus allen relevanten Ländern“ geben. Green Cards gewähren einen dauerhaften Aufenthalts- und Arbeitsstatus in den Vereinigten Staaten. Laut amerikanischen Medien sind unter den zu prüfenden Ländern Afghanistan, Iran, Kuba, Haiti und Venezuela. Ein Mann hatte am Mittwoch zwei Nationalgardisten auf Patrouille in der Nähe des Weißen Hauses angegriffen. Die 20 Jahre alte Soldatin erlag nach Angaben Trumps am Donnerstag ihren Verletzungen; der 24 Jahre alte Soldat soll immer noch in Lebensgefahr schweben. Der Tatverdächtige ist nach Behördenangaben ein 29 Jahre alter Afghane, der 2021 über ein von der Regierung Joe Bidens nach dem chaotischen Abzug der Amerikaner aus Afghanistan ins Leben gerufenes Programm ins Land kam. Von der CIA rekrutiert, ausgebildet und geführt Trump sagte in einem Austausch mit Journalisten am Donnerstag, es habe damals keine Überprüfung gegeben. Außerdem sei der Mann „durchgedreht“. Von einer Journalistin auf einen Bericht des Generalinspekteurs des Justizministeriums von Juni angesprochen, der dem FBI eine angemessene Überprüfung der 2021 über das Programm eingereisten Afghanen bescheinigt, sagte Trump, sie sei eine „dumme Person“. Der Direktor des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, hatte bestätigt, dass der Tatverdächtige während des Krieges in Afghanistan „mit der amerikanischen Regierung, darunter der CIA, als Mitglied einer Partnereinheit in Kandahar“ zusammengearbeitet hat. Amerikanische Medien berichten, er sei für eine der sogenannten Nuller-Einheiten tätig gewesen, die offiziell dem afghanischen Geheimdienst angehörten, aber laut einem Bericht der Organisation Human Rights Watch von der CIA rekrutiert, ausgebildet und geführt wurden. Demnach wurden sie bei ihren meist nächtlichen Einsätzen gegen die Taliban und die Terrorgruppen Al Qaida und IS häufig von amerikanischen Spezialkräften begleitet. Human Rights Watch warf den Einheiten seinerzeit Menschenrechtsverletzungen vor. Die Kandahar Kampftruppe, auch bekannt als NDS 03, in der der Mann gedient haben soll, operierte von einem CIA-Stützpunkt aus, der dem früheren Taliban-Führer Mullah Omar als Hauptquartier gedient hatte. Die Amerikaner nannten die Basis „Firebase Gecko“. Dieser Name steht auch auf einer mutmaßlichen Ausweiskarte des Tatverdächtigen, die im Internet verbreitet wurde, deren Echtheit aber zunächst nicht bestätigt wurde. Die Zahlen der Nuller-Einheiten beziehen sich auf die regionalen Zuständigkeitsbereiche des afghanischen Geheimdienstes (NDS). Die Einheit 03 soll seit 2009 Operationen in den Provinzen Kandahar, Helmand und Uruzgan durchgeführt haben. Laut Human Rights Watch wurden sie zeitweise von Ahmad Wali Karzai, dem Bruder des damaligen Präsidenten Hamid Karzai, angeführt. Die Einheiten waren in Afghanistan berüchtigt. Man kann vermuten, dass ihre Mitglieder nach dem Abzug der amerikanischen Truppen am ehesten von den Taliban bedroht worden wären, sofern ihnen nicht die Ausreise ermöglicht worden wäre.
