FAZ 23.01.2026
15:55 Uhr

Tod von Angelika Mann: Manchmal hart, immer mit Herz


Sie sang Rock-Balladen von sozialer Härte und Kinderlieder voll Jux und Ulk. Jetzt ist die Sängerin und Schauspielerin Angelika Mann mit 76 Jahren gestorben.

Tod von Angelika Mann: Manchmal hart, immer mit Herz

Gut gelaunt und leicht genießbar war die Rock-Ballade „Kutte“ nicht, die Angelika Mann 1981 mit ihrer Gruppe Obelisk herausbrachte. Eine junge Frau sang darin von ihrem Ehemann: „In seinem Job, da isser Spezialist, aber leider ooch im Suff“. Und nachdem sich die zarte Frau vom Erzählen bis zum Kreischen gesteigert hatte, zog sie den Schluss: „Die Liebe, die hat er kaputtjemacht, trotzdem isser mein Mann“. Schnörkellos und hart sang Angelika Mann, als Rockröhre aus dem Geist der rotzigen Chansons einer Blandine Ebinger oder Claire Waldoff. Sie war in der DDR ein Publikumsliebling, besonders wegen ihres Liedes „Ich wünsch’ mir ein Baby sehr, richtig drall und rund“, wozu sie ihre entsprechende Physiognomie sympathisch in Szene setzte, um dann die Frage aufzuwerfen: „Wo nehm’ ich den Vater her? Tüchtig, klug und schön?“. Aber vor allem den Kindern war sie nahe durch ihre Lieder für die Platte „Der Traumzauberbaum“, die sie – wie viele andere Lieder auch – zusammen mit Reinhard Lakomy herausgebracht hatte. Und da zeigte sie sich stimmlich wieder ganz anders: sanft, verspielt, mit Sinn für kindlichen Jux und Ulk. Angelika Mann war am 13. Juni 1949 in Berlin zur Welt und jung zum Kino gekommen. In der Regie des Großmeisters Egon Günther spielte sie 1976 in der Filmversion von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ eine Cousine, auch das Fernsehen wollte sie haben. Dem Erfolg zum Trotz – sie hatte 1982 ihre eigene Fernsehsendung „Rockmusik zum Anfassen“ bekommen – verließ sie der ideologischen Enge wegen die DDR. In Westberlin arbeitete sie als Drehbuchautorin und Synchronsprecherin und fand schnell auf die Theaterbühne, etwa als Lucy in Günter Krämers Inszenierung der „Dreigroschenoper“ im Theater des Westens. In den Programmen des ORB (heute RBB) und des MDR fand sie zur einstigen Prominenz zurück. Am 21. Januar ist Angelika Mann, „die Lütte“, wie sie früh genannt wurde, gestorben.