Boris Becker ist auch nur einer aus dem Volk. Er mag zwar so hoch gestiegen und so tief gefallen sein wie sonst kaum einer, geht es aber darum, sich als Nebenbundestrainer berufen zu fühlen und seinen Senf dazuzugeben, wenn es bei der Nationalmannschaft im WM-Jahr um die Wurst geht, unterscheidet sich die Tennislegende kaum von 80 Millionen anderen Deutschen. So hat der Fußballbeobachter Becker gerade in die Premier-League-Spiele gezappt und dabei einen Landsmann entdeckt, den er via X sogleich Julian Nagelsmann ans Bundestrainerherz legte. Gemeint war „ein junger Deutscher“ namens Anton Stach. Ob ihn Nagelsmann schon beobachtet habe, fragte Becker lässig oder listig. Dass Stach schon 27 ist und Nagelsmann neulich begründete, warum er den zweimaligen Nationalspieler nicht beruft, könnte Becker wissen. Wie er auch weiß, dass der von ihm bei Leeds United entdeckte Profi der Sohn von Matthias Stach ist, jenem Journalisten, mit dem Becker viel Zeit in der Tennismoderatorenkabine verbringt. Dass Becker über genügend Einfluss verfügt, den Sohn eines Kumpels ins WM-Spiel zu bringen, unterscheidet ihn dann doch vom Otto Normalbundestrainer.
