FAZ 05.02.2026
14:35 Uhr

Tiefstand erreicht: Immer weniger Menschen heiraten


Nur noch jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist verheiratet. Die Menschen lassen sich bis zum Ja-Wort immer länger Zeit, wie eine Statistik zeigt. Dafür halten Ehen länger als früher.

Tiefstand erreicht: Immer weniger Menschen heiraten

In Deutschland wird immer später und seltener geheiratet. Nur noch jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist verheiratet. Ende 2024 lebten demnach knapp 35 Millionen Menschen in Deutschland in einer Ehe. Dreißig Jahre zuvor waren es noch rund 60 Prozent der Erwachsenen, also knapp 40 Millionen Menschen. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamts, die anlässlich des Welttags der Ehe (8. Februar) am Donnerstag veröffentlicht wurden. Damit setzt sich ein Trend fort: Die absolute Zahl und der relative Anteil der Verheirateten sinken in Deutschland seit Jahren. Mit knapp 350.000 ist die Zahl der Eheschließungen 2024 seit Beginn der Statistik im Jahr 1950 auf dem niedrigsten Stand. Am höchsten war 2024 der Anteil der Verheirateten noch bei den 65- bis 69-Jährigen. In dieser Altersgruppe waren zwei Drittel verheiratet oder lebten in einer Lebenspartnerschaft. Ein Grund für die sinkende Zahl der Eheschließungen: Wenn sie heiraten, dann lassen sich die Deutschen mehr Zeit bis zum ersten Jawort. Das Durchschnittsalter stieg innerhalb von 30 Jahren um rund sechs Jahre. 2024 waren Frauen bei ihrer ersten Heirat im Schnitt 32,9 Jahre alt, Männer 35,3 Jahre. Untersuchungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen, dass längere Bildungs- und Ausbildungsphasen den Übergang ins Erwerbs­leben verzögern und damit auch den Zeitpunkt einer Eheschließung. Auch Unsicherheiten bezüglich des Arbeitsmarktes und die Angst vor Scheidungsfolgen spielen eine Rolle in der Heiratsentscheidung. Im Juni 2017 wurde die „Ehe für alle“ eingeführt. 2024 entfielen knapp drei Prozent der geschlossenen Ehen auf gleichgeschlechtliche Paare, 97 Prozent auf Paare unterschiedlichen ­Geschlechts. Obwohl — oder vielleicht auch gerade weil – Ehen seltener und später geschlossen werden, halten sie inzwischen länger. 2024 wurden gut 129.300 Ehen geschieden und somit etwas mehr (plus 0,3 Prozent) als im Vorjahr, in dem der niedrigste Stand seit der deutschen Vereinigung erreicht worden war. Die Durchschnittsdauer einer Ehe bis zur Scheidung lag 2024 bei 14,7 Jahren. Im Jahr 1994 waren Ehepaare bis zur Scheidung im Schnitt zwölf Jahre verheiratet. Gemessen an der Bevölkerung wird in Deutschland etwas häufiger geheiratet als im EU-Durchschnitt. 2023 wurden im EU-Schnitt vier Ehen pro 1000 Einwohner geschlossen, in Deutschland waren es 4,3. Die meisten Ehen wurden laut Eurostat in Rumänien (5,8), Lettland (5,6) und Ungarn (5,2) geschlossen, die wenigsten in Bulgarien (3,4), Italien (3,1) und Slowenien (3,0).