Ein Flugzeug stürzt im Kongo ab. Die Hintergründe bleiben mysteriös. Unter den Todesopfern befindet sich der britische Journalist Steve Lush. War das ein Unfall, oder steckt mehr dahinter? Mit dieser Frage beginnt der Sechsteiler „The Kollective“, der im ZDF-Stream und bei ZDFneo läuft. Die Serie des öffentlich-rechtlichen Senderbündnisses „European Alliance“ ist von dem preisgekrönten Dokumentarfilm „Bellingcat: Truth in a Post-Truth World“ inspiriert. Die Niederländerin Femke Wolting hat sowohl den Film als auch die Serie produziert. Sie handelt von einer auf ganz Europa verteilten Gruppe von Bürgerjournalisten, die dem Fall nachgeht: Joshua (Gregg Sulkin) und Delia (Céline Buckens) aus London, Etienne (Grégory Montel) aus Nantes, Lucas (Gijs Blom) aus Amsterdam und Aaron (Felix Mayr) aus Berlin. Dessen Vater, Robert Bertel (Moritz Bleibtreu), ist ein erfolgreicher Pianist und Narzisst, der seinen Sohn vernachlässigt. Joshuas persönliche Wunde und sein Antrieb Die Rechercheure schalten sich regelmäßig digital zusammen und sichten Videomaterial. Ihr Anspruch: unabhängiger Journalismus, Quellen offenlegen, maximale Transparenz. Sie wollen anders sein als die klassischen Medien. Jedoch stoßen sie bald an Grenzen. Als die Gruppe diskutiert, wie sie weiter vorgehen soll, tut sich Joshua mit Hintergrundwissen hervor. Über Flugzeugabstürze und deren Opferzahlen ist er genau informiert. Er erwähnt die Malaysia-Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH17, die im Juli 2014 über der Ostukraine von einer russischen Rakete abgeschossen wurde. Alle 298 Insassen des Flugzeugs kamen ums Leben. Doch was hat das mit dem Fall im Kongo zu tun? Es stellt sich heraus, dass Joshuas Vater, ein Journalist, vor mehr als 20 Jahren ebenfalls bei einem Flugzeugabsturz starb. Das ist Joshuas persönliche Wunde – und sein Antrieb. Er will wissen, was im Kongo passiert ist. Gegen den Rat der Gruppe kontaktiert er die Journalistin Maya (Natasha McElhone), die für das große Medienunternehmen „Globecom“ arbeitet. Sie vermittelt ihm einen Kontakt. Joshua reist nach Kinshasa. Hier trifft er die Taxi-Unternehmerin Claude (Martha Canga Antonio). Sie ist eine politische Aktivistin aus Kongo, die geheime Aufnahmen vom Flugzeugabsturz besitzt. Die kongolesische Regierung hält diese bewusst zurück. Claude kannte Lush, den sie mit Informationen über die Korruption im Land versorgte. Es geht um Vorfälle in Coltan-Minen, an denen die Russen Interesse haben. Zu den anstehenden Präsidentenwahlen hat der Kandidat Lusamba angekündigt, er werde alle Coltan-Minen verstaatlichen. Was die Russen davon halten, kann man sich denken. Und welche Mittel sie einsetzen, auch: Cyberangriffe, Folter und Mord. Die Recherche könne gefährlich sein, sagt Claude zu Joshua. Sie wird recht behalten. Im Dunkeln sind wir alle gleich Wer ist für die Morde und Attentate verantwortlich? Die Bürgerjournalisten graben tiefer. Sie stoßen auf manipulierende Chatbots und Deepfakes, die Verschwörung nimmt Formen an. Koordiniert werden die Desinformationskampagnen von einer Firma in Sankt Petersburg, die den Wahlkampf im Kongo zu beeinflussen sucht. Auf den Drahtzieher Simon Kuzmin (Timothy V. Murphy) trifft Aaron schließlich in einer Fabrik im Osten Russlands. „Wollen Sie einen Krieg anfangen?“, fragt Aaron. „Das haben wir überhaupt nicht nötig“, antwortet Kuzmin. „Wir schalten einfach nur eure Systeme ab. Eure Behörden, Flughäfen, Kliniken, die Telekommunikation, Banken. Und wenn die Welt, die ihr kanntet, kollabiert ist, werdet ihr äußerst schnell feststellen, dass wir im Dunkeln alle gleich sind. Und nach der Dunkelheit fahren wir unsere Telekommunikationssysteme wieder hoch.“ Weit entfernt von der Realität ist das Szenario der von der ersten bis zur letzten Minute spannenden und klug aufgebauten Serie „The Kollective“ nicht. Sie zeigt auf raffinierte Weise, wie anfällig die Welt für Desinformation und Fake News ist, wie Cyberattacken und Krieg auf dem Boden ineinandergreifen und wie autoritäre Staaten die Demokratie bekämpfen. Und wie gefährdet Journalisten sind, die der Wahrheit auf die Spur kommen wollen. Sie zahlen einen hohen Preis. The Kollective startet am Sonntag um 20.15 Uhr bei ZDFneo und läuft im ZDF-Stream.
