Bevor es die mehr oder weniger kleinen Gourmetrestaurants gab, spielte sich das gute Essen außer Haus vor allem in großen Hotels ab. In den letzten Jahrzehnten haben viele Hotels eher auf eine Kombination von Gourmet- und einfachem Hotelrestaurant gesetzt. Nun scheint der Trend wieder mehr in Richtung der großen Hotelrestaurants mit sehr guter Küche zu gehen – mit oder ohne Gourmetrestaurant als Ergänzung. Vorbild und eine Art Zwischenstation sind die diversen Grills, die es auf der ganzen Welt mit einem ähnlichen Speisenangebot gibt – zwischen einigen internationalen Gerichten und vor allem mit viel Fleisch vom Grill. Das neue Hotel „The Florentin“ in Frankfurt, zu dem auch die spektakuläre „Villa Kennedy“ gehört, hat neben dem exzellenten Gourmetrestaurant „The Dune“ beim großen Hauptrestaurant „The Garden“ einen deutlich ambitionierteren Weg eingeschlagen. Internationale Klassiker werden nicht irgendwie abgehandelt Das merkt man sofort – zum Beispiel bei der „Fish Soup Deluxe“ (klein 25, groß 36 Euro). Hier gibt es eine klare, aber komplex-würzige Basis, die mit bissgerechten Fischstückchen, Oktopus und Miesmuscheln angereichert ist. Das Knoblauchbrot dazu ist mild gehalten, so dass sich insgesamt ein erfreuliches Bild ergibt, das der Gast sofort zum Besten zählt, was er in ähnlichen Restaurantformaten bisher bekommen hat. Die zweite Vorspeise, das „Grilled Lettuce Heart – Kopfsalat, Kapern, Parmesan, Focaccia“ (19 Euro, plus acht Euro für eine gegrillte Maispoulardenbrust dazu), fällt wegen der guten Proportionen der krossen Texturen, der süffigen Soße und der zarten Garung für das Huhn ebenfalls durch handwerkliche Qualität auf. Es zeigt sich, dass im „The Garden“ eben nicht internationale Klassiker irgendwie abgehandelt werden, sondern über allem ein auffällig guter Geschmack bestimmend ist. Die Seezunge, hier nach Wahl mit Spinatblättern und Sauce hollandaise zu haben (38 Euro plus acht für das Gemüse und fünf für die Soße), ist von allerbester Qualität, dezent gebraten, um den reinen Produktgeschmack zu erhalten, und als übereinander gelegtes, großes Mittelstück serviert. Auch der Spinat, die Sauce hollandaise und eine zusätzliche Zitronen-Kapern-Butter sind so eingestellt, dass sie im besten Sinne begleiten und anreichern. Ganz ähnlich wird dann auch das „Dry Aged Entrecôte“ mit Kartoffelgratin und Sauce béarnaise präsentiert (150 g 31 Euro). Hier scheint es dem Koch wichtig zu sein, dass man das Fleisch auch ohne Begleitung essen kann. Es schmeckt einfach hervorragend, ist gleichmäßig à point gegart und hat eine feine, aber deutliche Grillnote. Da fragt man dann schon einmal nach dem Koch und erfährt, dass Marceau Wißkirchen vorher stellvertretender Küchendirektor in dem für seine gute Küche bekannten Luxushotel „Öschberghof“ in Donaueschingen war – und damit allerbeste Voraussetzungen hat. „The Garden“ im Hotel „The Florentin“Paul-Ehrlich-Str. 9, 60596 Frankfurt069/60 51 350, www.theflorentin.comKüche Mo.–Fr. 12.30–14, Sa.–So. 12.30–14.30 Uhr und tägl. ab 18 UhrVorspeisen ca. 17–28, Hauptgerichte ca. 32–68 Euro; verkürzte Mittagskarte
