FAZ 08.12.2025
08:51 Uhr

Thailand und Kambodscha: Trumps „Friedensabkommen“ wird brüchig


Die von den USA vermittelte Waffenruhe an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha währt nicht lange. Wie im Juli weisen beide Seiten einander die Schuld zu.

Thailand und Kambodscha: Trumps „Friedensabkommen“ wird brüchig

Erst im Oktober hatten Thailand und Kambodscha in Kuala Lumpur unter Vermittlung von US-Präsident Donald Trump ein „Friedensabkommen“ unterschrieben. Doch nur eineinhalb Monate später eskaliert die Lage an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha wieder. Wie aus Bangkok verlautete, hat das Militär am Montag mit F-16-Kampfflugzeugen Luftangriffe auf militärische Ziele entlang der Grenze geflogen. Nach thailändischen Angaben waren durch kambodschanisches Artilleriefeuer ein thailändischer Soldat getötet und acht weitere verletzt worden. Kambodschas Verteidigungsministerium hatte dagegen mitgeteilt, dass das thailändische Militär die Gefechte am Morgen mit Angriffen an zwei Grenzorten begonnen habe. Die kambodschanischen Truppen hätten nicht zurückgeschossen. Dem Wiederaufflammen der Gefechte waren tagelange Spannungen vorausgegangen. Nach thailändischen Angaben hatten kambodschanische Truppen schon am Sonntagabend das Feuer eröffnet und über Nacht Raketensysteme und Panzer in das Grenzgebiet in den Provinzen Oddar Meanchey und Preah Vihear gebracht. Kambodscha: Thailand setzte „giftigen Rauch“ ein Kambodscha beschuldigte das Nachbarland, im Grenzgebiet Truppen zusammengezogen und zunächst mit kleinkalibrigen Waffen und danach mit Maschinengewehren über die Grenze geschossen zu haben. Zudem habe es „giftigen Rauch“ eingesetzt und mehrere Tempelanlagen beschossen. Eine Militärsprecherin warf Thailands Militär „tagelange Provokationen“ vor. Den Provinzregierungen zufolge waren durch die thailändischen Schüsse mindestens drei Zivilisten verletzt worden. Kambodschas früherer Langzeitherrscher Hun Sen warf Thailand in einem Facebook-Post „Aggression“ vor. „Die rote Linie für eine Reaktion ist bereits festgelegt“, schrieb der Senatsvorsitzende und Vater des amtierenden Regierungschefs Hun Manet. Thailands Regierungschef Anutin Charnvirakul wandte sich mit einer im Fernsehen übertragenen Rede an die Nation. Malaysia ruft zu Zurückhaltung auf Darin wies er die Vorwürfe zurück, dass Thailand die neue Eskalation verursacht habe. „Thailand war nie die Seite, die etwas initiiert oder eine Invasion gestartet hat“, so der Ministerpräsident. Aber er warnte Kambodscha vor weiteren Militäraktionen: Thailand werde „keine Verletzung seiner Souveränität zulassen“. Malaysias Ministerpräsident Anwar Ibrahim, der ebenfalls in dem Konflikt vermittelt hatte, zeigte sich am Montag beunruhigt über die jüngste Eskalation. Er rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf. In der vorangegangenen Eskalation im Juli waren in mehrtägigen Schusswechseln mehr als 40 Menschen getötet worden. Mehr als 300.000 Menschen hatten die Flucht ergriffen. Allein in Thailand sollen nun wieder 35.000 Menschen ihre Häuser verlassen haben. Schon im November hatte Thailand das Friedensabkommen vorläufig ausgesetzt, nachdem ein Soldat durch eine Landmine verletzt worden war. Das Abkommen von Kuala Lumpur hatte Deeskalationsmaßnahmen wie einen schrittweisen Rückzug der Truppen und die Freilassung gefangener kambodschanischer Soldaten festgelegt. Den eigentlichen Grenzkonflikt, in dem es um mehrere historische Tempelanlagen geht, löste das Abkommen aber nicht. Im Zentrum des Konflikts steht seit einiger Zeit die hinduistische Tempelanlage Preah Vihear, der seit 2008 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt.