FAZ 20.02.2026
11:20 Uhr

Telekom auf Abwegen: Werbekom


Die Telekom ersetzte die Netzkennung „Telekom“ auf dem Smartphone-Display durch „Im besten Netz“. Diese Werbeaktion ging gründlich in die Hose.

Telekom auf Abwegen: Werbekom

Seit Ende Januar sahen Mobilfunkkunden der Telekom statt der Netzkennung „Telekom“ in der linken oberen Ecke ihres Smartphones die rollende Werbezeile „Im besten Netz“. Hier wurde also ein Informationskanal zum Ausspielen von Eigenwerbung genutzt. Dumm nur, dass die lediglich jene Menschen erreichte, die bereits Kunden der Telekom waren. Nutzer anderer Netze sahen die Zeile selbstredend nicht. Also konnte man damit nicht nur keine Neukunden gewinnen, sondern hat seine eigene Kundschaft strapaziert. Die nutzt und bezahlt ein Produkt und sieht trotzdem Werbung an einer Stelle, die dafür nicht gedacht ist. Vergangene Woche endete der Spuk nach einer einstweiligen Verfügung durch das Landgericht Düsseldorf. Nicht nur die Telekom macht sich mit der Umwidmung technischer Informationen in Werbebanner unbeliebt. Seit Jahr und Tag liegt unser wichtigster Grund, kein modernes, teures Fernsehgerät von Samsung zu kaufen, nicht etwa in den Eigenschaften des vorzüglichen Produkts, sondern in der Marotte des Herstellers, in den Menüs Werbung auszuspielen. Auch auf den Außendisplays smarter Kühlschränke der Südkoreaner sieht man Reklame. Vor Weihnachten machte die Geschichte einer psychisch labilen Frau die Runde, die dachte, eine psychotische Episode zu haben, und sich in die Psychiatrie begab. Ihr Samsung-Gerät zeigte auf dem Außendisplay „Es tut uns leid, dass wir dich verärgert haben, Carol“. Die Frau heißt Carol und verstand das als an sie gerichtete Botschaft. Es war jedoch Reklame für „Pluribus“, eine TV-Serie von Apple, in der eine Protagonistin Carol heißt. Grenzen verschieben sich, man muss und darf mit der Zeit gehen. Aber ist es zu viel verlangt, Werbung auf diejenigen Formate zu beschränken, die als Werbung sofort erkennbar sind?