FAZ 01.01.2026
08:49 Uhr

Teil 1: Einmal in Palästen wohnen!


Man wird ja nochmal träumen dürfen: zehn luxuriöse Orte, an denen man fern der realen Welt königlich entspannen könnte.

Teil 1: Einmal in Palästen wohnen!

Kapitel: Einmal in Palästen wohnen! 1 Marokko 2 Zillertal 3 Umbrien 4 Biarritz 5 Norwegen 6 Le Bar Napoléon III im Hôtel du Palais in Biarritz: Hier tranken schon Vertreter des europäischen Hochadels – und Frank SinatraFoto: Maité Photo Teil 1 Einmal in Palästen wohnen! Le Bar Napoléon III im Hôtel du Palais in Biarritz: Hier tranken schon Vertreter des europäischen Hochadels – und Frank SinatraFoto: Maité Photo 1. Januar 2026 · Man wird ja nochmal träumen dürfen: fünf luxuriöse Orte, an denen man fern der realen Welt königlich entspannen könnte. Nächstes Kapitel: Marokko Weiterlesen Marokko Von FLORIAN SIEBECK Wer in Marokko mal beim Throninhaber wohnen will, ist hier richtig: Das Hotel gehört ihm. In Marokko ist es kein Geheimnis, dass die nördliche Mittelmeerküste des Landes der Rückzugsort der feineren Gesellschaft ist. Touristen aus dem Westen verirren sich eher selten hierher. Vielleicht, weil die Wellen hier nicht so hoch sind wie im Atlantik und deshalb weder Surfer kommen noch solche, die gerne welche wären. Vielleicht aber auch, weil der nächstgrößere Flughafen in Tanger gerade weit genug entfernt liegt, um die Küste vor dem Easyjetset zu beschützen, der den Rest des Landes in Beschlag genommen hat. Die Strände jedenfalls sind leer, und die Sonne ist gnädig, und es wäre schön, wenn das noch eine Weile so bliebe. Doch auch im Westen dürfte der Landstrich bald bekannter werden. Denn gerade hat hier ein neues Hotel aufgemacht. Es heißt „Royal Mansour Tamuda Bay“ und grenzt direkt an den Privatstrand des marokkanischen Königs, der hier an der Bucht, nördlich von Tétouan, eine weitläufige Sommerresidenz unterhält. Dass das Hotel wie eine natürliche Verlängerung seines Anwesens wirkt, dürfte einen einfachen Grund haben: Auch das Hotel gehört ihm. Wer also schon immer einmal wissen wollte, wie sich das Leben im Schatten der Macht anfühlt, ist hier goldrichtig. Zwar sind die Suiten weit weniger ostentativ, als man vermuten würde – keine goldenen Armaturen, kein überladener Prunk –, dafür ist das Briefpapier in Gold mit dem eigenen Namen bedruckt. In „Mein Name sei Gantenbein“ hat Max Frisch mal geschrieben, jeder erfinde früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben halte. Wer seine etwas ausschmücken will, sollte ab und zu in einem Luxushotel übernachten. Es liefert die Kulisse, das Drehbuch, manchmal sogar den Soundtrack, um der eigenen Biographie ein kleines Extrakapitel einzuschieben, ohne sie ganz umschreiben zu müssen. Zwischen Spa-Treatment und Zwölf-Gänge-Menü kann man für ein paar Tage in einem alternativen Leben wohnen, in dem die Wäsche gefaltet wird, ständig neue Köstlichkeiten im Zimmer erscheinen und das Leben selbst von einer makellosen Ordnung scheint, die jenseits der eigenen Unzulänglichkeit existiert. Ein wahrhaft herrschaftlicher Blick über die Stadt: Der großzügige Salon in einer der Exceptional Suites des Royal Mansour in CasablancaFoto: Cyrille Robin Während ich zu Hause aufwache, vielleicht missmutig aufs Handy starre, leise fluche und an die Arbeit gehe, ziehe ich hier einen makellos gesteamten Bademantel an, trinke Tee auf der Terrasse und bestelle Frühstück per iPad. Als es an der Tür klingelt, öffne ich – niemand da. Bis plötzlich ein Mann in akkurat gebügelter Livree mitten im Zimmer steht, als wäre er herbeigezaubert worden. „Pardon, ich wollte Sie nicht erschrecken“, sagt er in gepflegtem Französisch und tischt in wenigen Handgriffen ein ganzes Arsenal an Tellern, Schälchen und silbernen Deckeln auf, ehe er so lautlos verschwindet, wie er gekommen war. Das Personal, erfahre ich, bewegt sich durch ein Netz aus unterirdischen Gängen, damit kein Gast je einen Reinigungswagen oder fremde Essensreste zu Gesicht bekommt. Dass man sich hier unweigerlich wie ein Teil eines höfischen Apparats fühlt, liegt auch an der sehr üppigen Personalquote. Selbst in der Nebensaison kümmern sich über 500 Bedienstete um die gerade einmal 55 Villen. Sie agieren wie Schatten; tauchen auf, erledigen, verschwinden wieder. Man hat das Gefühl, Zentrum einer ausgeklügelten Choreographie zu sein, deren einziger Zweck darin besteht, das Leben des Gastes möglichst reibungslos zu gestalten. Lässt man etwa irgendwo ein Kabel liegen, um durch die Gartenanlagen des spanischen Bonsai-Meisters Luis Vallejo zu streifen oder eine Ausfahrt auf dem hauseigenen Riva-Boot zu unternehmen, findet man es bei der Rückkehr fein ordentlich aufgerollt, fixiert mit einem kleinen Lederband. Es fühlt sich an wie eine perfekt temperierte Blase, aus der alles Störende entfernt wurde. Abends liege ich im Pool, dessen Boden aus grünem Quarzit sich so weich anfühlt, als hätte der Stein beschlossen, für einen Moment selbst Wasser zu sein. (Wahnsinn, wo man doch sonst nur in gekachelten Bädern schwimmt.) Über mir hängen hundert Bocci-Leuchten wie eingefrorene Tropfen; über dem Solebecken nebendran schwebt ein künstlicher Mond, der die Szene in ein erstaunlich romantisches Zwielicht taucht. In einer Welt, die nach Authentizität schreit, denke ich, ist das Luxushotel vielleicht der letzte Ort, der ganz offen zugibt, dass es hier um pure Fiktion geht. Das Zimmer ist Bühne, der Aufenthalt ein Schauspiel und die Rechnung am Ende nichts anderes als das Eintrittsticket für eine perfekt inszenierte Illusion. Natürlich darf man sich fragen, warum der König das alles tut. Es möglich macht, sich für einen Moment in sein Leben hineinzufühlen, zumindest ein bisschen. Nötig hätte er es ja nicht: Mit einem Privatvermögen zwischen sechs und acht Milliarden Dollar ist Mohammed VI. der reichste Mann des Landes. Er müsste nicht den CEO aus dem Pariser „Crillon“ abwerben, um den Geist französischer Spitzenhotellerie nach Marokko zu importieren. Müsste keine Dreisterneköche wie Éric Fréchon engagieren, der das Pariser „Bristol“ nach Jahrzehnten überraschend verließ, um hier in Tamuda Bay anzuheuern mit Gerichten, die einer Offenbarung gleichkommen. Oder Quique Dacosta (ebenfalls drei Sterne) holen, der in seinem Restaurant hier eine preisverdächtige Paella unter einer Decke aus Perlmutt serviert. Suite mit Ausblick: Der Duft der Bettwäsche, die besondere Stille: Alles ist aufeinander abgestimmt Der Boden aus grünem Quarzit, darüber ein breiter Mond: ein Pool des Royal Mansour Tamuda Bay Fotos: Courtesy Royal Mansour Vielleicht will der König zeigen, dass Gastfreundschaft in Marokko keine Folklore ist, sondern Staatskunst. Vielleicht will er beweisen, dass das Land Weltformat hat. Vielleicht macht er es auch einfach, weil er kann. Denn rechnen muss sich das alles vermutlich vorerst nicht. Das Haus in Tamuda Bay ist nur eines von dreien: Auch in Casablanca hat vor Kurzem ein „Royal Mansour“ eröffnet – vorher, höre ich, wohnten Angestellte dort ein Jahr lang selbst, um ihren Service zu perfektionieren. Und schon 2010 entstand unter der Ägide des Königs in Marrakesch das erste „Royal Mansour“ – eine Hommage an das marokkanische Handwerk, an der rund tausend Kunsthandwerker vier Jahre lang arbeiteten. „War es nicht schwierig, so viele von denen zu finden?“, frage ich eine Mitarbeiterin. „Nicht wirklich“, antwortet sie mit leichtem Unverständnis. „Er ist ja der König.“ Das „Royal Mansour Marrakech“ ist ganz anders als das in Tamuda Bay. Palastiger, weit näher an der Vorstellung davon, wie sich ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht anfühlen würde, wenn es jemand mit Geschmack nachbauen würde. Geschnitzte Decken aus Zedernholz, feinster Stuck, Mosaike wie Teppiche aus Stein, handgearbeitete Laternen und Bögen, die selbst Wände und Böden mit Schatten zieren. Statt einzelner Zimmer ist das Hotel wie eine kleine Medina angelegt: Hinter unscheinbaren Türen verbergen sich große Riads, hinter großen Türen kleine. Manche dieser kleinen Paläste sind 140, andere 1800 Quadratmeter groß. Morgens hört man Vögel in den andalusisch angehauchten Gärten zwitschern, und im Spa plätschert ein Brunnen mit hundert weißen Rosen, vielleicht sind es auch tausend. Es reicht jedenfalls, um die Sinne so zu betören, dass einem dieses Leben nach einem Tag schon vollkommen selbstverständlich vorkommt. Gerade jetzt, wo die Welt wenig Tröstliches bietet, erlauben einem Luxushotels, für eine Nacht oder zwei die Hauptrolle in der eigenen Legende zu spielen. Dabei hat das alles natürlich seinen Preis – und keinen bescheidenen. Die Nacht im „Royal Mansour Marrakech“ kostet in der Nebensaison 1600 Euro, in Tamuda Bay sind es immerhin rund tausend Euro weniger. Trotzdem sollte man sich das hin und wieder leisten, wenn man kann. Nicht weil es vernünftig wäre (wer braucht schon Vernunft!), sondern weil diese Form von ästhetischer Hygiene ab und zu einfach notwendig ist. Die einen fahren zur Kur, andere kaufen Kunst – und manche buchen ein Zimmer, in dem alles, vom Duft der Bettwäsche bis zur Klangfarbe der Stille, perfekt aufeinander abgestimmt ist. Und wenn ein König ein Hotel baut, das schöner ist als mancher Palast, wäre es da nicht unhöflich, nicht vorbeizuschauen? Wenn man jemandem, der Nächte in Luxushotels für rausgeschmissenes Geld hält, die Angenehmheit des Vakuums erklären wollte, das solche Orte erzeugen, könnte man es so beschreiben: Es fühlt sich an wie eine perfekt temperierte Blase, aus der alles Störende entfernt wurde: Geräusche von außen, Unordnung, Widersprüche. Man darf nur nicht den Fehler machen, die Nachrichten zu lesen. Oder sonstige Eingriffe seines ordinären Lebens von draußen zuzulassen. Zum Beispiel daran zu denken, dass man das Ganze ja noch bezahlen muss. Denn Luxus funktioniert am besten durch Abwesenheit von Reibung: Alles gleitet, alles fügt sich, selbst die Zeit scheint sich geschmeidiger zu bewegen, wenn auch nicht unbedingt langsamer. Luxushotels sind die Kathedralen unserer säkularen Zeit: Orte, an denen man das Staunen üben kann, ohne an etwas glauben zu müssen. Türen in andalusisch-maurischem Stil führen in die Vorgärten der VillenFoto: Courtesy Royal Mansour Außer vielleicht an ein angenehmeres Leben. Gerade jetzt, wo die Welt wenig Tröstliches bietet, erlauben einem Luxushotels, für eine Nacht oder zwei die Hauptrolle in der eigenen Legende zu spielen – inklusive Turn-Down-Service und Pistazienpralinen auf den Zimmern, die derart viele Gefühlsregungen in mir hervorrufen, dass mich selbst heute beim Gedanken daran noch ein kleines Glücksflimmern durchfährt. Das macht den Luxus des Luxushotels zugleich so verführerisch und so gefährlich: Man beginnt zu glauben, dass es ein Leben ohne Ecken und Kanten tatsächlich geben könnte. Dass sich der Lärm der Welt tatsächlich besiegen ließe, wenn man nur genügend Kopfkissen auf dem Bett platziert oder die Gardinen lang genug sind, um die Wirklichkeit auf Abstand zu halten. Natürlich bleibt, zumindest bei Normalsterblichen wie mir, selbst im vollkommensten Luxus ein Rest von Leere, der sich nicht übertünchen lässt. Vielleicht, weil Perfektion auf Dauer anstrengend ist. Oder weil man spürt, dass hinter der makellosen Oberfläche, in der kein Raum für Zufälle ist, kein wirklich echtes Leben mehr lauert. Die vollkommene Ordnung macht still. Vielleicht ist aber auch das der eigentliche Luxus: nicht der Duft des Zedernholzes, nicht die Präzision des Service, sondern der Moment, in dem man merkt, dass selbst Vollkommenheit vergänglich ist. Vielleicht lohnt sich gerade deshalb das Investment in die Illusion, dass das Leben schöner, klarer, besser sein kann, wenn man nur kurz die Kulisse wechselt. Wer nach nur einer oder zwei Nächten wieder abreist, hat möglicherweise nicht viel gewonnen außer einer Erinnerung. Aber einer, die man nicht vergisst. Übernachtung im „Royal Mansour Marrakech“ (Rue Abou Abbas El Sebti 40000) ab 1600 Euro, im „Royal Mansour Tamuda Bay“ (203 Route de Fnideq, M’diq 93200) ab 600 Euro, im „Royal Mansour Casablanca“ (27 Avenue des Forces Armées Royales, Casablanca 20250) ab 700 Euro Nächstes Kapitel: Zillertal Weiterlesen Zillertal Von ANDREAS LESTI Die Berliner Hütte auf 2042 Meter Höhe ist wohl die ungewöhnlichste aller Alpenvereinshütten und in Wirklichkeit eher ein alpiner Palast, der an ein feudales Grandhotel in prächtiger Natur erinnert. Es ist Teil seiner Magie, dass man noch heute drei Stunden zu Fuß gehen muss, um diesen bemerkenswerten Ort zu erreichen. Man glaubt, sich von der Zivilisation zu entfernen, immer karger wird die Bergwelt, die Bäume kleiner, die Felsen bedrohlicher, der Weg steiler. Und dann, wenn bereits alle Hoffnung geschwunden ist, erscheint sie nach einer Pfadbiegung: die Berliner Hütte, umrahmt von Bächen, Gipfeln und Gletschern. Aber warum eigentlich Hütte? Es ist ein alpiner Palast! Ein Steinbau, groß wie ein Hotel, mit wehenden Fahnen und rauchenden Kaminen, mit Nebengebäuden, die für sich schon größer sind als gewöhnliche Schutzhäuser. Fünf breite Steinstufen führen hinauf zum Eingangsportal und hinein ins Foyer dieser ungewöhnlichsten aller Alpenvereinshütten. Schon das Entree erinnert an ein Grandhotel, und unweigerlich wandert der Blick an den holzvertäfelten Wänden fünf Meter nach oben, zum kunstvoll geschnitzten Zirbenholz-Kronleuchter. Auf einem Schild der Plural: „Zu den Speisesälen“. Wer durch die Holztüren weiter hineingeht, entdeckt ein Münztelefon, eine Wanduhr, Ölgemälde, den Damensalon und den repräsentativen Festsaal. Die Hütte verfügt über 140 Schlafplätze, es gibt Doppelzimmer und Duschen. In einem Seitental des Zillertals hängt der kunstvoll geschnitzte, beeindruckende Zirbenholz- Kronleuchter in dem Gebäude, dessen Grundstein 1879 gelegt wurdeFoto: Bastian Schulte Seit 1879 kommen Gäste auf die Berliner Hütte, die im Zemmgrund, einem sich oben öffnenden Seitental des Zillertals, auf genau 2042 Meter Höhe steht. Um die Jahrhundertwende wurde die Hütte immer größer, ein feudaler Gründerzeit-Prachtausbau folgte dem nächsten, und immer mehr Großstadtmenschen zog es ins Zillertal. Bald gab es Einzelzimmer, ein Postamt, eine Schuhmacherwerkstatt, Telefonanschluss und elektrische Klingelleitungen, um das Zimmermädchen zu rufen (das es heute nicht mehr gibt). Bis dann der Zweite Weltkrieg dem Hüttentourismus ein jähes Ende bereitete. Der Deutsche Alpenverein wurde wegen seiner Nähe zu den Nazis 1945 verboten, seine Hütten von den Siegermächten beschlagnahmt und ausgerechnet von Österreich treuhänderisch verwaltet. 1952 gründete sich der Verein neu und kaufte nach und nach die Hütten zurück. Unterhalten wird die Hütte heute von der Sektion Berlin des Deutschen Alpenvereins. Da, wo die Bäume kleiner und die Hänge steiler werden, fern der Zivilisation, wartet nach drei Stunden Aufstieg die Berliner Hütte auf WandererFoto: Louis Kortmann Wanderer, Bergsteiger, aber auch Ausflügler und Künstler verbringen ein paar Tage hier oben, und während einige einfach in ihrer Designerkleidung am rauschenden Sembach sitzen und versonnen auf die Gipfel schauen, machen sich andere in ihrem Outdooroutfit auf den Weg – zu einem der Bergseen, zu den Ausläufern des schwindenden Gletschers mit dem schönen Namen Waxeggkees, auf einen der vielen Dreitausender oder auf den hier beginnenden Berliner Höhenweg. Die Berliner Hütte hat von Mitte Juni bis Ende September geöffnet. Alpenvereinsmitglieder zahlen 32 Euro im Einzel- oder Doppelzimmer (15 Euro im Matratzenlager), Nichtmitglieder 49 Euro (30 Euro im Matratzenlager). Mehr unter berlinerhuette.at und www.dav-berlin.de Nächstes Kapitel: Umbrien Weiterlesen Umbrien Von ANNA VOLLMER Auf Zeitreise in die Zwanzigerjahre Im „Castello di Reschio“ Der Mann, der im Jogginganzug im Wintergarten sitzt und gerade einen Videocall führt, ist das erste Indiz dafür, dass man vielleicht doch keine Zeitreise gemacht hat. Offenbar gehört das „Castello di Reschio“, eine jahrhundertealte Burg in Umbrien, in der sich inzwischen ein Hotel befindet, also doch in unsere Gegenwart, auch wenn das Design und die Uniformen der Mitarbeiter, die einen gleich an der Auffahrt empfangen, nicht direkt danach aussehen. In Reschio gibt es alle Annehmlichkeiten der heutigen Zeit, aber man muss sie erst entdecken: „Wir mögen es, die Dinge zu verstecken“, sagt ein Mitarbeiter. Die Steckdosen auf den Zimmern sind in einem lederbezogenen Kästchen verborgen, die Yogamatte hängt in einem Stoffbeutel neben den Waschbecken. Auf nichts muss man also verzichten – und hat doch das Gefühl, die moderne Welt hinter sich gelassen zu haben. Reschio ist das Projekt der Familie Bolza, die das Hotel erst vor vier Jahren eröffnete, das Anwesen aber schon seit den Neunzigerjahren bewohnt. Als Graf Antonio Bolza und seine Frau 1984 erstmals nach Umbrien kamen, waren sie auf der Suche nach einem neuen Familienwohnsitz. Die Bolzas waren nach dem Zweiten Weltkrieg in Ungarn von den Kommunisten enteignet worden und nach Österreich geflohen. Graf Bolza war damals fünf Jahre alt. Später träumte er davon, sich etwas Neues aufzubauen, wieder Land und Pferde zu besitzen. Die Wahl fiel auf Italien, wo die Familie ihre Wurzeln hatte – und den idealen Ort für ihre Pläne fand: Reschio. Wie gemalt liegen die Gebäude des 1560 Hektar großen Anwesens auf einem Hügel an der Grenze zur ToskanaFoto: Philip Vile Wer hat noch nicht davon geträumt, in einem Turmzimmer zu wohnen? Hier ist es möglichFoto: Courtesy Castello di Reschio Reschio, ein 1560 Hektar großes Anwesen an der Grenze zur Toskana, war im vergangenen Jahrhundert vor allem landwirtschaftlich genutzt worden und hatte mehrfach den Besitzer gewechselt. Bolza und seine Frau erwarben auf dem Areal in den Achtzigerjahren „San Martino“, eine kleine Kirche mit anliegendem Pfarrhaus, bevor sie 1994 ihr gesamtes Vermögen investierten und das ganze Anwesen kauften. Das ist nun 31 Jahre her und ein weiterer Besitzerwechsel nicht vorgesehen: „Reschio wird uns hoffentlich jahrhundertelang gehören“, sagt Benedikt Bolza, Architekt und Sohn von Antonio Bolza, der das Unternehmen inzwischen führt. Um den Kauf zu refinanzieren, hatte die Familie in den Neunzigerjahren damit begonnen, die verfallenen Häuser auf dem Gelände Stück für Stück zu renovieren und zu verkaufen, inzwischen sind 33 von 50 fertig. Alle architektonischen Entscheidungen trifft Benedikt Bolza selbst, Reschio soll, obwohl viele Häuser nun externe Besitzer haben, auch optisch klar das zusammengehörige Anwesen der Familie bleiben. Dazu passt, dass die anderen Hausbesitzer höchstens einige Monate im Jahr auf Reschio verbringen, die Bolzas aber das ganze Jahr: „Das ist unser einziges Zuhause“, sagt Bolza. Jahrelang war dieses Zuhause das heutige Hotel, das Castello. Hier wohnte Benedikt Bolza mit seiner Frau Nencia und den fünf Kindern – ohne Zentralheizung, ab und an regnete es durchs Dach. Eine Zeit, die Bolza als wunderbar beschreibt. Renoviert wurde das Castello dann aber trotzdem: Die Hotelgäste müssen heute nicht mehr frieren, und es rieselt nur noch aus der Dusche. Wer sich trotzdem noch weiter aufwärmen will, geht einfach ins Spa: Der alte Weinkeller des Castello wurde in ein Badehaus verwandelt, in dem den Gästen ein Hamam, eine Sauna, ein römisches Bad und Räume für Wellness-Anwendungen zur Verfügung stehen. Benedikt Bolza ist es wichtig, dass die Menschen, die Workshops geben, echte Handwerker sind und nicht nur ein „Touri-Ding“ anbieten. Dass man in Reschio darauf bedacht ist, Traditionen der Vergangenheit zu bewahren und zu pflegen, sieht man auch am Freizeitprogramm des Hotels. Das ist so umfangreich, dass man beinahe in Stress geraten könnte: Mit Reiten, Olivenölverkostung und Bogenschießen lassen sich die Tage schnell füllen. Bei einem Workshop zum Thema Papierfärben und Buchbinden muss eine der Teilnehmerinnen gar frühzeitig gehen – die Trüffelsuche wartet! Dabei sind das Besondere an Reschio gerade seine sogenannten „House Hold Habits“, die jahrhundertealte Traditionen weiterführen: Workshops in Kunsthandwerken wie Sticken, Töpfern, Kalligraphie oder eben der Kunst, Papier zu marmorieren. Letzteres lernen die Gäste von Maria Giannini, die in Florenz in sechster Generation den Laden „Giulio Giannini e Figlio“ betreibt. Der wurde 1856 gegründet und verkauft noch immer handgebundene Notizbücher und von Hand marmoriertes Papier. Benedikt Bolza ist es wichtig, dass die Menschen, die Workshops geben, echte Handwerker sind und nicht nur ein „Touri-Ding“ anbieten, obwohl es natürlich auch Touristen sind, die sich für diese Art Handwerk interessieren. Das Papier wird in einer Wanne gefärbt, die aus einer Flüssigkeit aus ausgekochten Algen besteht. Dass man die sogar trinken könnte, sorgt bei den Teilnehmern gleich für die erste Überraschung. Die Farben werden auf das Wasser getropft, wo sie sich aber nicht vermischen. Mit unterschiedlich breiten Kämmen oder dem abgefallenen Stachel eines Stachelschweins kann man so Muster auf das Wasser zeichnen, die sich später auf das Papier übertragen. Die wenigsten werden das nach diesem Workshop wohl zu Hause nachmachen, doch am Ende kann man ein eigenhändig gefärbtes und eingebundenes Notizbüchlein mit nach Hause nehmen – eine weitere Erinnerung an den Aufenthalt. Das Badezimmer in der Grand Suite in der jahrhundertealten BurgFoto: Philip Vile Überhaupt ist man in Reschio darauf bedacht, die Gäste nicht nur mit immateriellen, sondern auch greifbaren Erinnerungen zu versorgen: Auf dem Schreibtisch des Zimmers liegen Postkarten bereit, und als Mitbringsel bekommen die Gäste ein wunderbares Paar Samtpantoffeln. Souvenirs und Postkarten gehören schließlich zu einer klassischen Reise dazu. Und klassisch soll der Aufenthalt in Reschio sein: Bei der Konzeption des Hotels, sagt Benedikt Bolza, habe er an die alten Grandhotels gedacht. Dem Stil sieht man das an: Auch wenn das Design des Hotels zeitlos und nicht in ein paar Jahren wieder aus der Mode gekommen sein solle, sagt Bolza, seien die Epoche, an der er sich am ehesten orientiert habe, die Zwanzigerjahre. Das spürt man besonders im „Palm Court“, dem Wintergarten mit zugehöriger Bar, in dem jeden Abend ein Pianist live Jazz spielt und die Barkeeper den Gästen Drinks mixen. Eine der Spezialitäten des Hotels ist der Negroni, ein klassischer italienischer Drink, der seine Besonderheit hier aber dadurch bekommt, dass er mit auf Reschio hergestelltem Gin und einem hauseigenen Amaro gemischt wird. „Service, wie er in Europa war, bevor die Amerikaner entschieden haben, die Regeln von Service zu ändern.“ Benedikt Bolza Wahrscheinlich ist es das, was dem Hotel vor allem seinen Charme, den Flair eines Grandhotels verleiht: dass hier auch die kleinen Details durchdacht sind, der Negroni eben nicht irgendein Negroni ist. Dass die Mitarbeiter genau wissen, was sie den Gästen servieren – und wie. Man wolle, sagt Bolza, einen Service bieten, wie es ihn früher einmal gegeben habe: „Service, wie er in Europa war, bevor die Amerikaner entschieden haben, die Regeln von Service zu ändern.“ Das sage er auch den Amerikanern selbst. Damit meint Bolza zum Beispiel, dass seine Mitarbeiter zwar stets zuvorkommend, freundlich und offen sind, einen aber nicht zuquatschen, wenn man gerade nicht in Gesprächslaune ist. Wenn man es aber doch ist, erfährt man von ihnen, dass Reschio in den vergangenen Jahren auch die Region verändert hat. Die umliegenden Dörfer seien jetzt wieder belebt, weil das Anwesen Hunderte von Arbeitsplätzen geschaffen habe. Ausgestorben, wie man das von manch anderen italienischen Dörfern kennt, sei es hier nicht. Viele der Mitarbeiter sind jung und müssen ihren Heimatort dank Reschio nicht verlassen, um anderswo Arbeit zu finden. Als man abends nach einem Tag voller Aktivitäten in das großzügige Zimmer zurückkehrt, sind die Vorhänge vorgezogen, und die Bettdecke ist zurückgeschlagen, auf dem Nachttisch steht eine frische Flasche Wasser. Rein in die Pantoffeln und am besten nicht mehr aufs Handy schauen, dann fühlt es sich gleich wieder an wie Reisen zu einer anderen Zeit. Eine Nacht im Castello di Reschio (Tabaccaia di Reschio, 06060 Lisciano Niccone PG, Italien) kostet zwischen rund 950 und 4095 Euro. Nächstes Kapitel: Biarritz Weiterlesen Biarritz Von NIKLAS MAAK Wo schon Coco chanel und Frank Sinatra schliefen Echte Paläste stehen selten am Meer. Burgen schon, es gibt viele Burgen am Meer, Festungen, errichtet von Adligen, die Handelswege kontrollieren und sich gegen Angreifer von See verteidigen wollten. Schlösser und Paläste entstanden dagegen meistens im Landesinneren, umgeben von den Ländereien, deren Bewohnern man das Geld für die Paläste abpresste. Ein Palast aber, der sich ungeschützt dem Meer aussetzt mit großen Fenstern, gegen die im Winter die Gischt der Atlantikstürme fegt: Das ist eine Ausnahme. Schon deswegen ist das Grand Hôtel du Palais im französischen Biarritz etwas Besonderes. Es wurde um 1855 für Kaiserin Eugénie als Sommerpalast errichtet, in einer Zeit, als die Meeresluft schon als heilsam und nicht mehr – wie noch zweihundert Jahre vorher – als gesundheitsschädlich galt. Napoleon III. hatte zuvor an einem leeren Strand von Biarritz ein paar Dünen gekauft, um eine Sommerresidenz nahe der Grenze zu Spanien zu bauen, woher seine Frau kam. Die schönste aller französischen Strandresidenzen erinnert in Teilen ein bisschen an das Schloss von VersaillesFoto: Anthony Parkinson Den Auftrag für den Bau bekam nach einigem Hin und Her der erst 27-jährige Architekt Louis Auguste Couvrechef, der allerdings schon drei Jahre später starb. Die folgenden Architekten entwarfen einen Strandpalast im Neo-Louis-XIII.-Stil, dazu kam eine Kapelle im spanisch-maurischen Dekor. Allerdings hielten sich Hotel und Kapelle länger in der baskischen Bucht als der Adel selbst: 1880 wurde Eugenies Palast verkauft und fortan als Hotel mit Casino genutzt. Kaiserin Sisi und viele andere Prominente kamen gern hierher zu Besuch. Das Haus wurde allerdings 1903, nach einem verheerenden Brand, komplett neu und deutlich größer aufgebaut, diesmal im Second-Empire-Stil und mit nicht weniger als dreihundert Zimmern, sodass man fast von einer Demokratisierung des Adelsprivilegs einer Baderesidenz sprechen könnte: Das neue Hotel sah aus, als hätte man einen Teil von Versailles mit Backsteinen dekoriert und ans Meer gestellt. In den Zwanzigerjahren traf sich hier die gesamte europäische Haute Volée mit Politikern, Schauspielern – und Verbrechern. In den Dreißigerjahren, als das benachbarte Spanien zur Republik wurde, emigrierte der unter Druck geratene spanische Adel hierher, nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Hotel nach einem längeren Dornröschenschlaf wieder öffnete, konnte man hier Ava Gardner, Coco Chanel und Frank Sinatra antreffen. Als wir um das Jahr 2000 mit einer schon älteren Barkeeperin des Palais sprachen, erinnerte sie sich noch gut an Sinatra, der dafür berühmt war, die Frage, ob er Wasser zu seinem Whiskey haben wolle, mit dem knappen Satz „I’m thirsty, not dirty“ zu beantworten – was er angeblich auch in Biarritz tat. Die imposante Lobby des Grand Hôtel du Palais, das einst als Sommerpalast errichtet worden warFoto: Maité Photo Seit 2018 wird das Grand Hôtel du Palais von der Hyatt-Gruppe betreut; es gibt einen großen Pool, eine Terrasse mit Ozeanblick und einen prachtvoll erleuchteten Speisesaal – obwohl man es auch nicht schlecht hat, wenn man unten am alten Fischerhafen für einen Bruchteil des Preises bei Chez Albert den Fang des Tages bestellt und danach an den alten Markthallen noch etwas trinken geht. Die Einrichtung des Grand Hôtel du Palais ist prunkvoll und vielleicht manchmal doch etwas zu amerikanisch – in dem Sinne, dass alles ein bisschen so aussieht, wie Amerikaner sich wohl einen französischen Palast vorstellen. Und wenn es Nacht wird und man auf den Balkon tritt und die Sterne über der Bucht sieht; oder wenn man am nächsten Morgen aufwacht und die sanfte Dünung des Atlantiks sich als dunkle Linien im Blau abzeichnet und unten in der Bucht die Surfer die ersten guten Wellen des Tages nehmen, dann ahnt man in dieser schönsten aller französischen Strandresidenzen, dass am Ende kein Palast so prachtvoll und groß sein kann wie der Blick auf die Ornamente der Strömungen in der Bucht und die bizarren Skulpturen der Felsen, auf die dunstige Silhouette der nahen Pyrenäen und den offenen Ozean. Übernachtungen im Grand Hôtel du Palais Biarritz (1 Av. de l’Impératrice, 64200 Biarritz) von gut 300 Euro an, Suiten von circa 800 Euro an. Nächstes Kapitel: Norwegen Weiterlesen Norwegen Von FLORIAN SIEBECK Wo man In der Badewanne champagner per Knopfdruck ordern kann und schon Kaiser Wilhelm II. lieber verweilte als in seinem Berliner Schloss Kaiser Wilhelm II. hasste Berlin. Selbst im Sommer hielt er es dort nicht lange aus. Mit großer Regelmäßigkeit entzog sich der Kaiser deshalb den Pflichten des Hofes, bis das „I. R.“ („Imperator Rex“) seiner Titulatur im Volksmund als Kürzel für „immer reisebereit“ galt. Weitaus lieber mochte er Norwegen. Er verehrte das Land im Norden mit einer Inbrunst, die heute vielleicht nur Aida-Dauergästen vorbehalten ist. Weitaus inniger jedenfalls, als es einem preußischen Monarchen zuzutrauen wäre. Ganze 22 „Nordlandfahrten“ unternahm er zwischen 1889 und 1914 auf seiner Yacht Hohenzollern entlang der norwegischen Küste. Viele Deutsche reisten ihm nach. Hier verbrachte Kaiser Wilhelm II. lieber Zeit als im Berliner Schloss: im Hotel Union ØyeFoto: Marøy & Klouda Fast jedes Jahr kehrte Wilhelm II. dabei im Hotel „Union Øye“ am Norangsfjord ein – einem kleinen Haus mit rot-cremefarbener Fachwerkfassade, dekorativem Fischschuppendach und viktorianischen Gärten, das aussieht, als habe sich ein Grandhotel als Landgasthof verkleidet. Das Zimmer, in dem er logierte, trägt noch heute seinen Namen. Angeblich hat Wilhelm II. sogar die Badewanne aus Berlin mitgebracht, die noch heute hier steht. Im „Union Øye“ kultivierte der Herrscher seine „Hinneigung zu dem kernigen Volke“. Und wenn sich deutsche Reisende in diese entlegene Gegend verirrten, empfing Wilhelm II. sie mit jovialem Lächeln. Erbaut wurde das „Union Øye“ 1891 nach den Plänen des norwegischen Industriellen Christian Thams. Als vorgefertigter Holzbau, per Schiff geliefert und vor Ort montiert. In kürzester Zeit sprach sich herum, dass am Ende dieses Fjordes eine beliebte Adresse für Alpinisten, Könige und Romantiker lag. Ihre Namen zieren bis heute die Türen: Karen Blixen („Jenseits von Afrika“) streifte hier durch die Berge, Literaturnobelpreisträger Bjørnstjerne Bjørnson rezitierte im Salon seine Gedichte, Sir Arthur Conan Doyle soll an neuen Fällen für Sherlock Holmes getüftelt haben, und Edvard Grieg spielte auf dem Klavier, das noch immer für abendliche Soireen genutzt wird. Wie passend, dass die Hoteldirektorin ausgebildete Opernsängerin ist. Um sich hier königlich aufgehoben zu wissen, braucht es weder Austern noch Kaviar. Mariann Øye heißt sie und damit nicht nur wie das Hotel, sondern auch der Ort, in dem es steht. Ihre Familie lebt seit Generationen hier, so wie die meisten der gut zwei Dutzend Einwohner, von denen der Großteil im Dienst des Hauses stehen dürfte. Da die Anreise von der nächstgrößeren Stadt Ålesund per Auto zwar möglich, aber mühsam ist, empfiehlt Mariann Øye ihren Gästen, den letzten Abschnitt standesgemäß zurückzulegen: per Boot bis zum kleinen Steg am Fjord oder – wenn das Gehalt es zulässt – per Helikopter. So beginnt die Erfahrung, bevor man den Fuß über die Schwelle des Hotels setzt. Man schält sich leise aus der Welt hinaus. Bis heute strahlt das „Union Øye“ eine recht unaufgeregte Noblesse aus. Um sich hier königlich aufgehoben zu wissen, braucht es weder Austern noch Kaviar. Stattdessen serviert man Rentierfilet und Krabbensalat, Jakobsmuschel-Ceviche und gebratenen Steinbutt ohne viel Aufhebens. Zum Digestif zieht man ins alte Wohnzimmer, wo das Personal – in guter norwegischer Tradition – allabendlich die Geschichten des Hauses erzählt. Und wer sich vor dem Dinner ein wenig in Weltflucht üben will, lässt sich von 17 Uhr an im „Palm Room“ zur Cocktailstunde nieder – zwischen Quastenbänken, Rüschenfarnen und Straußenfederlampen. Eine „Atempause in einer Welt, die oft in unerbittlichem Tempo voranschreitet“, wie das Hotel versichert. Blick in den stilvollen „Palm Room“, wo man sich zur Coctailstunde ab 17 trifftFoto: 62°NORD Das alles ist erfreulich unverstaubt, denn vor zwei Jahren erhielt das „Union Øye“ eine gründliche Frischzellenkur. Die 24 Zimmer im historischen Hauptgebäude wirken zwar weiterhin leicht museal – Brokatstoffe, ornamentale Tapeten, Damastvorhänge, antike Möbel –, bieten aber Komfort auf Gegenwartshöhe, bequeme Betten und Fußbodenheizung. Die Türen zu den unbewohnten Zimmern bleiben übrigens geöffnet, damit man hineinschauen kann. Ergänzt wurde das Ensemble noch durch rustikale Gästehäuser im Stil einer traditionellen norwegischen Farm sowie drei großzügige Suiten, in denen sich Gäste per Knopfdruck aus der Badewanne wahlweise Champagner (Queen’s Suite) oder Gin Tonic (King’s Suite) ordern können. Aber natürlich ist das Trinken hier nur Nebensache – auch wenn man sie hier mit erstaunlicher Hingabe pflegen kann. In der Abgeschiedenheit des Fjords rund um das Hotel lässt es sich ebenso gut wandern, schwimmen, Rad fahren, angeln oder lesen. Im Sommer wird Croquet auf der Wiese gespielt, im Winter wird der viktorianische Seerosenteich zur Eisbahn. Und auch wenn die Skipisten hier vielleicht nicht so mondän sind wie in Courchevel und die Après-Ski-Szene zu wünschen übrig lässt, dürfte einer der beiden hotel­eigenen Porsche Taycan den Adrenalinspiegel wieder auf ein gesellschaftsfähiges Niveau heben. Ein Spa gibt es übrigens auch nicht. Aber Wilhelm II. kam schließlich auch ohne aus: Die Badewanne reichte ihm. Übernachtungen im Union Øye (Norangdal 41, 6196 Norangsfjorden, Norwegen) von 250 Euro an, Suiten von 1500 Euro an. Sterneköchin Rosina Ostler Eine Münchnerin im Himmel Künstlerin Lary in Paris In Paris gibt's keine Barrieren, nur Freiheit