FAZ 12.01.2026
18:59 Uhr

Technische Musterstrategie: Warum Dax und Euro Stoxx 50 Rekorde brechen


Der Aktienanalyst Achim Matzke sieht weiter gute Chancen im europäischen Aktienmarkt. Stark prozyklische Käufe solle man aber besser lassen. Also fürs Muster-Portfolio keine Rüstungsaktien – aber auch keine Banken.

Technische Musterstrategie: Warum Dax und Euro Stoxx 50 Rekorde brechen

Die aktuelle Lage an den internationalen Finanzmärkten ist einerseits durch die Erwartungen an weitere Leitzinssenkungen im ersten Halbjahr in den USA und in Großbritannien und andererseits durch das Ausbleiben eines weiteren monetären Impulses seitens der EZB geprägt. Vor dem Hintergrund der verbesserten Euro-Konjunkturaussichten darf es nicht überraschen, wenn die Euro-Anleiherenditen etwas steigen. Während die zum Teil sehr hohen Kursschwankungen bei einigen Edelmetallen jetzt eher zur Vorsicht mahnen, sind – auch aufgrund der neuen geopolitischen Entwicklungen – die insgesamt leicht abbröckelnden Rohölnotierungen eher positiv zu werten. Der US-Aktienmarkt an sich und einige Aktien großer US-Technologie-Giganten im Besonderen weisen im historischen Vergleich unverändert sportliche Bewertungen auf. Demgegenüber finden sich – bei akzeptablen Bewertungen – in Europa intakte Aktienhaussen. Im Regelfall entstehen zum Jahresanfang neue Branchen- und Einzelaktienfavoriten, wobei diesmal etwas verbesserte technische Chancen bei konjunktursensitiven Sektoren vorliegen. Im Dax, der sich seit der jüngsten Zinssenkung der EZB in einer Seitwärtspendelbewegung unterhalb der Widerstandszone von 24.700 bis 24.800 Punkten bewegte, hatte diese mehrmonatige Konsolidierung einen trendbestätigenden Charakter nach oben. Hier ist der Index mit einem neuen Investment-Kaufsignal losgelaufen, so dass sich die seit Oktober 2022 laufende Hausse fortsetzt. Als Konsequenz bleibt das mittelfristige technische Etappenziel von 27.500 Punkten für 2026 unverändert. Zurückhaltung bei Rüstungsaktien Nach dem Portfoliostart am 18. August 2025 setzten sich am deutschen Aktienmarkt die seit Sommer 2025 vorliegenden Seitwärtsbewegungen im Dax und M-Dax – mit einer leicht negativen technischen Tendenz – fort. Solche Phasen werden oft von einem Wechsel der (technischen) Favoriten begleitet. Erfüllen Positionen im Musterportfolio nach einiger Zeit nicht die Erwartungen oder fallen unter ihre Sicherungsstopps, so wie Gea oder Vonovia, so werden diese Positionen geschlossen und in andere Titel mit einer besseren technischen Gesamtlage getauscht. Weiterhin sollten beim Positionsaufbau keine stark prozyklischen Käufe getätigt werden. Dies bedeutet, dass aktuell mit Blick auf die Eurozone Zurückhaltung im Hinblick auf Neukäufe in mittelfristig überkauften Rüstungsaktien und jetzt neu auch Banktiteln bestehen sollte. Euro Stoxx 50 und Allianz sind die Favoriten Der Euro Stoxx 50, ein Kursindex, bei dem Dividendenabschläge der Index-Mitglieder nicht anteilig in Index-Kursveränderungen umgerechnet werden, hat im vierten Quartal 2025 seine seit dem März 2000 bestehende 25-jährige Widerstandszone (5500 bis 5550 Punkte) mit einem übergeordneten Kaufsignal überwunden. Bei dem Index besteht somit die technische Chance auf eine grundlegende Neubewertung mit Notierungen von deutlich mehr als 6000 Punkten. Die Allianz-Aktie bietet weiterhin die Kombination aus intakter technischer Hausse (Hausse-Trend aktuell bei 340 Euro) und einer erwarteten, attraktiven Brutto-Dividendenrendite von 4,2 Prozent mit einer erwarteten Dividendenzahlung von 16,50 Euro zur Hauptversammlung am 7. Mai. Aktuell arbeitet der Titel an der Überwindung des bisherigen Allzeithochs aus dem Jahr 2000 im Bereich von 395 Euro. Das nächste mittelfristige, technische Etappenziel sollte bei 430 Euro liegen.