In der neuen US-Sicherheitsstrategie gibt es auch ein Kapitel über die westliche Hemisphäre. In Europa werden das nicht so viele Leute gelesen haben wie das über unseren eigenen Kontinent. Die Lektüre hilft aber zu verstehen, was gerade in den Gewässern vor Venezuela vor sich geht. In der Strategie wird beschrieben, dass die Vereinigten Staaten in ihrem lateinamerikanischen Hinterhof wieder die dominante Macht werden sollen und dazu unter anderem militärische Kräfte aus anderen Weltgegenden verlegen sollen. Ziel ist es, andere Länder aus der Region zu vertreiben. Kollaboration mit den „Gringos“ An Venezuela, das mit China, Russland und Iran zusammenarbeitet, wird das nun beispielhaft durchexerziert. Die Beschlagnahmung eines (sanktionierten) Öltankers ist nur ein weiterer Schritt in dieser Kampagne, und sie wird vermutlich nicht der letzte sein. Ob Trump den Sturz Maduros will oder nur einen seiner berüchtigten „deals“ mit dem linken Despoten, lässt sich im Augenblick nicht seriös beurteilen. Seine Politik der harten Hand wird es der Friedensnobelpreisträgerin Machado aber schwerer machen, Akzeptanz zu Hause und in den Nachbarländern zu finden. Kollaboration mit den „Gringos“ war im Süden des Kontinents nie populär. Schon dass sie die Festsetzung des Tankers begrüßt hat, ist ein zweischneidiges Schwert, denn die damit intendierte Schwächung der venezolanischen Wirtschaft träfe nicht nur das Regime. Ein Krieg wäre noch problematischer für sie.
