Die Olympischen Winterspiele finden in diesem Jahr in Mailand stand. Und in Cortina. Und in Bormio und in Antholz und und und. Was macht das mit dem „Olympia-Feeling“? Das Tagebuch unserer F.A.Z.-Reporter in Italien. Tag 1: Peking, ja, Peking Buongiorno, andiamo, Mila – no, no, no. Piano, piano. Nicht so schnell. Mag ja sein, dass es nun losgeht mit den „giochi olimpici invernali, stile italiano“, „mit den Olympischen Winterspielen im italienischen Stil“. Aber wo die Welt zusammenkommt, erinnern sich die Chinesen an Peking. Auch in Mailand. Vor allem in Mailand. Der Reporterin, die IOC-Präsidentin Kirsty Coventry die erste Frage auf deren Pressekonferenz am Mittwoch stellen darf, kommen nach eigenem Bekunden fast die Tränen, weil es auf den Tag vier Jahre her ist, dass in Chinas Hauptstadt die Covid-Spiele begannen. Tags zuvor hat Giovanni Malagò, der Cheforganisator der Spiele von Mailand und Cortina, schon eine ähnliche Frage gestellt bekommen von der Reporterin des chinesischen Staatsfernsehens: An was sich Signore Malagò erinnere, wenn er an die Spiele von Peking denke. Giovanni Malagò ist ein distinguierter Mann. Sein Vater verkaufte in Rom Ferraris, der Apfel fiel nicht weit vom Stamm, der Sohn ging dort in die Lehre. Giovanni Malagò ist ein Mann, dem man auch, sagen wir, einen 50 Jahre alten Maserati Bora ohne Probefahrt abnehmen würde, wenn er ihn empfiehlt. Auf die Frage der chinesischen Reporterin aber reagierte Giovanni Malagò mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der am Rand der strada statali einen Maserati Bora entdeckt, der auf der Fahrt in den Süden unliebsame Bekanntschaft mit der Straßenbegrenzung gemacht hatte. Falten, Knautschzone und ein von profunder Traurigkeit durchdrungener Blick des Signore. Peking, antwortete Malagò, ja, Peking. An die drei einsamen Wochen im Hotelzimmer des Quarantänehotels in der Nähe des Flughafens, daran erinnere er sich. Andiamo, Milano. (chwb.)
