Spötter können jetzt natürlich sagen: Abschiebequote um hundert Prozent gesteigert. Nachdem im Dezember erstmals seit Langem wieder ein Syrer in sein Heimatland abgeschoben worden war, hat das Bundesinnenministerium jetzt mitgeteilt, abermals sei ein verurteilter Straftäter nach Damaskus ausgeflogen worden. In absoluten Zahlen ist das freilich so gut wie nichts, aber man kann es als eine Art politischer und rechtlicher Erkundungsmission betrachten. Österreich hat in dieser Hinsicht im vergangenen Jahr den Weg gebahnt. Immer noch fragil Syrien ist zweifellos ein politisch fragiles Gebilde. Immer noch gibt es dort Militäroperationen. Übergangspräsident al-Scharaa hat deswegen diese Woche einen Besuch in Berlin kurzfristig abgesagt. Er festigt zu Hause militärisch seine Macht. Gelingt ihm das unter Wahrung menschenrechtlicher Standards, dann kann man auf dem gebahnten Weg auch eine größere Zahl von Personen, die in Deutschland Schutz vor dem Bürgerkrieg gefunden hatten, rechtlich geregelt zurückführen. Andere werden aber auch bleiben, und das durchaus in Deutschlands Interesse. Viele Menschen, die einst geflüchtet sind, haben sich integrationsbereit gezeigt, manche sind, wie man so sagt, Leistungsträger. Sie sollten Bleiberechtssicherheit erhalten und, auch wenn das Wort aus der Mode gekommen ist, eine Willkommenskultur spüren.
