Nach einer mutmaßlich islamistisch und antisemitisch motivierten Messerattacke auf einen Besucher des Holocaust-Mahnmals in Berlin beginnt an diesem Donnerstag der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Angeklagt ist ein 19 Jahre alter anerkannter syrischer Flüchtling. Er soll am 21. Februar in der Hauptstadt im Namen des Islamischen Staats (IS) einen Touristen aus Spanien lebensgefährlich verletzt haben. Der damals 30 Jahre alte Berlin-Besucher wurde am 21. Februar gegen 18 Uhr im Stelenfeld des Denkmals für die ermordeten Juden Europas mit einem Messer von hinten angegriffen. Laut den Ermittlungen soll der Täter den Mann von hinten gepackt und ihm mit einem Messer einen 14 Zentimeter langen Schnitt an der Kehle zugefügt haben. Außerdem erlitt das Opfer zwei weitere Stichverletzungen im Gesicht und am Finger. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Angeklagten versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und versuchte Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. „Angetrieben durch Eskalation des Nahostkonflikts“ Der Angeklagte sei 2023 als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen. Er sei Anhänger der Ideologie der terroristischen Organisation des IS gewesen. Wegen dieser Gesinnung und „angetrieben durch die Eskalation des Nahostkonflikts“, fuhr er laut Anklage am Tattag von Sachsen nach Berlin, um „einen Repräsentanten der von ihm abgelehnten freiheitlichen Gesellschaft zu töten“. Kurz vor der Tat habe Wassim Al M. über einen Messengerdienst ein Foto von sich an Mitglieder des IS geschickt und sich als Mitglied angedient. Laut Anklage wählte er das Holocaust-Mahnmal als Tatort, weil er davon ausging, dort „mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Menschen jüdischen Glaubens“ zu treffen. Der mutmaßliche Täter wurde wenige Stunden nach der Attacke nahe der Gedenkstätte festgenommen. Nach Behördenangaben lief er gegen 20.45 Uhr auf Polizisten zu. Diese bemerkten seine blutverschmierten Hände und Blut auf seiner Hose. In seinem Rucksack fanden sie neben der mutmaßlichen Tatwaffe einen Koran. Das damals 30 Jahre alte Opfer wurde bei der Attacke lebensgefährlich verletzt. Nur durch das schnelle Eingreifen von Rettungskräften und eine Notoperation konnte nach Polizeiangaben sein Leben gerettet werden. Als dies gesundheitlich möglich war, kehrte der Mann in seine Heimat zurück. Im Strafverfahren in Berlin wird er im Dezember als Zeuge und Nebenkläger erwartet. Bislang sind zwölf Prozesstage geplant. Ein Urteil könnte am 29. Januar 2026 gesprochen werden.
