Beim 80. Jubiläum hat erstmals eine Frau und Eignerin eine der härtesten Seeregatten der Welt gewonnen: Die 60 Jahre alte Australierin Lin Jiang sicherte sich mit ihrem französischen Ko-Skipper Alexis Loison den Sieg des Rennens von Sydney nach Hobart nach berechneter Zeit und gewann damit den Tattersall Cup. Zugleich sind die beiden das erste Duo, dem es gelingt, den wichtigsten Segelpokal der südlichen Hemisphäre zu gewinnen – gegen eine Übermacht von Ozean-Rennmaschinen, die mit Profiseglern besetzt sind. Die gebürtige Chinesin Lin, die von Fujian nach Sydney auswanderte, lernte erst dort im Alter von 47 Jahren das Segeln. Die Jubiläumsregatta, bei der sie mit der Segelnummer AUS 888 startete – für Chinesen eine Glückszahl –, war erst ihr zweites Sydney-Hobart-Rennen. Im vergangenen Jahr war Lin mit Ko-Skipper Francois Guiffant noch auf Platz 20 gelandet. Dritter großer Sieg im Jahr 2025 für Loison Sie brauchte für den Sieg Glück und Geld. Zum einen gewann Lin nur, weil sie einen Protest gegen die ursprünglichen Sieger von Hobart gewann. Zum anderen gehört ihr das Rennboot Min River, benannt nach einem Fluss ihrer Heimatprovinz. Und mit Loison hatte sie einen Spitzensegler angeheuert. Für den Mann aus Cherbourg ist es der dritte große Sieg in diesem Jahr nach dem Gewinn der Solitaire du Figaro – wofür er einen Anlauf von 19 Jahren brauchte – und dem Gewinn des wiederbelebten Fastnet Race vor der englischen Küste. Schon Ende September, nach dem Sieg in seiner Heimat, hatte Loison fast hellseherisch gesagt: „Das wird mein Jahr, ich habe mir das immer wieder selber gesagt, das wird mein Jahr, und mich dann einfach auf die Details konzentriert und nichts mehr dem Zufall überlassen.“ Das galt auch für die Regatta entlang der australischen Küste, wo die beiden mit dauernden Segelwechseln brillierten und in der mörderischen Welle, in der fast ein Drittel der Schiffe aufgab, mit Seekrankheit kämpften. Allerdings hatten sie auch Glück: Denn der erste Sieg einer Frau nach 80 Jahren wurde nur möglich, weil der ursprüngliche Gewinner, das französische Duo Michel Quintin und Yann Rigal aus Neukaledonien, nach vier Tagen und Nächten auf See und den Zielhafen vor Augen einen bitteren Fehler beging: Um ihr Boot für den erwarteten Siegesrummel am Kai von Hobart auf Glanz zu bringen, befestigten sie ihren Spinnaker in der Flaute gegen die Regeln – was auf Fotos festgehalten wurde. Auf Lins Protest hin verhängte die Jury eine Zeitstrafe gegen die BNC Net Leon – was sie auf den zweiten Platz zurückwarf. Lee Goddard, der Vorsitzende des Schiedsgerichts, bezeichnete das Urteil als „hart, aber absolut fair: Sie haben gegen die Regeln verstoßen.“ „Im Traum hätte ich hier nicht mit einem Sieg gerechnet“, sagt Lin. Unter den 128 Booten waren am zweiten Weihnachtstag in Sydney nur 13 Skipperinnen an den Start gegangen. „Man denkt immer nur an die großen Rennyachten, die Maxis mit 100 Fuß Länge.“ Die beiden Konkurrenten um den Gesamtsieg nach berechneter Zeit, nachdem sich die Maxi Comanche zwei Tage zuvor als erste über die Ziellinie geschoben hatte, zählen mit rund zehn Metern Länge zu den kleinsten Booten im Feld. Die größeren Rennschiffe aber lagen vor Tasmanien in der Flaute, sodass die kleinen Schiffe aufschließen konnten. Es zählte, dass es ihnen gelungen war, die erste Nacht im Sturm und gegen Wellen von mehr als drei Metern zu überstehen. Der deutsche Skipper Jost Stollmann, der sich mit seiner Weltumseglungsjacht Alithia auf dem 18. Platz über alles sehr achtbar geschlagen hatte, beschrieb am Mittwoch die typischen Sydney-Hobart-Bedingungen mit Sturm und Flaute als „thrill to torture“ – von Faszination zu Folter.
