FAZ 02.03.2026
12:44 Uhr

Susi Müller im Fragebogen: „Früher musste ich bei jedem Liebesfilm weinen“


Sie war die charmante Stimme aus dem Off in der BR-Flirtshow „Herzblatt“: Susi Müller. Im Stil-Fragebogen spricht sie über die Frankfurter Allgemeine, ihr liebstes Frühstück, ihre alte Levi's-Jeans und das Cruisen.

Susi Müller im Fragebogen: „Früher musste ich bei jedem Liebesfilm weinen“

„Die erotischste Stimme Deutschlands“ haben Medien sie häufig genannt. Die „Stuttgarter Zeitung“ schrieb über die „Säuselstimme Susi“, die „taz“ über ihr „samtig-verruchtes Schlafzimmertimbre“. An solchen Etiketten, versichert Susi Müller, störe sie sich nicht. Wie aber würde sie selbst ihre Stimme beschreiben? Sie sei „angenehm“, sagt Müller, was man als Anrufer nur bestätigen kann, und es sei „ganz viel Herz dabei“. Damit wäre der Bogen geschlagen zu der Fernsehshow, die sie bekannt gemacht hat, obwohl Susi Müller dort kaum je zu sehen war. Aber eben zu hören: Von 1987 bis 2006 und noch einmal in einer kurzen Neuauflage 2016 war sie in der Kuppelshow „Herzblatt“ die charmante Stimme aus dem Off, welche die von den Kandidatinnen und Kandidaten aufgesagten Sprüchlein noch einmal zusammenfasste. Und auch heute lebt Susanna Katharina Müller, die 1963 in Karlsruhe geboren wurde und zwischen Baden-Baden und Hamburg pendelt, von ihrer Stimme, spricht Werbespots, macht Synchronarbeit und liest Hörbücher ein. Was essen Sie zum Frühstück? Am Wochenende holen wir Brötchen und machen einen Spaziergang, dieses Ritual behalten wir bei. Unter der Woche frühstücken wir wenig, meistens Vollkornbrot oder Rührei. Und ich muss morgens ein Käffchen trinken, ohne geht’s nicht. Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein? Wenn's geht, physisch – also nicht im Internet. Aber das mit der Kleidung ist ein bisschen in den Hintergrund getreten. Manchmal cruisen wir ein wenig, wir fahren durch die Gegend, lassen die Landschaft auf uns wirken, das beruhigt die Seele. Danach kann man sich immer noch ins Gewühle stürzen und etwas zum Anziehen kaufen. Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank? Meine Levi's-Jeans – in Größe 28. Die passt natürlich schon lange nicht mehr, aber ich sortiere sie nicht aus. Meine Tante, die in den Vereinigten Staaten lebt, hat sie mir mitgebracht. Das ist jetzt 52 Jahre her. Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst? Wir zu Hause schreiben uns immerzu Briefchen statt SMS. Man zeichnet ein Herz auf die Zeitung und schreibt dazu eine Zeile oder hängt einen Zettel ans Autofenster. Welches Buch hat Sie im Leben am meisten beeindruckt? Obwohl es sehr traurig ist: „Die kleine Meerjungfrau“. Das Buch hatte ich auf einer Klassenfahrt dabei. Ich habe vor Heimweh geheult, als wir keine zehn Meter von der Schule entfernt waren. Es wurde dann aber sehr schön. Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen? Über die Zeitung. Unsere Eltern haben beim Frühstück immer die Frankfurter Allgemeine gelesen, und wir haben das von ihnen übernommen. Nebenbei wurde gefrühstückt. Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema? Ich frage gerne Menschen mit ehrlichem Interesse, wie es ihnen geht, und wenn es ihnen nicht gut geht, versuche ich, ihnen viel positive Energie mitzugeben. Alle Leute haben ihre kleinen oder großen Sorgen, und mit ihnen darüber zu sprechen, das ist mein Smalltalk. Wir in der Familie haben eine Art Hypersensibilität: Wenn jemand zur Tür hereinkommt, merke ich gleich, wenn etwas nicht stimmt oder jemand verliebt ist. Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint? Früher musste ich bei jedem Liebesfilm weinen, in letzter Zeit nicht mehr so oft. Bei „Liebe braucht keine Ferien“ wird ja viel über gebrochene Herzen gesprochen, da heule ich nach wie vor mit. Sind Sie abergläubisch? Ein bisschen. Vielleicht bei der Numerologie: Wenn man um 22.22 Uhr zufällig auf die Uhr schaut, denkt man, das hat bestimmt etwas Positives zu bedeuten. Worüber können Sie lachen? Über vieles. Mit anderen zusammen zu lachen, ist sehr heilsam. Und man sollte über sich selbst lachen können. Ihr Lieblingsvorname? Nikolai – der Name meines Sohns. Machen Sie eine Mittagspause? In meinem Job habe ich es immer geschafft, mittags zu kochen. Es ist wichtig, sich zusammenzusetzen und zu essen, dafür bin ich sehr dankbar. Und nein, es ist nicht spießig, sich eine Dose mit Essen mitzunehmen. In welchem Land würden Sie gerne leben? Ehrlich gesagt: in Deutschland. Früher sind wir mit unseren Eltern mit dem VW-Bus nach Südfrankreich gefahren, aber die schönsten Reisen waren die zu unseren Großeltern im Schwarzwald. Wer auswandern möchte und glaubt, dass dann alles besser wird: Das ist oft gar nicht so. Und viele Menschen müssen aus ihrem Land flüchten, obwohl sie gern bleiben würden; deshalb weiß ich es zu schätzen, noch hier leben zu können – und zwar hoffentlich im Frieden. Das wünsche ich wirklich jedem. Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank? Milch. Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier? Mit dem Auto fühle ich mich freier – und auch sicherer. Was ist Ihr größtes Talent? Meine größte Leidenschaft ist es, Mutter zu sein. Aus dieser bedingungslosen Liebe heraus entwickeln sich Talente. Man fängt an zu improvisieren, um alles hinzukriegen. Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist? Ich esse gerne Pasta, manchmal auch spätabends, und auch einmal Chips, und schaue im Fernsehen mehrere Filme oder Serienfolgen nacheinander. Natürlich sollte man auf sich achten und regelmäßig und gesund essen, aber wenn man das tut, dürfen es abends auch einmal Chips sein. Welcher historischen Person würden Sie gerne begegnen? Jemandem, der ganz viel Gutes gebracht, bedingungslos gegeben und vieles verändert hat. Tja. Da fällt mir eigentlich nur einer ein: Jesus? Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr? Nein, momentan nicht. Ich fühle mich damit irgendwie behangen. Haben Sie einen Lieblingsduft? Ja, ich trage Coco Mademoiselle, mische das aber mit einem Duft, den wir ganz früher schon gekauft haben, mit Jovan. Das ergibt eine coole Mischung. Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis? Das war bei den Großeltern. Alle Kinder, die dort in den Ferien waren oder dort gewohnt haben, kamen zusammen. Wir sind die Bäume hochgeklettert, haben Fußball gespielt, haben Blümchen gepflückt und sie an der nächsten Ecke verkauft. In diesen Zeiten, in denen alles immer wichtig ist, aber nichts mehr wertvoll, bleibt so etwas in einem drin, das wird man nie vergessen. Auch meine bis heute beste Freundin, deren Eltern damals als Gastarbeiter aus Italien gekommen waren, habe ich da kennengelernt. Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt? Bei Nils Landgren im Festspielhaus Baden-Baden. Was fehlt Ihnen zum Glück? Nichts. Wenn man gesund und glücklich in Körper und Kopf ist, dann gibt man das hoffentlich an andere weiter und strömt Frieden aus. Was trinken Sie zum Abendessen? Schon einmal ein Rot- oder Weißweinchen. Aber eher weißen, denn von Rotwein werde ich sentimental – und kann dann nicht mehr schlafen. Ansonsten Wasser ohne Kohlensäure.