FAZ 20.02.2026
06:53 Uhr

SuperModel Cindy Crawford: Man kannte sie nur mit ihrem Vornamen


Sie ließ sich von Peter Lindbergh fotografieren und tanzte in George Michaels Musikvideo - Cindy Crawford prägte die Supermodel-Ära der Neunzigerjahre. An diesem Freitag wird sie 60 Jahre alt.

SuperModel Cindy Crawford: Man kannte sie nur mit ihrem Vornamen

Cindy Crawford ahnte nicht, wie legendär dieses Bild werden sollte. Liz Tilberis, die Chefredakteurin der britischen „Vogue“, hatte Peter Lindbergh 1989 gebeten, „die neue Frau“ der Neunzigerjahre zu fotografieren. Der deutsche Fotograf sagte, dafür brauche er aber mehrere Frauen, denn das Schönheitsideal lasse sich nicht mehr auf blond und blauäugig reduzieren. Außerdem wollte Lindbergh die Aufnahmen in seinem typischen Stil halten, also natürlich. Die Achtzigerjahre mit den aufgedonnerten Frisuren und den clownesk geschminkten Gesichtern sollten endlich vorbei sein. Wie hätte Cindy Crawford ­ahnen können, dass mit dem Bild, das aus einer so simplen Idee entstand, ein neues Zeitalter ­begann, ihr Zeitalter? „Wir wurden nicht mit tonnenweise Haarstyling und Make-up fotografiert“, so erinnerte sie sich später, „wir waren ganz natürlich.“ Die fünf Models, die Lindbergh in Tribeca in Schwarz-Weiß fotografierte, trugen einfach Bodysuits von Giorgio di Sant’Angelo und Levi’s-Jeans. Die britische „Vogue“ vom Januar 1990 machte Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Christy Turlington und Cindy Crawford mit dem Titelbild berühmt. Die Super­models waren geboren. Sie kamen nun ohne Nachnamen aus. Cindy, am 20. Februar 1966 als Tochter eines Elektrikers und einer Bankangestellten in DeKalb (Illinois) geboren, wuchs mit zwei Schwestern auf; als sie zehn Jahre alt war, starb ihr dreijähriger Bruder an Leukämie. Cindy, das Mädchen mit dem Leberfleck über dem linken Mundwinkel, wurde mit 17 Jahren entdeckt, zog mit 20 Jahren nach New York und betrat schließlich 1990 die große Bühne. Auftritt in Musikvideo George Michael war so begeistert von den Lindbergh-Models, dass er sie im Video zu seinem Song „Freedom ’90“ auftreten und lippensynchron singen ließ. Das Lied sangen Naomi, Linda, Christy und Cindy auch, als sie 1991 in bunten ­Minikleidern und wackeligen High Heels bei einem legendären Auftritt über den Versace-Laufsteg wippten. Außer den „Big Five“ durften sich dann noch Claudia Schiffer, Helena Christensen, Elle MacPherson und Stephanie Seymour als Supermodels bezeichnen. Kate Moss, deutlich jünger, war mit ihrer rotzigen Art nie ein Supermodel, Heidi Klum in ihrer kommerziellen Manier erst recht nicht. Cindy Crawford war in den Neunzigern so erfolgreich, dass sie zu einem Abziehbild der Popkultur zu werden drohte. Sie war mit Richard Gere verheiratet (1991 bis 1995), drehte Fitness-Videos und wurde als Schauspielerin gleich doppelt für den Negativpreis „Goldene Himbeere“ nominiert. Als sie 1998 den Unternehmer Rande Gerber heiratete, war das große Zeitalter der Supermodels schon vorbei. 1999 kam ihr Sohn Presley, 2001 ihre Tochter Kaia zur Welt. Auch die beiden Kinder wurden Models. Dem jüngeren Publikum sagt Kaia Gerber (9,7 Millionen Instagram-Follower) heute mehr als Cindy Crawford (8,2 Millionen). Aber auch die Tochter, selbst wenn sie in vielen Chanel-Schauen lief und schon mit 16 Jahren auf dem Titel der „Vogue Paris“ zu sehen war, wird nie ein Supermodel werden. In der Galerie ­Camera Work in Berlin sind ihre Mutter und deren Weggefährtinnen bis zum 14. März in der Ausstellung „Cindy Crawford“ zu sehen. Die Er­löse der Fotoschau, die Crawford mit­kuratiert hat, gehen zu Teilen an Kinderkrebskliniken. An diesem Freitag wird Cindy Crawford, die sich die Model-Jobs weiter aus­suchen kann, 60 Jahre alt. Beschenkt hat sie sich mit einem Werbe­video für ihre eigene Beauty-Marke, die das Geheimnis von schöner Haut und schönem Haar zu offenbaren verspricht.