FAZ 23.01.2026
15:44 Uhr

Super-G in Kitzbühel: Deutsche Ski-Asse geschlossen schwach


Nicht nur bei Marco Odermatts Sieg im Super-G von Kitzbühel sind die deutschen Speed-Fahrer chancenlos. An Spitzenresultate ist derzeit nicht zu denken. Die Vergabe der Olympia-Startplätze wirft Fragen auf.

Super-G in Kitzbühel: Deutsche Ski-Asse geschlossen schwach

„Vom Start bis zum Ziel bist du sowieso allein unterwegs“, philosophierte Simon Jocher in Kitzbühel über die grundsätzliche Einsamkeit des Skirennläufers auf der Abfahrtspiste. „Ich hätte gerne die anderen bei Olympia dabeigehabt, aber ich kann’s nicht ändern“. Simon Jocher, 29, Sportsoldat aus Schongau, wird bei den Olympischen Spielen im Februar Deutschlands einziger Vertreter auf den alpinen Speed-Strecken sein. Bis dahin will er „von Wochenende zu Wochenende bei der Sache bleiben – nicht überlegen, was in zwei Wochen passiert“. Jocher hatte Ende Dezember mit einem fünften Platz im Super-G von Livigno aufmerken lassen, auch für sich selbst festgestellt, „dass ich Potential habe, dass ich vorne mitmischen kann“. Am Freitag konnte er dieses Potential nicht abrufen. Seine Fahrt bei der Ouvertüre des großen Hahnenkamm-Wochenendes im Super-G dauerte keine 30 Sekunden, dann war er nach einem Fahrfehler ausgeschieden. „Ich habe gewusst, ich muss bei der Welle arbeiten“, sagte er anschließend selbstkritisch: „Ich hab sie trotzdem übersehen.“ Das kurze Rennen gewann wieder der Schweizer Ski-Star Marco Odermatt. Nach 1:08,41 Minuten rettete er 0,03 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Franjo von Allmen. Der Österreicher Stefan Babinsky erfreute das Heim-Publikum als Dritter (+0,25 Sekunden). Der einzige Deutsche, der das Ziel erreichte, war Luis Vogt auf Rang 44 (+1,80). Andreas Sander erkrankt An deutsche Spitzen-Resultate wie einst, als Thomas Dreßen in Kitzbühel 2018 sensationell die Weltcup-Abfahrt gewann und Josef Ferstl ein Jahr später den Super-G, ist längst nicht mehr zu denken. Beide haben ihre Karrieren beendet. Andreas Sander, 2021 WM-Zweiter in der Abfahrt, leidet an einer Viruserkrankung, kann seit Monaten nicht ins Gesehen eingreifen. Nur Romed Baumann, der WM-Zweite im Super-G von 2021, ist von der einstigen Erfolgsgilde noch dabei. Aber der mittlerweile 40-Jährige fährt meistens hinterher. Am Freitag kam auch er nicht ins Ziel. Der Zug nach Bormio, wo die olympischen Männer-Rennen ausgetragen werden, war für Baumann allerdings schon vor dem Kitzbühel-Wochenende abgefahren. Grund dafür war neben schwachen Resultaten auch das frühzeitige Schließen des Nominierungsfensters seitens des Internationalen Skiverbands (FIS). Dabei warf das Vergabeverfahren einige Fragezeichen auf, denn die insgesamt 306 Startplätze für die Alpinen – je 153 für Männer und Frauen – wurden nicht etwa an die besten Skifahrer im Weltcup verteilt, sondern nach einem komplizierten Ranglistensystem. Dessen tieferer Zweck zielte darauf ab, möglichst viele Nationen teilhaben zu lassen. Diese Zielvorgabe zumindest wurde erfüllt, denn in Cortina d’Ampezzo und Bormio werden Alpine aus 85 Nationen starten, darunter auch Einzelkämpfer aus Jamaika und Saudi-Arabien. Zum Vergleich: Im Super-G von Kitzbühel waren es 63 Starter aus 16 Nationen. Die deutschen Alpin-Männer dürfen nach einigem Hin und Her insgesamt zu fünft anreisen. Neben dem Speed-Solisten Jocher qualifizierte sich auch Slalom-Ass Linus Straßer sowie das Riesenslalom-Trio Alexander Schmid, Fabian Gratz und Anton Grammel. Dabei profitierten sie noch davon, dass Schweden einen Quotenplatz abgab. Selbst der deutsche Cheftrainer Christian Schwaiger hatte in Kitzbühel einige Mühe, die komplexe Quotenrechnerei verständlich zu machen. So kam Grammel, obwohl er nur die halbe interne Norm mit einem Platz unter den Top 15 im Weltcup erfüllte, zur Olympia-Nominierung. In Kitzbühel versuchte er sich ebenfalls im Super-G, ging mit Startnummer 63 als Letzter an den Start und schied ebenfalls aus. Somit eine geschlossene Mannschaftsleistung der Deutschen. An der Piste lag es nicht. Simon Jocher selbst hatte die Bedingungen auf der Streif vorab gelobt und sprach sogar von einem „Wohlfühlfaktor auf der Piste“. Stabile Wetterbedingungen mit Minusgraden und Sonnenschein sorgten für die ungewohnt entspannte Hahnenkamm-Atmosphäre. „Eisig, aber griffig“, meinte Jocher über die Verhältnisse. Am Ausscheiden änderte das aber auch nicht. Sein Plan für die Abfahrt am Samstag: „weiter aktiv bleiben, nicht passiv werden, sondern dranbleiben“.