Marco Odermatt zeigte sich als fairer, sogar lachender Verlierer, als er seinen Stammplatz doch noch räumen musste: Der Schweizer Ski-Seriensieger hatte beim Super-G in Gröden abermals eine glänzende Fahrt gezeigt und auf dem gepolsterten Sessel Platz genommen, der für den jeweils Führenden reserviert ist. Und dann kam Jan Zabystřan. Ein Tscheche – mit Startnummer 29. Zabystřan ist seit 2017 gelegentlicher und seit 2023 regelmäßiger Teilnehmer an Weltcup-Rennen. Sein bislang größter Erfolg war ein achter Platz in Kvitfjell. Niemand beachtete seine Fahrt, bis er mit erstaunlichen Zwischenzeiten aufzeigte. Der wird doch nicht? Als er dann ins Ziel raste, leuchtete die grüne Lampe auf – und das Publikum rastete aus: Bestzeit, 0,22 Sekunden schneller als Odermatt. „Es war so schön“, schwärmte Zabystřan später mit leuchtenden Augen im ZDF-Interview. „Aber auch irgendwie irreal“. Schon am Vortag in der Abfahrt auf gleicher Strecke hatte der 27-Jährige sich gut gefühlt, doch dann rührte sich keine Hand, als er ins Ziel kam: Platz 36. Diesmal aber passte alles für den leidenschaftlichen Skicross-Fahrer, der sich auf der unruhigen, welligen Piste im Grödnertal fast heimisch fühlte. „Ich träumte von einem Top-Ten-Platz“, ließ er durchblicken, aber bestimmt nicht, „dass ich gewinnen könnte“. Er ist nun der erste Tscheche, dem ein Weltcup-Sieg gelang. Sein bislang größten Erfolge waren ihm 2023 in Lake Placid gelungen, als er bei der Studenten-Weltmeisterschaft drei Titel gewann. Zabystřan besucht die Hochschule für Finanzverwaltung in Prag – wie seine Teamkollegin Ester Ledecká. Die ist zwar Snowboarderin, gewann aber 2018 bei Olympia Gold im alpinen Super-G – mit Startnummer 26.
