FAZ 28.12.2025
16:09 Uhr

Stürmer von Burkina Faso: „Ich kann mehr als viele, die zwei Augen haben“


Georgi Minoungou sieht nach einer schweren Entzündung nur noch auf einem Auge. Trotzdem stürmt er beim Afrika-Cup für Burkina Faso – und trifft.

Stürmer von Burkina Faso: „Ich kann mehr als viele, die zwei Augen haben“

So richtig glauben kann Georgi Minoungou seine Geschichte selbst nicht. „Ich sollte eigentlich nicht hier sein“, sagte der Stürmer aus Burkina Faso vor Beginn des Afrika-Cups dem Portal Sportbible, „ich hätte mit 20 aufhören sollen. Aber jetzt ist jedes Spiel für mich wie ein Finale.“ Seit mehr als zwei Jahren nämlich sieht Minoungou (23) nur noch auf einem Auge. Trotzdem kämpft er derzeit in Marokko um seinen ersten großen Titel – als Stammspieler und seit Heiligabend auch als gefeierter Torschütze. Es lief die fünfte Minute der Nachspielzeit im Auftaktspiel Burkina Fasos gegen Äquatorialguinea, als der Ball im Strafraum plötzlich bei Minoungou landete. Der dribbelstarke Stürmer zielte genau und ließ dem gegnerischen Torhüter mit seinem Flachschuss keine Chance. Und weil kurz darauf auch noch der Leverkusener Edmond Tapsoba zum 2:1-Sieg traf, war Minoungous Traumeinstand perfekt. Ein Weihnachtswunder – und der vorläufige Höhepunkt einer inspirierenden Karriere. Eine Laufbahn, die eigentlich schon vorbei zu sein schien, bevor sie richtig begonnen hatte. „Ich kann mehr als viele, die zwei Augen haben“ 2022 landet der in der Elfenbeinküste geborene Minoungou nach einem kurzen Abstecher in die zweite tschechische Liga in den USA – beim Farmteam der Seattle Sounders. Als er dann 2023 gerade auf dem Sprung ins Profiteam ist, beginnen die seltsamen Probleme an seinem Auge. Die Infektion verschlimmert sich, weshalb die zunächst ratlosen Ärzte sich schließlich für eine Notoperation entscheiden, die Minoungou fast die gesamte Sehkraft auf seinem linken Auge kostet. Die Fachleute sind sich hinterher einig: Eine Profifußballkarriere ist so nicht möglich. Doch Minoungou akzeptiert das nicht. Er trägt zunächst eine spezielle Brille, trainiert weiter und merkt nach und nach, dass er trotz der Einschränkungen seinen Weg weitergehen kann. Und setzt sich in Seattle letztlich durch. „Es war sehr schwer für mich“, sagte er kürzlich dem „Kicker“, aber auch: „Ich habe nur ein Auge, aber ich kann mehr als viele, die zwei Augen haben.“ So stürmt er nun für das Geburtsland seines Vaters. Und darf sich beim Afrika-Cup einen „Kindheitstraum“ erfüllen. Kein Wunder, dass der Stürmer mit der bewegten Geschichte sogar an den großen Außenseiter-Triumph glaubt. „Warum nicht bis zum Ende gehen“, sagte er vor dem zweiten Gruppenspiel an diesem Sonntag (18.30 Uhr bei Sportdigital) in Rabat gegen Algerien, „und den Afrika-Cup gewinnen?“