In der 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ kommt gemessen an der Bevölkerung Ostdeutschland wesentlich häufiger vor als der Westen. Gleichzeitig setzen die Journalisten der ARD bei den Themen deutlich andere Schwerpunkte; so konzentrieren sich die Beiträge zum Osten wesentlich häufiger auf rechte Ideologie, während im Westen das Thema Wirtschaft häufiger vorkommt. Das zeigt eine Studie der Universität Leipzig, die 1000 aufeinanderfolgende Ausgaben der reichweitenstärksten deutschen Nachrichtensendung analysiert hat. Zwar seien die zehn westdeutschen Länder in absoluten Zahlen doppelt so oft genannt worden wie die fünf ostdeutschen, wobei Berlin ausgespart wurde. Das Bundesland Sachsen etwa werde aber „um ein Vielfaches häufiger namentlich erwähnt als das nach Bevölkerungszahl vergleichbare Rheinland-Pfalz“, konstatieren die Medienwissenschaftler. Arbeitslosigkeit und Rechtsradikalismus als Themenschwerpunkte Insgesamt dreht sich der Studie zufolge ein Viertel der Berichterstattung über Ostdeutschland um die Themen Wahlen und Wahlkampf. Der Schwerpunkt lasse sich allerdings nicht durch die Landtagswahlen erklären. Im Beobachtungszeitraum vom 1. Januar 2023 bis zum 27. September 2025 wurden auch in vier westdeutschen Bundesländern Landtags- respektive Bürgerschaftswahlen abgehalten. Doch habe dort der Bezug der Beiträge zu den stattfindenden Wahlen indes nur 13 Prozent ausgemacht. Wenn es um die Themen in der Ost-Berichterstattung geht, gebe es zudem „viele Stereotype oder sich wiederholende Muster, zum Beispiel Rechtsradikalismus oder Arbeitslosigkeit“, heißt es auf der Website zur Medienanalyse. 24 Prozent der Sendungsabschnitte mit ostdeutschem Bezug drehten sich laut den Wissenschaftlern um Themen im Kontext von rechter Ideologie. Im Falle Westdeutschlands habe dieses Thema mit fünf Prozent nur eine marginale Rolle gespielt. Jedoch werden die einzelnen Ostbundesländer sehr unterschiedlich, also differenziert, betrachtet: Der Anteil der Berichterstattung im Kontext rechter Ideologie reicht der Studie zufolge im Osten von 41 Prozent (Thüringen) bis zu zehn Prozent (Brandenburg). Auffällig ist beim Blick auf die Studie auch, dass die „Tagesschau“ das Wort „ostdeutsch“ häufiger explizit hervorhebt (152 Nennungen). Und damit öfter als die Begriffe „westdeutsch“, „norddeutsch“ und „süddeutsch“ zusammen. Den „Westen“ bezeichnen die Forscher deshalb als „Normalfall“, der Osten sei hingegen eine „markierte Kategorie“.
