Vielleicht war dieser Satz der wichtigste des Tages. Bastian Bernhagen lag es am Herzen, einmal mit einem Vorurteil aufzuräumen. „Die Clubszene ist viel mehr als einfach nur Feiern und Spaß haben“, sagte der Mitgründer und Eigentümer des Frankfurter Gibson Clubs. Vielmehr sei das Nachtleben in Frankfurt wichtig für das Image und trage zur kulturellen Vielfalt der Stadt bei – und sei darüber hinaus ein wesentlicher ökonomischer Faktor. Vor diesem Hintergrund dürfte die Studie, die im Auftrag des Frankfurter Wirtschaftsdezernats und der Stabsstelle Stadtmarketing in Auftrag gegeben wurde, Wasser auf die Mühlen von Bernhagen, aber auch von anderen Club-, Restaurant- und Hotelbetreibern aus Frankfurt sein. 200 Touristen sowie Bewohner Frankfurts und 129 Betriebe des Nachtlebens wurden für die Untersuchung im Juni und Juli 2025 befragt, um den Wert der sogenannten Nachtökonomie – also von Clubs, Gastronomie und Eventstätten – herauszuarbeiten. Das Ergebnis: Das Nachtleben ist mehr als bloße Unterhaltung. Dafür stehen einige Zahlen, die die Unternehmensberatungen Project M und dwif-Consulting zusammengetragen haben. Demnach wurden Clubs, Eventlocations und Kulturorte aus dem Nachtleben in Frankfurt im vergangenen Jahr rund 6,2 Millionen Mal besucht, dabei entstand ein Bruttoumsatz in Höhe von 432 Millionen Euro, von denen rund 212 Millionen Euro in Frankfurt bleiben. Dafür haben die Studienautoren berechnet, wie viele Touristen, Tagesgäste oder Einheimische 2024 die zur sogenannten Nachtökonomie gehörenden Orte besucht haben und errechnet, wie viel Geld sie dabei ausgegeben haben. Dazu gehören zum Teil auch Ausgaben in Hotels und Restaurants. Kosten für Clubbetreiber stark gestiegen „Frankfurt investiert in Lebensqualität, auch nach 22 Uhr“, sagte Frankfurts Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) am Donnerstag anlässlich der Vorstellung der Studie. Als internationale sowie als Messe- und Kongressstadt sei ein vielfältiges und qualitativ starkes Nachtleben ein wichtiger Standortfaktor. Das belegt auch die Studie, wonach 85 Prozent der Befragten das Nachtleben als wichtigen Imagefaktor für Frankfurt betrachten, 69 Prozent finden, dass das nächtliche Angebot der Stadt einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität leistet. „Die weichen Faktoren, zu denen das Nachtleben gehört, spielen eine wichtige Rolle, sei es für Fachkräfte, sei es für Unternehmen, die einen Standort suchen“, findet die Stadträtin. Deshalb wurde 2024 ein Nachtrat gegründet, ein aus 13 Vertretern der Szene bestehendes Gremium, das bei der Stabsstelle Stadtmarketing angesiedelt ist und das Nachtleben ankurbeln, aber auch die Interessen der Branche vertreten soll. Denn die Betriebe haben mit großen Herausforderungen zu kämpfen, die der Gastronom und Unternehmer James Ardinast aufzählte: steigende Kosten, komplizierte Genehmigungsprozesse sowie Konflikte im öffentlichen Raum, zu denen auch Sicherheitsthemen gehören. „Es ist wichtig, dass wir hier gemeinsam mit der Stadt Lösungen erarbeiten“, sagte Ardinast, der die gastronomische Vielfalt als Ausdruck der Diversität betrachtet und als Grund für viele Besucher, in die Stadt zu kommen. Als Beispiel für steigende Kosten verwies Gibson-Betreiber Bernhagen beispielhaft auf die Gema-Gebühren für die Nutzung von Musik, die sich seit der Eröffnung des Clubs 2012 von 20.000 auf 86.000 Euro erhöht hätten. Ardinast und Bernhagen sind beide Mitglied im Nachtrat der Stadt. Ardinast erklärte, die Stadt müsse sich an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. So würden Metropolen diverser und wärmer, sodass Gäste etwa im Sommer häufig erst um 21 Uhr die Restaurants und Bars aufsuchten. „Doch wenn sich ein Anwohner beklagt, müssen wir die Außenbereiche um 22 Uhr schließen“, sagte er. „Wir erwarten von der Stadt Frankfurt, dass hier Lösungen gefunden werden“. Wären künftig mehr Menschen nach 22 Uhr in Frankfurt auf der Straße, sei das nicht nur gut für die Betriebe der Nachtökonomie, sondern auch für das Sicherheitsgefühl der Menschen. „Wenn nachts mehr Menschen in den Quartieren sind, dann entsteht auch eine soziale Kontrolle, die das Problembild, das häufig von Frankfurts Nachtleben gezeichnet wird, verändern kann.“ Frankfurt als 24-Stunden-Stadt begreifen Bastian Bernhagen verwies dabei auf ein Modell aus Berlin, wo ein städtischer Schallschutzfonds helfe, Lärm, der an Orten des Nachtlebens automatisch entstehe, zu reduzieren. Matthias Morgenstern, Vorsitzender des Vereins Clubs am Main, formulierte den dringenden Wunsch nach öffentlicher Unterstützung: „Wenn die Stadt es ernst damit meint, dass das Nachtleben wichtig für die Lebensqualität und die Wirtschaft der Stadt ist, dann muss sie es künftig fördern.“ Sonst könne es passieren, dass zum Beispiel Clubs nicht überleben könnten. Die Studienautoren empfehlen der Stadt, das Nachtleben stärker strukturell zu verankern und als Teil moderner Stadtentwicklung zu verstehen. Sie schlagen für Frankfurt unter anderem einen jährlichen Nachtbericht, ein Qualitätssiegel für Clubs und Bars, Förderungen für neue Formate sowie sogenannte Quartiersnetzwerke zur Konfliktprävention vor. Dass es diese Konflikte immer noch in den für das Frankfurter Nachtleben zentralen Stadtteilen und Quartieren gibt, legt die Studie ebenfalls nahe. So ergibt sich aus den Befragungen zwar einerseits, dass ein lebendiges Nachtleben das urbane Image Frankfurts über das eines Finanzzentrums hinaus präge. Gleichzeitig kritisieren die Befragten unter anderem die hohen Lebenshaltungskosten der Stadt, die Nutzungskonflikte zwischen Nachtleben und Wohnen aufgrund von Lärmbelästigungen oder durch die Entstehung von Müll oder das Unsicherheitsgefühl in einigen Ausgehvierteln, zum Beispiel im Bahnhofsviertel, aber auch in Sachsenhausen. Es sei wichtig, Frankfurt als 24-Stunden-Stadt zu betrachten, sagte Eduard Singer, Leiter der Stabsstelle Stadtmarketing. Das Nachtleben in Frankfurt sei deshalb kein Nischen- sondern ein Zukunftsthema, fügte Wirtschaftsdezernentin Wüst hinzu. Durch die Studie könne man nun in Zusammenarbeit mit dem Nachtrat die Probleme des Nachtlebens angehen und die Potenziale für die städtische Kultur und Wirtschaft besser heben, und zwar unabhängig vom Ausgang der Kommunalwahl im nächsten Jahr.
