FAZ 13.01.2026
12:33 Uhr

Streit um Grönland: Auf einmal wird die Einigkeit betont


Die Außenminister Dänemarks und Grönlands reisen in die USA. Selbst der grönländische Regierungschef bekräftigt, die größte Insel der Welt gehöre zu Dänemark.

Streit um Grönland: Auf einmal wird die Einigkeit betont

An dem Treffen des dänischen Außenministers Lars Løkke Rasmussen und seiner grönländischen Amtskollegin Vivian Motzfeld mit dem amerikanischen Außenminister Marco Rubio an diesem Mittwoch in Washington wird auch der amerikanische Vizepräsident J.D. Vance teilnehmen. Zudem wurde das Treffen in das Weiße Haus verlegt. Das teilte Rasmussen am Dienstag in Kopenhagen mit. Das dürfte die Zusammenkunft aus dänischer Sicht deutlich schwieriger machen. Vance hatte anders als Rubio einen harten Ton im Ringen um Grönland angeschlagen. Dänemark und Grönland demonstrieren derweil Einigkeit. Am Dienstagmorgen berief Rasmussen im Parlament in Kopenhagen den außenpolitischen Ausschuss ein, einziger Tagesordnungspunkt die Beziehungen des Königreichs zu den USA. Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen teilte derweil mit, Grönland sei Teil des Königreichs Dänemark. Nielsen hatte zuletzt zwar wiederholt Ansprüche der USA auf Grönland zurückgewiesen, jedoch nicht die Einheit mit Dänemark betont. In Grönland gibt es eine starke Unabhängigkeitsbewegung. Diese könnte von den USA genutzt werden, um die Insel vom Königreich loszulösen, so die Sorge in Kopenhagen. Zuletzt hatten grönländische Politiker wieder vermehrt Vorwürfe gegen Dänemark erhoben. So warf etwa Pipaluk Lynge, die Vorsitzende des Ausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik Grönlands, Dänemark vor, neokolonialistisch zu sein. Auch warb etwa die Abgeordnete Aki-Matilda Høegh-Dam für ein Abkommen mit den USA, wenn dies zu mehr Unabhängigkeit führe. „Die USA kommen doch sowieso nach Grönland, also müssen wir versuchen, etwas daraus zu machen“, sagte sie der Zeitung „Politiken“. Senatoren besuchen Kopenhagen Derweil haben sich für Freitag mehrere amerikanische Kongressabgeordnete für einen Unterstützungsbesuch in Kopenhagen angekündigt. Das gab das Büro des demokratischen Senators Chris Coons bekannt. Demnach handelt es sich um eine parteiübergreifende, aus beiden Kammern des Kongresses bestehende Delegation, die das Ziel hat, „die mehr als zweihundertjährige Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und dem Königreich Dänemark zu würdigen, darunter die langjährigen Beziehungen im Bereich der nationalen Sicherheit und die jahrzehntelange wirtschaftliche Zusammenarbeit“. Berichten zufolge nehmen acht Senatoren teil. Amerikas Präsident Trump hat wiederholt geäußert, Grönland müsse aus Gründen der Sicherheit Teil der USA sein. Zuletzt sagte er, es gehe darum, Grönland zu besitzen. Wenn die USA dies nicht täten, würden Russland oder China es tun. Kopenhagen warf er vor, nicht für die Sicherheit der Insel sorgen zu können. Dänemarks Regierung hat im Gegenzug wiederholt auf hohe eigene Investitionen in die Sicherheit Grönlands verwiesen. Sowohl Außenminister Rasmussen als auch Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen sowie Ministerpräsidentin Mette Frederiksen verwiesen auf bis zu 90 Milliarden Kronen (rund zwölf Milliarden Euro), die für die Sicherheit der Arktis vorgesehen seien. Allerdings umfassen die beiden Investitionspakete für die Sicherheit der Arktis, die 2025 vorgestellt wurden, zusammen nur rund 42 Milliarden Kronen. Wie die Zeitung „Politiken“ unter Berufung auf das Verteidigungsministerium berichtet, handelt es sich beim Rest der Summe unter anderem um allgemeine Militärinvestitionen wie die Anschaffung von 16 neuen F-35-Kampfflugzeugen.