FAZ 18.01.2026
17:09 Uhr

Streit um Fackelläufer: „Ich halte das für eine unglaubliche Beleidigung“


Wenige Wochen vor Beginn der Winterspiele in Italien klagen frühere Olympiasieger, nicht berücksichtigt zu werden für das Tragen der olympischen Flamme. Ein Komiker verliert seine Nominierung wegen vulgärer Äußerungen.

Streit um Fackelläufer: „Ich halte das für eine unglaubliche Beleidigung“

Weniger als drei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo vom 6. bis zum 22. Februar ist in Italien eine Kontroverse um die Fackelläufer entbrannt. In der vergangenen Woche hatten frühere Spitzensportler geklagt, dass sie beim Lauf mit dem olympischen Feuer nicht berücksichtigt worden waren. Im Namen früherer Spitzenathleten hatte der ehemalige Skilanglauf-Olympiasieger Silvio Fauner kritisiert, dass er und weitere Medaillengewinner nicht zu den Fackelläufen eingeladen worden waren. Fauner gewann insgesamt fünf olympische Medaillen, sein größter Triumph war als italienischer Schlussläufer der Gewinn von Staffelgold bei den Olympischen Winterspielen im norwegischen Wintersportort Lillehammer 1994. Minister kündigen „dringendes Treffen“ mit Organisationskomitee an „Ich spreche für zehn Athleten, die insgesamt 35 olympische Medaillen gewonnen haben, zuvörderst die beiden Goldmedaillen mit der Skilanglaufstaffel von 1994 und 2006. Wir wurden in keinerlei Initiative im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen in unserem Land einbezogen – weder als Fackelträger noch als Botschafter noch in irgendeiner anderen Funktion. Nichts. Ich halte das für eine unglaubliche Beleidigung“, sagte der 57 Jahre alte ehemalige Spitzensportler der „Gazzetta dello Sport“. Wie er seien zahlreiche ehemalige Spitzenathleten des italienischen Wintersports als Fackelläufer übergangen worden, während viele Athleten ohne Bezug zu Winterdisziplinen sowie Prominente ausgewählt worden seien. Fauner bekleidet derzeit das Amt eines stellvertretenden Bürgermeisters der Dolomitengemeinde Sappada. Das Organisationskomitee erklärte, Fauner sei wegen seines politischen Amtes ausgeschlossen worden. Nach der Kritik Fauners kündigten Verkehrsminister Matteo Salvini und Sportminister Andrea Abodi ein „dringendes Treffen“ mit dem Organisationskomitee an, um über dessen „sehr verwunderliche Entscheidungen“ zu sprechen. Womöglich als Resultat dieses Gesprächs teilte das Komitee am Samstag mit, dass der Fernseh- und Kinokomiker Massimo Boldi von der Liste der Fackelträger gestrichen worden sei. Boldi habe sich in einem Interview mit der Tageszeitung „Il Fatto Quotidiano“ in einer Weise geäußert, die „unvereinbar mit den olympischen Werten und den Prinzipien der Arbeit des Organisationskomitees“ gewesen sei. Der 80 Jahre alte Komödiant hatte in dem Interview scherzhaft gesagt, sein Lieblingssport als Aktiver sei stets „die Muschi“ gewesen – eine zwar nicht olympische Disziplin, die aber „gut für Körper und Geist“ sei. Auf die Frage nach seinem Lieblingsberg antwortete er: „Der Aperol, der Berg für den Aperitif Spritz.“ Nach seiner Disqualifikation als Fackelläufer bat Boldi bei allen um Entschuldigung, die sich verletzt gefühlt hätten, sowie beim Organisationskomitee für seinen „ironisch gemeinten Witz“, der sich „als unangemessen und beleidigend gegenüber Frauen erwiesen“ habe und zudem „nicht mit den Prinzipien des Respekts und der Inklusion der olympischen Bewegung“ vereinbar gewesen sei. Ob Fauner einspringen kann, gab das Organisationskomitee nicht bekannt.