FAZ 19.01.2026
19:34 Uhr

Streit über Grönland: Warum selbst Republikaner nun Trump kritisieren


Wenn es um die NATO geht, ist für manche Republikaner eine rote Linie überschritten. Doch was folgt auf die Kritik aus den eigenen Reihen?

Streit über Grönland: Warum selbst Republikaner nun Trump kritisieren

Donald Trump hat seine Besitzansprüche auf Grönland zuletzt abermals bekräftigt. Dänemark sei seit zwanzig Jahren nicht in der Lage, die „russische Bedrohung“ von der Insel fernzuhalten, behauptete der amerikanische Präsident in einem Onlinebeitrag am Sonntagabend. Nun sei es „an der Zeit, und es wird geschehen!!!“ In einer Nachricht an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre schrieb er außerdem, er fühle sich nicht mehr verpflichtet, „ausschließlich an Frieden zu denken“. In der eigenen Partei wächst derweil der Unmut über den Vorstoß des Präsidenten. Senator Rand Paul aus Kentucky war am Sonntag der nächste, der in einem Interview scharfe Kritik übte. Notstandsbefugnisse seien für Notfälle gedacht, sagte er in Anspielung auf eine mögliche militärische Intervention. In Grönland gebe es jedoch keinen Notfall, diese Darstellung sei „lächerlich“. In einer Fraktion, in der Loyalität als Maßstab gilt, hat es in den vergangenen Tagen überdurchschnittlich viel Kritik am Präsidenten gegeben. Mitch McConnell, der frühere Fraktionsvorsitzende der Republikaner im Senat, warnte in einer Rede davor, Trumps Vorgehen könne die Beziehung zu den Verbündeten in der NATO ruinieren, und sprach von einem „beispiellosen Akt strategischer Selbstverletzung“ im Falle eines Angriffs. Abgeordnete aus beiden Parteien brachten einen Gesetzentwurf ein, der Trump an militärischen Schritten gegen Grönland hindern soll. „Das Dümmste, was ich je gehört habe“ Der republikanische Abgeordnete Don Bacon sagte in einem Interview, eine Invasion würde zu einem Amtsenthebungsverfahren Trumps führen – das er in diesem Falle geneigt sei zu unterstützen. Die Invasionsfantasien seien „das Dümmste, was ich je gehört habe“. Die zwei lautesten Kritiker des Präsidenten in der Sache, Senator Thom Tillis aus North Carolina und Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska, reisten außerdem mit einer Delegation nach Dänemark, um dem NATO-Partner Unterstützung zu signalisieren. Trump neigt dazu, seine Kritiker politisch zu bestrafen, indem er ankündigt, ihnen Konkurrenten in den Vorwahlen entgegenzustellen. Da verwundert es nicht, dass eine Mehrzahl der Grönland-Kritiker sich am Ende ihrer politischen Karriere befindet und aus dem Kongress ausscheiden wird. Und doch hat die Fraktion im ersten Jahr der Präsidentschaft noch in keinem Fall so viele offene Widerworte geäußert wie bei diesem Thema. Tillis, der Trump jüngst auch in Bezug auf dessen Feldzug gegen Notenbankchef Jerome Powell kritisiert hatte, äußerte in der vergangenen Woche eine unverhohlene Drohung in Richtung des Präsidenten. Sollte sich herausstellen, Trump plane eine unmittelbare Militäraktion in Grönland, gebe es im Kongress genügend Stimmen für eine „War Powers Resolution“ – und um ein Veto abzuwehren. Mit einer Zweidrittelmehrheit im Senat wie im Repräsentantenhaus kann ein Veto des Präsidenten überstimmt werden. Das Gesetz von 1973 verlangte ein Parlamentsmandat für künftige Militäroperationen. Im Falle Venezuelas in der vergangenen Woche war der Vorstoß knapp gescheitert, beim NATO-Partner Grönland scheint die rote Linie für viele Kongressmitglieder jedoch überschritten. Tillis schwankt zwischen Zustimmung und Distanz Senator Tillis äußerte an dieser Stelle aber auch, er werde die Maßnahme nur unterstützen, wenn ein Einsatz unmittelbar bevorstehe – sonst legitimiere man die von Trump beschworene Gefahr, die nicht real sei. Das wiederum setzt voraus, dass Trump den Kongress über Pläne in Kenntnis setzen würde, was er im Falle Venezuelas nicht tat. Tillis, der nach einem Zerwürfnis mit Trump über die „Big Beautiful Bill“ im vergangenen Sommer seinen Rückzug aus der Politik in diesem Jahr angekündigt hatte, schwankt zwischen Zustimmung und Distanz. Im Frühjahr stimmte er für alle Regierungskandidaten des Präsidenten. Nach dem Schlag auf Venezuela lobte er dessen „entschiedenes Vorgehen“. Dann kam Grönland. In dieser Sache vermeidet er trotz heftiger Kritik bislang einen direkten Angriff auf Trump. Stattdessen machte er in einer Rede in der vergangenen Woche die Berater des Präsidenten verantwortlich. Er habe „genug von den Dummheiten“, rief er, offenbar in Anspielung auf Stephen Miller. Er werde sich nicht der Meinung von Personen unterwerfen, die nicht gewählt worden seien. Die Führung der Republikaner im Kongress hält sich bislang noch zurück. Der Mehrheitsführer im Senat, John Thune, hat sich nicht zu dem Gesetzentwurf positioniert. Er äußerte im Zuge der Reise der Kongressmitglieder nach Grönland jedoch, man habe „sicherlich kein Interesse an einigen der Optionen“, über die diskutiert worden sei – offenbar eine Anspielung auf eine Militärintervention.