Anders als der Verband der Familienunternehmer lehnt die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) Gespräche mit der AfD ab. „Aufgrund der immer weiter voranschreitenden Radikalisierung der AfD in Verlautbarungen und Positionen werden seit Anfang 2025 keine Vertreter der AfD mehr zu Veranstaltungen der VhU eingeladen“, teilte Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert auf Anfrage mit. Bis 2024 seien Abgeordnete der Partei noch zum Parlamentarischen Abend der VhU in Wiesbaden eingeladen worden oder auch zum Hessischen Unternehmertag, aber nur „als einfache Gäste“, nicht auf Podien. Die VhU pflege auch „keinen fachlichen Austausch mit der AfD“. Der Verband „Die Familienunternehmer“ hatte sich zu Wochenbeginn öffentlich zu Gesprächen mit der AfD bekannt. Aufgekommen war die Diskussion wegen der Teilnahme eines AfD-Bundestagsabgeordneten bei einem Parlamentarischen Abend des Verbandes. Auch bei Parlamentarischen Abenden des hessischen Landesverbands seien „grundsätzlich alle Mitglieder des Landtags eingeladen“, teilte die Landesvorsitzende der Familienunternehmer, Sophia von Rundstedt, auf Anfrage mit. „Darüber hinaus gab es in Hessen keine Gespräche mit der AfD oder anderweitige Einladungen.“ Kammern sind zu Neutralität verpflichtet Bei Veranstaltungen verschiedener hessischer Industrie- und Handelskammern (IHK) haben AfD-Politiker aber schon auf der Bühne gesessen, bei einer Podiumsdiskussion vor der Bundestagswahl 2021 etwa, die von der IHK Frankfurt gemeinsam mit der Handwerkskammer organisiert wurde. Auch vor der jüngsten Bundestagswahl lud die IHK zu einer Diskussion mit Vertretern verschiedener Parteien den AfD-Politiker Andreas Lichert ein. Die IHK Frankfurt teilte dazu mit: „Als Körperschaft des öffentlichen Rechts unterliegt die Industrie- und Handelskammer dem staatlichen Neutralitätsgebot.“ Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main erläuterte, das Neutralitätsgebot bedeute, „dass wir bei politischen Diskussionsrunden, wie zum Beispiel im Vorfeld von Landtags- oder Bundestagswahlen, Vertreterinnen und Vertreter der in den jeweiligen Parlamenten vertretenen Parteien einladen“. Für den Verband „Die Familienunternehmer“ gilt keine politische Neutralitätspflicht. Wegen dessen Öffnung für Gespräche mit der AfD kündigten einige Unternehmen ihren Austritt an, unter diesen die Drogeriemarktkette Rossmann. Auch der bekannte Frankfurter Architekt Stefan Forster will seine Mitgliedschaft kündigen, wie er im Karriere-Netzwerk Linkedin mitteilte. „Für mich ist die AfD ein komplettes No-Go, man darf denen keine Bühne bieten“, sagte er der F.A.Z.. Nach Fernseh-Auftritten von AfD-Politikern stelle die Partei regelmäßig aus dem Kontext gerissene Ausschnitte ins Netz, mit denen sie für sich werbe. „Wenn ich die einlade, mache ich sie salonfähig.“
