FAZ 16.12.2025
17:58 Uhr

Streit in Helsinki: Rassismus-Debatte nach Rücktritt der Miss Finnland


„Kindisch und dumm“: Mehrere Abgeordnete der finnischen Rechtspopulisten solidarisieren sich mit einer zurückgetretenen Schönheitskönigin. Nun streitet die Regierung in Helsinki über Rassismus.

Streit in Helsinki: Rassismus-Debatte nach Rücktritt der Miss Finnland

Finnlands Regierungskoalition streitet abermals über Rassismus. Als dumm und schädlich für das Vaterland hat Ministerprä­sident Petteri Orpo (Nationale Sammlungspartei) Fotos bezeichnet, die kürzlich Abgeordnete der rechts­populistischen Basisfinnen veröffentlicht hatten. Diese zeigen sie selbst beim Imitieren asiatischer Gesichtszüge. „Kindisch und dumm“ nannte die ­Bilder auch der Vorsitzende der Schwedischen Volkspartei, Bildungsminister Anders Adlercreutz. Miss Finnland wurde der Titel entzogen Die Abgeordneten der Basisfinnen hatten die Fotos aus Solidarität mit der früheren Miss Finnland, Sarah Dzafce, ver­öffentlicht. Ihr war der erst im September verliehene Titel von der preis­gebenden Organisation wieder ent­zogen worden, nachdem sie ein Foto von sich in einem sozialen Netzwerk veröffentlicht hatte, das sie asiatische Gesichtszüge imitierend zeigt. Dzafce, die in der finnischen Stadt Oulu geboren wurde und kosovarische Wurzeln hat, schrieb dazu, sinngemäß, „Essen mit einer chinesischen Person“. Dzafce verteidigte die Geste zunächst und schrieb, sie habe sich ­wegen „starker Kopfschmerzen“ die Schläfen massiert und die Augen ­gestreckt. Später sagte sie bei einer Pressekonferenz, es tue ihr sehr leid für alle, die sie mit ihren Handlungen in den sozialen Medien verletzt und gekränkt habe. Doch sei sie der ­Meinung, „dass alle Fehler lehrreich sind“. Weiter teilte sie mit, dass sie wegen des Vorfalls viele Nachrichten bekommen habe, darunter auch ­einige Drohungen. Der Fall hatte vor allem in asiatischen Ländern mediale Beachtung gefunden. Die Geschäftsführerin der Organisation Miss Finnland, Sunneva Sjögren, sprach laut finnischen ­Medien von einer „internationalen Krise“. Sie versprach, künftig die Ausbildung der Miss-Kandidatinnen in Bezug auf das Thema Gleichberech­tigung zu stärken, damit derlei nie wieder passiere. Der Titel der Miss Finnland ging nun an die Zweit­platzierte über. Finnlands Regierung hatte schon kurz nach Gründung der Mitte-rechts-Koalition 2023 heftig über das Thema Rassismus gestritten, damals ging es um frühere rassistische und rechtsextreme Äußerungen von Mitgliedern der Basisfinnen.