FAZ 21.01.2026
06:28 Uhr

Streamingdienst: Netflix bleibt auf Wachstumskurs


Der Streamingdienst baut seine Abonnentenzahlen aus und erhöht die Werbeumsätze. Die Übernahme von Warner soll einen weiteren Schub bringen.

Streamingdienst: Netflix bleibt auf Wachstumskurs

Netflix befindet sich derzeit inmitten eines erbittert geführten Übernahmekampfes um den Unterhaltungskonzern Warner Bros. Discovery. Das Geschäft des Streamingdienstes bleibt unterdessen auf Wachstumskurs. Netflix meldete am Dienstag nach Börsenschluss eine deutliche Steigerung seines Umsatzes und seiner Abonnentenzahlen im vergangenen Jahr. Die Umsatzprognose für das laufende Quartal blieb allerdings leicht hinter den Erwartungen zurück. Der Aktienkurs fiel im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als 5 Prozent. Die Börse hat auch negativ auf die Übernahmepläne reagiert, seit Bekanntwerden des Vorhabens hat die Aktie deutlich an Wert verloren. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 400 Milliarden Dollar bleibt Netflix allerdings das mit Abstand wertvollste Unternehmen aus der Unterhaltungsindustrie. Die geplante Akquisition ist für Netflix ein kühner und auch sehr ungewohnter Schritt, das Unternehmen ist seit seiner Gründung nie mit größeren Zukäufen aufgefallen. Netflix will 72,0 Milliarden Dollar für Warner bezahlen, hat aber Konkurrenz. Wenige Tage nach der Ankündigung der Kaufvereinbarung Anfang Dezember gab der Wettbewerber Paramount Skydance ein feindliches Übernahmeangebot für Warner ab, mit dem er Netflix ausstechen will. Paramount will 77,9 Milliarden Dollar bezahlen und den gesamten Warner-Konzern kaufen. Der Kaufvertrag mit Netflix beschränkt sich auf den größeren und auch attraktiveren Teil, darunter das Filmstudio Warner Bros. und der Streamingdienst HBO Max. Dagegen ist eine Gruppe von Fernsehsendern wie der Nachrichtenkanal CNN nicht in der Transaktion enthalten. Warner als „strategischer Beschleuniger“ Ted Sarandos, einer der Ko-Vorstandsvorsitzenden von Netflix, nannte den geplanten Warner-Zukauf bei der Vorlage von Zahlen einen „strategischen Beschleuniger“ für sein Unternehmen. In einer Mitteilung hob Netflix zwei Beweggründe hervor: Warner werde dabei helfen, das Angebot von Inhalten auszuweiten, und der Streamingdienst HBO Max werde es ermöglichen, mehr Optionen für Abonnements anzubieten. Die beiden Unternehmen seien „hochgradig komplementär“. Netflix versprach außerdem, seine Produktionskapazitäten in den USA und im Ausland auszuweiten. Sarandos zeigte sich zuversichtlich, die Genehmigungen von Kartellbehörden in den USA und anderen Regionen wie der EU zu erhalten. Auf dem Heimatmarkt wird womöglich auch Donald Trump eine Rolle spielen. Der US-Präsident hat gesagt, er werde persönlich in die kartellrechtliche Prüfung eines Warner-Verkaufs eingebunden sein. Netflix hat am Dienstag sein Angebot für Warner nachgebessert. Zwar wurde der Kaufpreis nicht erhöht, aber das Unternehmen will die Summe nun komplett in bar bezahlen. Bislang war von einem Baranteil von 85 Prozent die Rede. Auch Paramount hat vollständiges Bezahlen in bar versprochen. Warner hat das Angebot von Paramount abgelehnt und als weniger attraktiv beschrieben. Werbeumsätze steigen Für das vierte Quartal meldete Netflix ein Umsatzwachstum von 18 Prozent auf knapp 12,1 Milliarden Dollar. Das war etwas mehr als von Analysten erwartet. Der Nettogewinn stieg um 29 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar. Den Umsatzzuwachs führte Netflix auf einen Anstieg der Abonnentenzahlen, Preiserhöhungen sowie einen Ausbau der Werbeumsätze zurück. Zum Jahresende hatte Netflix 325 Millionen Abonnenten und damit 23 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Das Werbegeschäft ist für Netflix noch recht neu. Seit wenigen Jahren bietet das Unternehmen billigere Abonnements an, deren Nutzer Werbung zu sehen bekommen. Es sagte jetzt, die Werbeumsätze im vergangenen Jahr hätten 1,5 Milliarden Dollar betragen und seien damit mehr als zweieinhalb Mal so hoch gewesen wie im Vorjahr. Das ist gemessen am Konzernumsatz von 45,2 Milliarden Dollar allerdings noch immer überschaubar. Für 2026 sagt Netflix eine Verdopplung des Werbeumsatzes voraus. Für das erste Quartal sagte Netflix ein Umsatzwachstum von 15 Prozent voraus, was leicht unter den Erwartungen von Analysten lag. Im Gesamtjahr peilt das Unternehmen 50,7 Milliarden bis 51,7 Milliarden Dollar an, was einem Zuwachs von 12 bis 14 Prozent entsprechen würde. Netflix will nach eigener Aussage in diesem Jahr sein Angebot jenseits von Filmen und Fernsehserien ausweiten. So soll es mehr Live-Inhalte geben, zum Beispiel von Sportereignissen, außerdem sind Video-Podcasts geplant.