FAZ 02.03.2026
18:12 Uhr

Stimmen aus Dubai: „Auf einmal macht es boom!“


Auch viele deutsche Influencer leben in Dubai und wurden dort von dem Krieg überrascht. Während einige besorgt sind, loben andere die Sicherheit in der Stadt.

Stimmen aus Dubai: „Auf einmal macht es boom!“
„Mieten runter“ fordert ein anonymer Sprayer auf dem Banner eines Bauzauns in Hamburg. (Foto: Hanno Bode/Imago)

Die iranischen Angriffe haben auch Dubai getroffen – den Wohnort vieler deutscher Influencer. Die Reaktionen in ihren Instagram-Storys sind gemischt. Für einige soll der Alltag weitergehen. So zeigt sich Tanja Makarić beim Schwimmen. Marcus Prinz von Anhalt teilt Videos, wie er lachend Padel spielt. Andere wiederum zeigen sich besorgt. In den vergangenen Jahren hat ­Dubai viele Influencer, Unternehmer und Millionäre angezogen, die wegen des geschäftsfreundlichen Umfelds, der fehlenden Einkommensteuer, des Wetters und der Möglichkeit kommen, einen ebenso luxuriösen wie unkomplizierten Lebensstil zu führen. Mehr als 85 Prozent der vier Millionen Einwohner Dubais haben einen ausländischen Pass. „Eine der schwersten Nächte meines Lebens“ Die ersten Angriffe Irans beschreibt Sängerin Kim Gloss der F.A.Z. als „eine der schwersten Nächte“ ihres Lebens. Die Mutter von drei Kindern war sofort in Kontakt mit Familie und Freunden aus Deutschland. „Wir hatten natürlich auch mit dem Gedanken gespielt, vielleicht in die Wüste rauszufahren, wegzufahren. Aber dann haben wir auf die Regierung gehört und die Meldung, man solle zu Hause bleiben.“ Deswegen blieben sie, während andere versuchten, die Stadt zu verlassen, um vom weiter entfernten Flughafen in Oman oder aus Riad auszureisen. Familie Gloss verbrachte die ersten Nächte in einem Raum ohne Fenster. Es sei schwierig gewesen, die Nacht zu überstehen, da die Explosionen und die Warn-App sie mehrfach aus dem Schlaf rissen. Ihren zwei jüngeren Kindern habe sie gesagt, die lauten Geräusche seien durch ein Gewitter verursacht worden. Fitness-Influencer Julian Zietlow ist seit Dezember 2024 in Dubai, ­wegen seiner Kinder, wie er der F.A.Z. am Montag sagt. Als seine frühere Frau mit den Kindern in die Emirate umzog, folgte er ihnen. Jetzt lebt er seit gut einem Jahr in der Wüstenstadt. Von den Angriffen erfuhr er früh durch eine Freundin. „So richtig gemerkt habe ich es aber zu Hause. Auf einmal macht es ,Boom‘, und die Fenster zittern. Da habe ich gemerkt: Ach so, krass!“ Im Moment fühle er sich sicher. Sollte sich die ­Situation verschärfen, zieht Zietlow auch in Betracht, unter Absprache mit seiner früheren Frau das Land zu verlassen. „Ich weiß, wer uns beschützt“ Reality-Star Georgina Fleur lebt seit fünf Jahren in Dubai. Der F.A.Z. sagt Fleur, sie sei nach Dubai gezogen, weil es ihr „sowohl beruflich als auch privat sehr gute Möglichkeiten“ biete. Zurzeit befindet sie sich in Thailand und könne den Rückweg nach Dubai nicht wie geplant antreten, da der Flug annulliert wurde. „Im ersten ­Moment war ich verunsichert, vor allem weil Dubai mein Zuhause ist und meine Tochter dort ist“, erzählt die Influencerin. „Inzwischen bin ich deutlich ruhiger, weil ich den Eindruck ­habe, dass die Situation sehr ernst genommen wird.“ In ihrer Instagram-Story teilt sie ein Video mit den Worten „Hast du keine Angst? Du lebst in Dubai! – Nein, weil ich weiß, wer uns beschützt.“ Unterlegt ist das Video mit Bildern der emiratischen Regierung. Viele Influencer sehen es ähnlich: Das Land biete trotz allem ­Sicherheit. Das bestätigt auch Oliver Pocher, der im Urlaub in Dubai ist, in seiner Story: „Ich glaub, seit heute, seit gestern, ist es nachweislich der sicherste Ort der Welt, weil trotz Raketenangriffen kein Mensch gestorben ist“, sagt er, während er am Schwimmbecken in der Sonne liegt. In Dubai gab es zwar keine Toten, aber nach Behördenangaben einige Verletzte. In Abu Dhabi kam mindestens ein Mensch durch Trümmerteile von abgefangenen Raketen ums Leben, wie das emiratische Verteidigungsministerium bestätigte. Im Internet werden währenddessen kritische Stimmen lauter. „Alle Dubai Influencer erzählen derzeit denselben Text... ich finde das echt eigenartig“, schreibt eine Userin unter einem Beitrag von Kim Gloss. Ein anderer schreibt: „Leute, wie lange wollt ihr euch hier noch verarschen lassen? Merkt ihr nicht das jeder Influencer aus Dubai dasselbe sagt?? Ich vertraue Dubai, ich vertraue der Abwehr... das was sie denken und fühlen, hat nichts mit dem zu tun, was sie euch hier erzählen müssen!“ Kim Gloss weist gegenüber der F.A.Z. solche Vorwürfe zurück: „Man denkt ja immer, die Influencer kriegen was vorgegeben von der Regierung. Aber nein, wir fühlen uns hier wirklich gerade relativ sicher.“ Wie wahr solche Aussagen sind, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht prüfen. Fest steht: Einige Influencer, wie Fiona Erdmann, sind aus der Stadt geflohen; trotzdem betonen sie, dass Dubai sie beschützen würde und sie beteuern, dass sie ohne Kinder in der Stadt geblieben wären.