Die dunkle Jahreszeit in den Wintermonaten spaltet die Gemüter: Die einen freuen sich auf eine besinnliche Stimmung, Nachmittage auf Weihnachtsmärkten und gemütliche Stunden mit einem spannenden Buch. Bei anderen legt sie sich aufs Gemüt: Übermüdet, träge und schlecht gestimmt kämpfen sie sich durch den Alltag und zählen die Tage bis zum Frühlingsanfang. Ein Grund dafür kann das im Winter weniger werdende Tageslicht sein. Wer nicht in sonnige Gefilde fliegen will oder kann, kann sich anderweitig erhellen lassen: Bereits seit den Achtzigerjahren wird Lichttherapie gegen Winterdepressionen eingesetzt. Stiftung Warentest hat nun 19 verschiedene Tageslichtlampen für zu Hause ausprobiert. Getestet wurden Funktion, Handhabung und Anwendungskomfort sowie Sicherheit der Geräte. Was sind Winterdepressionen? Winterdepressionen, auch „Seasonal Affective Disorder“ (SAD) genannt, sind eine spezielle Art von Depressionen: Typische Symptome sind starke Müdigkeit, Antriebslosigkeit, gestiegener Appetit auf süße oder kohlenhydratreiche Nahrungsmittel und die damit verbundene Gewichtszunahme – sowie das Abklingen der Beschwerden im Frühjahr. Jedes Jahr leiden bis zu zwei Prozent der Deutschen darunter, dass in den kürzeren Tagen im Winter weniger Tageslicht auf die Netzhaut im Auge trifft und somit mehr schlafförderndes Melatonin produziert wird. Gleichzeitig schüttet der Körper weniger stimmungsaufhellendes Serotonin aus. Sollten die beschriebenen Symptome länger als zwei Wochen anhalten, empfiehlt es sich, den Hausarzt oder einen Facharzt wie einen Psychiater oder eine psychologische Therapieeinrichtung aufzusuchen. Für Informationen oder zur Facharztvermittlung finden Sie Hilfe unter der Telefonnummer 116 117 oder hier. Wie werden die Lampen optimal eingesetzt? Stiftung Warentest bezieht sich auf die Empfehlung der Nationalen Versorgungsrichtlinie. Diese empfiehlt eine Belichtungszeit von täglich 30 Minuten bei einer Beleuchtungsstärke von 10.000 Lux. Das Licht sollte kaltweiß mit einem hohen Blauanteil sein, um das natürliche Tageslicht bestmöglich zu simulieren. Auch die Größe der Lampe kann entscheidend sein: So zeigen Forschungsergebnisse, dass eine größere Fläche bei gleicher Helligkeit zu größeren Therapieerfolgen führen kann. Kleinere Lampen können hingegen schneller blenden. Um die Chancen eines Therapieerfolgs zu erhöhen, sollte man sich über mehrere Wochen täglich – am besten morgens – mindestens 30 Minuten frontal vor sie setzen. Die Lampe sollte dabei leicht erhöht stehen. Bei den empfohlenen 10.000 Lux sollte der Abstand etwa 30 Zentimeter betragen. Währenddessen kann man zum Beispiel lesen. Hin und wieder sollte aber direkt in die Lampe geschaut werden. Was bringt eine Tageslichtlampe wirklich? Wichtig ist, dass die Tageslichtlampen keinen Erfolg garantieren können. Sowohl die Anfälligkeit für Winterdepressionen als auch die Annahme der Lichttherapie sind individuell und können genetisch bedingt sein. Eine Lichttherapie sollte generell mit dem Haus- oder Facharzt besprochen werden, insbesondere bei bekannten Augenbeschwerden. Worauf man bei einer Tageslichtlampe achten muss Von 19 getesteten Lampen waren laut Stiftung Warentest nur fünf „gut“. Besonders Geräte aus dem günstigen Preissegment enttäuschen durch eine schwache Beleuchtung. Bei den beiden Testsiegern handelt es sich um zwei Modelle des Herstellers Beurer („TL 85“ und „TL 95“) aus dem mittleren Preissegment. Beide Geräte erreichen bei dem empfohlenen Abstand von 30 Zentimetern die gewünschten 10.000 Lux. Bei seitlicher Benutzung kommen immerhin noch 4000 Lux an, was bei längerer Nutzung immer noch als ausreichend bewertet wurde. Die zwei Beurer-Modelle (beide „Gut“, 1,8) unterscheiden sich lediglich in Preis und kleineren Funktionen: So ist das Modell „TL 85“ mit 128 Euro etwas günstiger als „TL 95“ (175 Euro), dafür ist die Helligkeit nicht dimmbar. Einen Nachteil für den Therapieerfolg hat dies nicht. Eine Zeitschaltuhr haben beide. Die kann helfen, um die tägliche Dosis Licht nicht zu vergessen. Das Modell „TL 85“ braucht zudem weniger Strrom und ist leichter als „TL 95“. Mit Abstrichen taugt auch die günstige Alternative Als eine etwas günstigere Alternative geht das Modell „Vitamin L“ des Herstellers Lumie (92 Euro) aus dem Stiftung-Warentest-Produkttest hervor („Gut“, 2,3). Der geringere Preis bedeutet jedoch auch Einsparungen bei der Beleuchtungsstärke – insbesondere bei seitlichem Winkel oder einem Abstand von 50 Zentimetern. Durch eine verlängerte Anwendungszeit und Verringerung des Abstandes könne dies laut Stiftung Warentest aber ausgeglichen werden. Der Vorteil des Modells ist, dass es weniger blendet als die zwei Testsieger trotz wesentlich kleinerer Leuchtfläche. Durch die geringere Beleuchtungsstärke halbiert sich der Stromverbrauch beinahe. Dafür muss auf Extras wie Dimmfunktion und Zeitschaltuhr verzichtet werden. Was noch gegen Winterdepression helfen kann Neben der zusätzlichen Lichtzufuhr können auch andere Dinge gegen eine anhaltende Verstimmung in den Wintermonaten helfen. Besonders Vitamin-D-Präparate sind zunehmend als Supplement beliebt. Inwiefern diese helfen können und welche Auswirkungen die Ernährung und soziale Kontakte auf saisonale Depressionen haben können, lesen Sie hier. Das eine Mittel gegen Winterdepressionen scheint es also nicht zu geben. Der Therapieerfolg ist individuell unterschiedlich, eine Tageslichtlampe kann dabei helfen. Die Fülle an Behandlungsansätzen zeigt aber auch, dass es viele Chancen gibt, die Wintermonate zukünftig vielleicht weniger aushalten zu müssen und mehr genießen zu können. So hat Stiftung Warentest getestetFünf Testpersonen haben die Tageslichtlampen aufgebaut, benutzt und bewertet. Fachleute haben die Gebrauchsanweisungen auf technische Daten und Hinweise zur Anwendung und zur Lichttherapie gecheckt. Zusätzlich wurde getestet, ob die Lampen elektrisch und mechanisch sicher sind und die UV-Strahlung nicht Augen und Haut schädigt.
