In Portugal wird nach 20 Jahren wieder ein Sozialist Staatspräsident. In der Stichwahl hat am Sonntag der frühere Vorsitzende der PS, António José Seguro, den Rechtspopulisten André Ventura mit deutlichem Abstand geschlagen. Er erhielt mehr als 66 Prozent der Stimmen. Die bald zwei Wochen andauernden schweren Unwetter überschatteten die Wahl. Mehrere besonders stark betroffene Gemeinden, die zum Teil nur mit Booten erreichbar waren, beantragten, sie zu verschieben. Die Wahlbeteiligung lag nur bei etwa 50 Prozent. Für den Vorsitzenden der rechtspopulistischen Chega-Partei hatte schon der Einzug in die erste Stichwahl seit 40 Jahren einen politischen Triumph bedeutet. In der zweiten Runde legte Ventura nach Auszählung von fast 99 Prozent der Stimmen von 22 Prozent auf rund 33 Prozent zu. Bei der letzten Präsidentenwahl war er 2021 noch auf 11 Prozent gekommen. Der Chega-Vorsitzende will Regierungschef werden und strebt eigentlich nicht das eher repräsentative Amt des Staatschefs an. Es ging darum, die Rechtspopulisten zu verhindern Hinter dem eher farblosen 63 Jahre alten Seguro sammelten sich nun die portugiesischen Wähler, um den Durchmarsch der Rechtspopulisten aufzuhalten. Auch mehrere der am 18. Januar unterlegenen neun Kandidaten hatten dazu aufgerufen, ihn zu wählen. Im bürgerlichen Lager empfahl ihn auch der frühere konservative Regierungschef und Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva. Im ersten Wahlgang war Seguro mit 31 Prozent der Stimmen bereits der Überraschungssieger. Ihm und Ventura gelang es damals auch, den Kandidaten der regierenden konservativen PSD zu schlagen, der ein historisch schlechtes Ergebnis erzielte. Die Sozialisten, die bis 2022 Portugal regierten, hatten Seguro zunächst nur zögerlich unterstützt. Trotzdem erreichte der Politiker, der 2014 als PS-Vorsitzender wegen interner Unzufriedenheit zurückgetreten war, nicht nur ein besseres Resultat als seine Partei bei den Parlamentswahlen 2024 und 2025. Er erzielte auch eines der besten PS-Ergebnisse bei einer Präsidentenwahl. Nun löst Seguro nach zwei Amtszeiten den populären und leutseligen Staatspräsidenten Marcelo Rebelo de Sousa ab, der aus der konservativen PSD kam.
