Knapp 40 Millionen Euro – auf diese Summe schätzt das Beratungsunternehmen IW Consult die jährlichen Steuerzahlungen, die von Rechenzentrumsbetreibern an die Stadt Frankfurt und die umliegenden Kommunen geleistet werden. Dabei ist die Branche seiner Studie zufolge durchaus steuerintensiv, doch davon haben nicht etwa die Standorte etwas, sondern der Bund: Der Betrieb von Datacentern ist gewinnträchtig, weshalb vor allem Umsatzsteuer fällig wird. Und die fließt in die Bundeskasse. Auf insgesamt 405 Millionen Euro schätzen die Autoren der von der Stadt Frankfurt, dem Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main und der landeseigenen Wirtschaftsagentur Hessen Trade and Invest in Auftrag gegebenen Studie den fiskalischen Effekt der Rechenzentren auf die Rhein-Main-Region. Frankfurt und die Nachbarkommunen sind für die Branche eines ihrer europaweit wichtigsten Zentren. Aktuell gibt es hier 76 relevante Rechenzentrumsstandorte, im Jahr 2030 sollen es 112 sein. Trotzdem bleiben der Analyse zufolge nur zehn Prozent der Steuereinnahmen dort, wo die großen Gebäude stehen, in denen die Daten für Clouds, Streamingplattformen und Telekommunikationsknoten verarbeitet werden. Die Regionalstudie mit dem Titel „Standort- und regionalökonomische Wirkungszusammenhänge“ veranschlagt diesen Anteil mit 39,1 Millionen Euro, wovon gut 27 Millionen Euro als Gewerbesteuer gezahlt werden. Der Bund bekommt 171 Millionen Euro, ans Land Hessen gehen 104 Millionen Euro. Indirekte Effekte sind in diesen für das Jahr 2023 ermittelten Zahlen schon eingerechnet. Gerade die insgesamt geringe Höhe der Gewerbesteuer, über die Kommunen sonst höchstes Stillschweigen bewahren, könnte Beobachter des zuletzt starken Wachstums der Branche überraschen. Es ist nicht die einzige Zahl, mit der die Studie teilweise ernüchternde Fakten in die vielerorts emotional geführte Debatte über Chancen und Risiken der Ansiedlung bringt. Bei der Produktivität pro Mitarbeiter sind die Rechenzentren zwar spitze: Je Erwerbstätigen erwirtschaften sie einen Beitrag von 430.000 Euro zum Bruttoinlandsprodukt, der Durchschnittswert liegt in Rhein-Main bei rund 95.000 Euro. Doch es sind in Frankfurt und dem Umland nur 2900 Menschen direkt bei Datacenter-Betreibern angestellt, die Branche ist also nach wie vor sehr klein. Und ihre direkte wirtschaftliche Strahlkraft ist es auch, zumal sie sich vor allem auf die Phase beschränkt, in der neue Rechenzentren er- und eingerichtet werden: Dann profitieren etwa die Baubranche und die Hersteller und Händler von Kabeln, Chips und Serverschränken sowie der Bäcker neben der Großbaustelle. Im laufenden Betrieb lässt diese Hebelwirkung stark nach – als sogenannte Vorleistung kaufen Datacenter dann fast nur noch Strom in nennenswerten Mengen und schreiben die enormen Anfangsinvestitionen Jahr für Jahr ab. All das scheint den Kritikern, die vor allem den Flächenfraß durch die riesigen Hallen, den enormen Stromverbrauch und die geringe Mitarbeiterzahl sehen, recht zu geben: Datacenter sollten besser nicht im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet gebaut werden. Zumal, auch das wird in der Studie aufgeführt, es nicht einmal für die Hälfte der Unternehmen in Rhein-Main wichtig ist, wie nah ihre Server stehen. Aber die Region profitiert von ihrem Status als Hauptstadt der Daten am Ende doch: Der Analyse zufolge geben die Rechenzentren Impulse für eine Verschiebung der Wirtschaftsstruktur zugunsten dienstleistungsorientierter Branchen, zudem lasse sich in ihrem Umfeld eine erhöhte Gründungsdynamik beobachten. Vor allem Hightech-Start-ups schätzten das digitale Ökosystem der Region. Zudem benannten rund 20 Prozent der befragten Unternehmen das digitale Ökosystem in Frankfurt als entscheidenden Standortfaktor, für jedes zehnte ist die Nähe zu Rechenzentren erfolgsrelevant. Gerade diese Unternehmen wiesen überdurchschnittlich hohe Innovationsleistungen in Produkt-, Dienstleistungs- und Prozessinnovationen auf, so ein weiterer Befund der Studie. Imagefördernd sei der Ruf als Digitalzentrum ohnehin, das wiederum erleichtere die Ansiedlung technologieorientierter Unternehmen.
