Mitte September erstrahlte der Handelssaal der Frankfurter Börse in Orange, Rot und Lila. Vor einer Leinwand in den Farben des neuen Unternehmens Aumovio läutete dessen Vorstandschef Philipp von Hirschheydt die Börsenglocke, um den Handel mit den Aktien des Autozulieferers zu eröffnen. Der nabelte sich damit endgültig vom bisherigen Mutterkonzern Continental ab mit dem Ziel, „als eigenständiges Unternehmen eine vielversprechende Zukunft zu gestalten“, wie Hirschheydt damals sagte. Für viele Aumovio-Mitarbeiter sieht die Zukunft seit Dienstag jedoch düster aus: Das Unternehmen hat angekündigt, von den international 86.000 Stellen dieses Jahr bis zu 4000 zu streichen. Von den gut 4000 Arbeitsplätzen in der Frankfurter Zentrale könnten bis zu 220 wegfallen. Immerhin will die Unternehmensführung mit dem Betriebsrat über „alternative Lösungen zur Effizienzsteigerung“ diskutieren. Zwar war klar, dass Continental das Geschäft mit elektronischen Komponenten wie Bremsen, Displays und Sensoren deswegen ausgelagert hat, weil es zuletzt verlustreich war. Dass so kurz nach dem Neubeginn unter eigenem Namen Tausende Stellen zur Disposition gestellt werden, ist dennoch ernüchternd. Schließlich waren an den mehr als 100 Standorten, die jetzt zu Aumovio gehören, schon seit 2023 rund 15.000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Im Rhein-Main-Gebiet wurden die Standorte in Wetzlar und Schwalbach ganz geschlossen, in Babenhausen wird die Belegschaft mit der schon länger geplanten Einstellung der Tacho-Produktion abermals um Hunderte von Mitarbeitern schrumpfen. Nach diesen noch zu Continental-Zeiten beschlossenen Einschnitten bestand Anlass zu der Erwartung, dass Aumovio mit tragbaren Personalkosten in die Eigenständigkeit entlassen würde. Stattdessen sollen nun abermals die Entwicklungsabteilungen schrumpfen. Angesichts des Rennens, das sich deutsche Zulieferer gerade bei der Fahrzeugelektronik mit der innovationsfreudigen chinesischen Konkurrenz liefern, ist das eine riskante Wette. Auch an der Börse, wo Stellenstreichungen oft Kurssprünge auslösen, löste die Ankündigung keine Begeisterung aus.
