Der Krieg in der Ukraine hat paradoxerweise dazu geführt, dass der Brexit sich in der Außenpolitik nicht so stark ausgewirkt hat wie im Handel. Die neuerliche Bedrohung aus Russland hat es den Briten nicht erlaubt, sich weitgehend von Europa zu lösen und ihr Heil in vertieften Beziehungen nach Asien oder zu den Staaten des Commonwealth zu suchen, wie sich das die Brexiteers mal vorgestellt hatten. Stattdessen sucht nun auch die Regierung Starmer wieder den Schulterschluss mit Deutschland und Frankreich, den beiden kontinentalen Führungsmächten. Der Staatsbesuch des Bundespräsidenten ist da die zeremonielle Ergänzung zum deutsch-britischen Freundschaftsvertrag, der im Sommer geschlossen wurde. Man sah sich oft in Brüssel Dass der Besuch der erste ist seit 27 Jahren, zeigt noch einmal, was mit dem britischen EU-Austritt verloren ging: Solche Gesten waren im Grunde unnötig, weil man sich in Brüssel oft genug sah. In seiner Rede vor dem britischen Parlament rief Steinmeier die Demokratien zur gemeinsamen Abwehr von Autokraten auf (ein altes Thema Bidens). Das ist richtig im Hinblick auf Russland, aber nur die Hälfte der Geschichte. Nicht nur „wir“ haben Europas Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut, wie Steinmeier sagte, sondern vor allem die Amerikaner. Dass die sich jetzt aus der europäischen Sicherheit zurückziehen, macht die Wiederbelebung der Kooperation zwischen London, Berlin und Paris so unabdingbar.
