FAZ 20.01.2026
13:24 Uhr

Statistisches Bundesamt: Mehr Schüler haben eine „Einwanderungsgeschichte“


Der Anteil der Schüler in Deutschland mit „Einwanderungsgeschichte“ ist weiter gestiegen. Dahinter steckt ein Paradigmenwechsel.

Statistisches Bundesamt: Mehr Schüler haben eine „Einwanderungsgeschichte“

Im Jahr 2024 hatten 29 Prozent der Schüler in Deutschland eine „Einwanderungsgeschichte“. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag anlässlich des internationalen Tags der Bildung am 24. Januar mitgeteilt. Eine „Einwanderungsgeschichte“ haben laut Definition des Bundesamts Personen, „wenn sie selbst oder beide Elternteile seit dem Jahr 1950 nach Deutschland eingewandert sind“. Nicht dazu gezählt werden Schüler, die nur einen eingewanderten Elternteil haben. Das sind noch einmal zwölf Prozent. Zusammen gezählt hatten also 41 Prozent der Schüler in Deutschland mindestens einen eingewanderten Elternteil, 59 Prozent hatten laut Bundesamt „keine Einwanderungsgeschichte“. Der Begriff der „Einwanderungsgeschichte“ ist dabei verwirrend: Er bezieht sich auf ein anderes Konzept als der „Migrationshintergrund“ und ist erst vor einiger Zeit in die Statistiken des Bundesamts eingeführt worden. Der alte Begriff des „Migrationshintergrunds“ meint Personen, die nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurden oder mindestens einen nicht deutschen Elternteil haben. Er erfasst also einen größeren Personenkreis als der neue Begriff der „Einwanderungsgeschichte“. Auch werden zu Letzterem nur Menschen gezählt, die einen festen Hauptwohnsitz in Deutschland haben, Flüchtlinge und Asylbewerber in Sammelunterkünften dagegen nicht. Auch mehr Lehrer mit „Einwanderungsgeschichte“ Weiter teilte das Bundesamt am Dienstag mit, dass der Anteil von Schülern und auch von Lehrern mit Einwanderungsgeschichte in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist: 2019 hatten demnach 26 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden Schulen eine Einwanderungsgeschichte, also drei Prozentpunkte weniger als 2024. Unter den Lehrkräften stieg der Anteil in demselben Zeitraum von neun auf elf Prozent, wobei darunter geringfügig mehr Frauen als Männer waren. Zu den Gründen des Wechsels in der Statistik vom „Migrationshintergrund“ zur „Einwanderungsgeschichte“ beruft sich das Bundesamt auf eine von der damaligen schwarz-roten Bundesregierung eingesetzte Fachkommission, die im Januar 2021 empfahl, „für Fragen der Integration künftig das Konzept der Einge­wanderten und ihrer (direkten) Nach­kommen“ zu verwenden. Es beziehe sich stärker auf die „Wanderungserfahrung“ der Betroffenen. „Eingewan­derte Personen gehören dabei der ersten Generation an; die in Deutschland geborenen Nach­kommen von Einge­wanderten zählen zur zweiten Generation. Personen ab der dritten und weiteren Genera­tionen werden im neuen Konzept nicht als Nach­kommen von Einge­wanderten erfasst“, hieß es demnach darin weiter. Die Neude­finition trage „zu einer Verein­fachung und Harmo­nisierung der bisher im gesell­schaft­lichen und politi­schen Diskurs verwen­deten Konzepte und Begrif­flichkeiten bei“, argumentierte demnach damals die Kommission.  Sie sei außerdem besser vergleich­bar mit den Definitionen etwa von Eurostat oder der Vereinten Nationen. Auch solle der neue Begriff dazu bei­tragen, eine Stigma­tisierung der betroffenen Personen­gruppen zu vermeiden.