FAZ 26.02.2026
19:00 Uhr

Start wieder verschoben: Fischer Air fühlt sich von Konkurrenten ausgebremst


Eine der wenigen am Flughafen Kassel gelisteten Airlines hat Flüge storniert und den Betriebsstart in den Herbst verschoben. Der Airline-Chef spricht von Machenschaften eines großen Reiseanbieters für Osteuropa.

Start wieder verschoben: Fischer Air fühlt sich von Konkurrenten ausgebremst

Eigentlich wollte Vàclav Fischer mit der von ihm neu gegründeten Fluggesellschaft Fischer Air schon längst von Kassel aus Passagiere in den Urlaub fliegen lassen. Für den nordhessischen Flughafen, der derzeit wegen fehlender Passagiere in Teilen der Öffentlichkeit in Frage gestellt wird, wäre das ein wichtiges Signal gewesen. Aber eine Kampagne mächtiger Konkurrenten habe zu den massiven Verzögerungen geführt, sagt der Unternehmer. Deshalb habe Fischer Air auch noch nicht die AOC-Lizenz bekommen, sagt Fischer im Gespräch mit der F.A.Z. Das AOC-Zertifikat muss jede Airline beantragen, die gewerblich Passagiere oder Fracht transportieren will. Es weist nach, dass der Airline-Betreiber die notwendige Sachkunde besitzt und alle geforderten Sicherheitsstandards erfüllt. In Deutschland ist dafür das Luftfahrtbundesamt zuständig. Fischer Air ist dort aber nicht bekannt, weil es kein deutsches Luftfahrtunternehmen ist. Die Airline wurde 2024 in der Slowakei gegründet, wie Fischer auf Nachfrage erläutert. Fischer stand zuletzt in der Kritik. Dabei ging es um nicht durchgeführte, aber von Passagieren bezahlte Flüge, und um Kunden, die auf ihr Geld warten. Nun verspricht Inhaber Fischer, dass alle Fluggäste das Geld für bereits gebuchte und bezahlte Flüge zurückerhalten. Sie könnten sich aber auch gedulden und im Herbst ihre Reisen antreten. Denn der gebürtige Tscheche mit deutschem Pass geht fest davon aus, dass die neue Fluggesellschaft Fischer Air tatsächlich im Oktober dieses Jahres den Flugbetrieb in Kassel aufnehmen wird. Dass er den Start der neuen Airline mehrfach habe verschieben müssen,  schiebt Fischer darauf, dass Führungskräfte der Osteuropa-Dependance eines großen Reiseanbieters mit engen Kontakten in politische Kreise in der Tschechischen Republik und in die EU den Start seines Unternehmens systematisch behindert hätten. Überprüfen lassen sich diese Vorhaltungen allerdings nicht. Schwere Vorwürfe gegen mehrere Personen Fischer hat in dieser Sache nach eigenem Bekunden Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hamburg wegen Betruges, Erpressung und Verleumdung erstattet. Der F.A.Z. liegt ein Schreiben Fischers an die Staatsanwaltschaft Hamburg vom 23. Februar vor, in dem ein EU-Kommissar, dessen Schwester und weitere Personen genannt werden, die Leitungsfunktionen in besagtem Konkurrenzunternehmen haben. Ob die Staatsanwaltschaft die Anzeige bereits erhalten hat, ist offen. Fischer wirft darin den genannten und weiteren Personen vor, seine Unternehmen bei Behörden und Geschäftspartnern systematisch verleumdet und über Medien falsche Informationen verbreitet zu haben. Das habe schließlich zu Misstrauen unter Geschäftspartnern und zu den Verzögerungen geführt. Konkret nachprüfen lassen sich diese Vorwürfe allerdings ebenfalls nicht. Tatsächlich ist Vàclav Fischer kein Unbekannter in der Luftverkehrs- und Reisebranche. In den Neunzigerjahren baute er in der Tschechischen Republik einen der größten mitteleuropäischen Reiseveranstalter auf. Seinerzeit gelang es ihm, auch in Osteuropa Fuß zu fassen. Weil der Einkauf der notwendigen Flugkapazitäten aber immer schwieriger wurde, gründete der Reiseunternehmer 1996 eine eigene Airline — die erste Fischer Air. Diese ging mit zwei Boeing B-737-300 an den Start. Nach erfolgreichen Jahren geriet das Unternehmen in Schieflage, es kam zur Übernahme. Die Airline verschwand bald darauf vom Markt. Fischer, der zeitweise auch Mitglied des tschechischen Parlaments war, will laut eigener Aussage noch einmal mit einer neuen Fischer Air den Eintritt in den Reisemarkt wagen. Der Flughafen Kassel soll dabei eine erhebliche Rolle spielen.