Wer hätte gedacht, dass sich die USA Satellitenbilder aus Europa liefernlassen? Dass der Informationsfluss in Sachen Aufklärung nicht immer nureine Richtung kennt, ist das Verdienst eines jungen Unternehmens ausFinnland, aus dessen zweitgrößter Stadt Espoo.„Iceye“ heißt das Unternehmen, denn anfangs ging es darum, Eis zubeobachten. Der Pole Rafal Modrzewski war gerade imErasmus-Austauschstudium in Finnland, als er dort an der Universitätkleine Satelliten baute. „Wir haben bemerkt: Der Satellitenbau wirdkomplett umgewälzt. Die Satelliten, die wir gebaut haben, machengenauso gute Bilder wie die älteren, aber sie sind zehn Mal billiger“, erzählt der 35-Jährige am Rand des Weltwirtschaftsforums in Davos.Der Kern der Geschäftsidee ist, dass Iceye nicht nur wenige großeSatelliten ins All schickt, sondern viele kleine. Vor sieben Jahrenfingen die Gründer damit an. Heute seien es insgesamt 68, sagtModrzewski –– und so werde es möglich, ein Gebiet nicht nur einmal am Tagzu überfliegen, sondern ungefähr alle 20 Minuten. So könne man wirklichbeobachten, was dort passiert: bei Bränden und Überschwemmungen, abereben auch in taktischen Militärszenarien.Beim Überflug macht der Satellit Bilder aus mehreren Winkeln. So erkennter scharfe Kanten, und die sind meistens von Menschen gemacht. Farbenzum Beispiel zeigen, welche Häuser nach dem Großbrand bei Los Angeles noch standen. Auch können Logistiker Schiffe übers Meer verfolgen, oder der Betrachter merkt, „wenn jemand Objekte unter schütterenBaumkronen versteckt hat“, was zum Beispiel in der Ukraine vorkommt. Auch die Bundeswehr beschafft sich Bilder bei Iceye Tatsächlich kaufen nicht nur die USA Bilder von Iceye. Einen Satellitenhat das Unternehmen nach einer Spendensammlung der Ukraine zur Verfügung gestellt, nach Angaben des Gründers lassen sich auch einige EU-Staaten mit Bildern versorgen. In Deutschland hat die Bundeswehr Satellitenbestellt, die Iceye zusammen mit Rheinmetall bauen will.Modrzewski hat jetzt einiges an europäischem Patriotismus. „UnserUnternehmen ist auf eine sehr europäische Weise gegründet worden“, sagter. „Europäische Studenten haben sich im Erasmus-Austausch getroffen.“Früh habe das Unternehmen Geld von der EU bekommen. „Und zehn Jahrespäter hat dieses Unternehmen viel fortgeschrittenere Technik als dieWettbewerber aus den USA. Das zeigt, dass man es in Europa schaffenkann. Es ist nicht unmöglich, in Europa Start-ups zu schaffen. Wir habendie Technik und die Talente.“ Nicht nur Europäer haben Geld für Iceye gegeben, sondern auch dieamerikanische Fondsgesellschaft Blackrock. Die jüngste Investition imDezember allerdings war praktisch vollständig aus Europa gestemmt. DieKäufer sprachen dem Unternehmen dabei einen Wert von 2,4 Milliarden Euro zu – angeführt von der deutschen Investorin Jeannette zu Fürstenberg.
