FAZ 19.12.2025
08:29 Uhr

Start-up Focused Energy: Millionen-Förderung für Stromerzeugung aus Kernfusion


Das Land Hessen investiert Millionen in die Pläne des Darmstädter Unternehmens Focused Energy, das im ehemaligen Atomkraftwerk Biblis einen Reaktor zur Stromerzeugung aus Kernfusion plant.

Start-up Focused Energy: Millionen-Förderung für Stromerzeugung aus Kernfusion

Das Land Hessen gibt Zuschüsse von 20 Millionen Euro für eine neue Form der Energiegewinnung. Das Darmstädter Unternehmen Focused Energy entwickelt eine Technik, mit der Strom aus der Fusion von Atomkernen gewonnen wird. Dafür werden Wasserstoffisotope mit Lasern bestrahlt, um die Fusion zu Helium in Gang zu bringen. Bei der Fusion entsteht Wärme, aus der mit einer Dampfturbine und einem Generator elektrische Energie erzeugt wird, wie die beiden Gründer des Unternehmens, Markus Roth und Thomas Forner, am Donnerstag bei einem Besuch des hessischen Wirtschaftsministers, Kaweh Mansoori (SPD), erläuterten. Der Minister überbrachte die Zusage der Förderung. Focused Energy hat nach eigenen Angaben derzeit rund 100 Mitarbeiter und will ebenso viele im nächsten Jahr einstellen. Das Unternehmen will am Standort des ehemaligen Atomkraftwerks in Biblis zunächst einen Testreaktor und später das eigentliche Kraftwerk errichten, das nach den Plänen von Focused Energy in mehr als zehn Jahren Strom mit einer Leistung von einem Gigawatt liefern wird. Bei der Fusion der Isotope Deuterium und Tritium entsteht kein radioaktiver Abfall, sondern als Produkt der Reaktion lediglich das Edelgas Helium, wie Roth auf Nachfrage sagte. Das Metall des Reaktors werde allerdings mit der Zeit radioaktiv. Nach einem Abbau der Anlage müsse das strahlende Metall für 50 bis 100 Jahre zwischengelagert werden, bis sich die Radioaktivität abgebaut habe. Dann könne es eingeschmolzen und für andere Zwecke verwendet werden. Die Energiegewinnung laufe ohne Abgase und ohne den Ausstoß von Kohlendioxid ab. Den so erzeugten Strom könne die produzierende Industrie nutzen. Die Energie lasse sich auch verwenden, um künstlichen Treibstoff für die Schifffahrt als Ersatz für fossile Brennstoffe herzustellen. Deutschland soll Marktführer der Laserfusion werden Die Idee für die Fusion mithilfe von Lasern sei in diesem Jahr weiterentwickelt worden, sagte Forner. Deutschland müsse diese Technik aufgreifen, um Marktführer zu werden und die Laserfusion zu exportieren. So werde die Wertschöpfung im Land gehalten. Mit dem Bau der Fusionsanlagen im ehemaligen Atomkraftwerk in Biblis wird Hessen zu einem „Hightech-Anker“, weil Laserherstellung, Präzisionsindustrie und Anlagenbau mit Aufträgen versorgt werden, wie der Gründer hervorhob. Dass die Energiegewinnung aus der Fusion von Atomkernen funktioniere, habe sich im Labor schon gezeigt. „Die Frage ist nicht, ob die Fusion kommt, sondern, ob ‚Made in Germany‘ draufsteht“, sagte Forner. Deutschland dürfe nicht zu langsam sein, sonst müsse man zusehen, wie andere Länder die Standards setzten. Als wichtigsten Partner habe Focused Energy den Energiekonzern RWE gewonnen. Wirtschaftsminister: „Energiehunger“ wird noch größer Wirtschaftsminister Mansoori sprach sich dafür aus, die Leistungsfähigkeit der Laserfusion in der Praxis zu demonstrieren und das Kraftwerk in Biblis zu bauen. Die neue Methode der Stromerzeugung sei erforderlich, weil der „Energiehunger“ in der Zukunft noch größer werde. Wenn diese Technik in Deutschland entwickelt und angewendet werde, sei das Land unabhängig und könne sich selbst mit sicherer Energie versorgen. Energie sei ein „lebenswichtiges Gut“. In dem künftigen Reaktor werden sich lediglich einige Kilogramm radioaktives Material befinden, wie Roth erläuterte. Winzige Kügelchen der Wasserstoffisotope werde man mit 1152 Lasern gleichzeitig beschließen. Zehnmal in der Sekunde falle ein neues Kügelchen in die Schusslinie der Laser. Die Kügelchen, von den Fachleuten „Target“ genannt, stelle das Unternehmen bereits derzeit in seinem Betrieb im Gewerbegebiet im Darmstädter Norden her.