Carrie Underwoods Auftritt in der Rotunde des Kapitols war nur der Anfang. Als die Grammy-Preisträgerin, einer der beliebtesten Countrystars der Vereinigten Staaten, vor einem Jahr nach Donald Trumps Antrittsrede den Klassiker „America The Beautiful“ anstimmte, hörten führende Demokraten wie Trumps Vorgänger Joe Biden, seine Gegenkandidatin Kamala Harris und die Clintons gerührt bis ungläubig zu. Underwood als Unterstützerin des republikanischen Präsidenten wäre bei seiner ersten Amtseinführung im Januar 2017 undenkbar gewesen. Damals schlugen Vertreter der amerikanischen Unterhaltungsbranche noch einen Bogen um den ehemaligen Immobilieninvestor. Zwischen Washington und Hollywood erzählte man von verzweifelten Versuchen, Prominente für die Inauguration sowie die Feiern vor und nach der Zeremonie zu finden. Anstelle von großen Namen wie Aretha Franklin, Beyoncé und James Taylor, die für seinen Vorgänger Barack Obama gesungen hatten, musste sich Trump bei seinem ersten Amtsantritt schließlich mit Toby Keith, 3 Doors Down und Jennifer Holliday begnügen. Sein zweiter Umzug an die Pennsylvania Avenue war schon weit prominenter besetzt. Neben Underwood kamen am 20. Januar 2025 auch Celebritys wie Kid Rock, The Village People und der Rapper Nelly nach Washington, um Trump zu feiern. „Ich fühle mich geehrt, der Einladung nachzukommen. Wir müssen zusammenhalten“, federte Underwood hitzige Posts ab. Sylvester Stallone, Mel Gibson und Jon Voight gehören zu Sympathisanten Trotz Eskapaden wie der Umbenennung des John F. Kennedy Center for the Performing Arts, das seit einigen Wochen als Trump-Kennedy-Center firmiert, Budgetkürzungen bei Museen sowie dem öffentlichen Schlagabtausch mit Moderatoren wie Jimmy Kimmel und Stephen Colbert gilt Trump in der Unterhaltungsbranche nicht länger pauschal als Aussätziger. Zu den Sympathisanten des Neunundsiebzigjährigen gehören nach seinem ersten Amtsjahr neben den betagten „Sonderbotschaftern für Hollywood“ Sylvester Stallone, Mel Gibson und Jon Voight inzwischen auch jüngere Celebritys. Der Influencer und Boxer Jake Paul lobt Trump als einen der besten Präsidenten der Vereinigten Staaten. „Das Land ist dabei zu heilen. Trump tut Dinge, die viele nicht verstehen. Diese Dinge werden sich aber in der Zukunft auszahlen“, sagte der Neunundzwanzigjährige dem Sender Fox. Nicki Minaj, die Trump während der ersten Amtszeit wiederholt wegen der Trennung von Einwandererfamilien angriff, nennt den Präsidenten und seinen Vize J. D. Vance derweil „Helden“. Bei einer Veranstaltung von Turning Point USA, der Organisation des erschossenen, rechtspopulistischen Aktivisten Charlie Kirk, verurteilte die Rapperin das Engagement für Transgender des kalifornischen Gouverneurs und möglichen demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Gavin Newsom und forderte die Hinwendung amerikanischer Jugendlicher zu Gott. Minaj ließ das Publikum in Arizona auch an ihrer Bewunderung für Trump teilhaben. „Ich weiß nicht, ob er sich vorstellen kann, wie vielen Menschen er Hoffnung gibt“, sagte die 43 Jahre alte „Pink Friday Girls“-Sängerin. Erika Kirk, Trump-Vertraute und nach dem Tod ihres Ehemannes Chefin von Turning Point USA, strahlte. Auch Snoop Dogg, Kelsey Grammar und Billy Ray Cyrus outeten sich als Trump-Fans Dass sich auch Prominente wie Snoop Dogg, Billy Ray Cyrus und „Frasier“-Darsteller Kelsey Grammer als Fans des Präsidenten outeten, hat mit Gewöhnungseffekten zu tun. Bei der ersten Amtszeit galt Trump als unberechenbarer Newcomer. Inzwischen wissen Hollywood und der Rest der Vereinigten Staaten, wofür der New Yorker steht: eine strikte Einwanderungspolitik, Strafzölle, die Rückkehr zu konservativen Werten und „America First“ an allen Fronten. Vielen Prominenten, die mit Hollywoods Wokeness der vergangenen Jahre nichts anfangen konnten, bietet Donald Trump ein Ventil. „Mir wurde bewusst, dass es Donald Trump und seinen Unterstützern egal ist, ob jemand schwarz oder weiß ist, schwul oder hetero“, ließ die Moderatorin Amber Rose, früher eine Kritikerin des Präsidenten, das Publikum bei der Republican National Convention 2024 wissen. Der Schauspieler Dennis Quaid rief seine Landleute derweil zu einer Entscheidung für einen Lebensstil auf. „Wollen wir eine Nation sein, die nach der Verfassung lebt oder nach Tiktok?“, fragte der Einundsiebzigjährige vor Trumps Wiederwahl. Lil Pump verpackte seine Bewunderung derweil in eher schräge Verse. Trump, singt der 25 Jahre alte Rapper in dem Lied „American Hero“, sei so „patriotisch“ wie Apfelkuchen und Feuerwerk am Unabhängigkeitstag. Das liberale Hollywood läuft dagegen Sturm. Nach dem Eklat über Moderator Jimmy Kimmel, der den Mörder des Aktivisten Charlie Kirk im vergangenen September in die Nähe der MAGA-Bewegung rückte und vorübergehend eine Sendepause einlegen musste, warnte Jane Fonda vor der Beschneidung der Meinungsfreiheit unter Trump. Das von der Oscar-Preisträgerin wiederbelebte Committee for the First Amendment (CFA) zählt inzwischen etwa 600 prominente Mitglieder, unter ihnen Natalie Portman, Julianne Moore und Billie Eilish. Taylor Swift und Lady Gaga hielten sich bislang zurück. Auch die Gerüchte über einen Boykott von Weißem Haus und Trump-Kennedy-Center, die vor einigen Wochen in sozialen Medien die Runde machten, bestätigten die Sängerinnen nicht. Die Zurückhaltung vieler Celebritys wird auch Trumps Unterstützung der Unterhaltungsbranche zugeschrieben. Nach der Ernennung der „special ambassadors“ Stallone, Gibson und Voight zur Beziehungspflege zwischen Washington und Hollywood kündigte der Republikaner auch Zölle für amerikanische Produktionen im Ausland an. Die Filmindustrie leide unter Steuervergünstigungen und niedrigeren Kosten in Ländern wie Kanada, Großbritannien und Australien. „Andere Länder haben den Vereinigten Staaten die Filmproduktion gestohlen“, wetterte Trump und kündigte wiederholt eine „100 Prozent Steuer“ für in anderen Teilen der Welt gedrehte Filme an. Wie eine Erhebung des Branchendienstes Prodpro im vergangenen Jahr zeigte, haben Drehorte wie Toronto und Vancouver Los Angeles längst hinter sich gelassen. Auch Jennifer Lawrence, in der Vergangenheit eine der bekanntesten Kritikerinnen Trumps, übt sich seit seinem zweiten Einzug in das Weiße Haus in Abstinenz. Bei einem Podcast der „New York Times“ gab die Oscar-Preisträgerin jetzt zu, die Bedeutung von prominenten Stimmen bei Wahlen überschätzt zu haben. „Was soll ich machen? Wenn ich meine Meinung sage, schütte ich nur weiter Öl auf das Feuer, das das Land spaltet“, sagte die „Die My Love“-Darstellerin. Lawrence versprach, sich künftig mit Äußerungen über Trump in sozialen Medien zurückzuhalten. „Seine zweite Amtszeit fühlt sich anders an. Er hat dieses Mal gesagt, was er vorhat. Und wir haben ihn gewählt.“
