Die Mordermittlungen des Filmkommissars verfolgen, im Onlinespiel den nächsten Punkterekord aufstellen, schon vor der Heimkehr sämtliche Urlaubsbilder sortieren sowie in sozialen Netzwerken verbreiten: Das soll für Passagiere der Deutschen Lufthansa künftig Reisealltag sein. An diesem Mittwoch hebt als erstes Lufthansa-Flugzeug ein Airbus A320 Neo mit Technik des Satellitenkommunikationsdienstes Starlink von Elon Musk ab. Danach sollen bei der Kernmarke Lufthansa und den Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines und Eurowings mehr Flugzeuge mit Turboverbindungen aus dem Hause Musk nachgerüstet werden. „Bis 2029 werden alle rund 850 Flugzeuge der Gruppe mit dieser Technologie ausgestattet sein“, hat Vertriebsvorstand Dieter Vranckx angekündigt. Bei Lufthansa wirkt man stolz, zum 100-jährigen Bestehen im Flug einen Netzzugang anbieten zu können, der „in vielen Fällen schneller ist als die Internetverbindung zu Hause oder im Büro“, wie der Konzern verspricht. „Das ist Premium, wie wir es verstehen“, sagt Vranckx. „Unser Produktversprechen endet nicht beim Sitz oder dem Menü – heute gehört auch Konnektivität zu einem erstklassigen Angebot an Bord.“ Allerdings ist Lufthansa nicht Vorreiter im schnellen Datenverkehr. Zu den Tempomachern gehörte die Gesellschaft Qatar Airways. Die posaunte im Januar, als Lufthansa erstmals über Starlink-Pläne sprach, heraus, schon mehr als 120 Flugzeuge ausgestattet zu haben. Qatar Airways hatte 2024 mit der Ausrüstung begonnen. Starlink erklärte zum Jahresbeginn, dass schon 1400 Flugzeuge in aller Welt mit der Technik unterwegs seien. Passagiere hätten 2025 an Bord 30 Petabyte Daten empfangen und gesendet. Das entspricht mehr als acht Millionen in HD-Qualität gestreamten Spielfilmen. Auch Billigflieger holen Starlink-Technik an Bord Immer mehr Airlines wenden sich Starlink zu – zumal für die meisten Flugzeugtypen inzwischen Zulassungen für den Starlink-Einbau vorliegen. 2025 gab es bei Air France den ersten Flug mit der Technik, British Airways zieht auch gerade nach. Mit Wizzair kündigte zuletzt ein Billigflieger an, dass 2027 die Ära enden werde, in der Handys im Flugmodus weitgehend nutzlos bleiben müssen. Bei Lufthansa war Surfen über den Wolken seit etwa einem Jahrzehnt möglich – mit dem Flynet-Service, der aber hinsichtlich der Übertragungsleistung mit Starlink nicht mithalten kann. Breitband-Internet war deshalb schon 2024 Thema. Investitionen in neue Technik wurden angekündigt, alle im Europaverkehr eingesetzten Airbus-Flugzeuge sollten schneller vernetzt fliegen. Bloß um Starlink ging es damals nicht: Lufthansa setzte auf Satellitenkommunikation des US-Anbieters Viasat. Dazu kam ergänzend ein System aus Bodenkomponenten der Deutschen Telekom. Das Fliegen mit dieser Technik dürfte für Lufthansa nun eine Phase des Übergangs bleiben – angesichts der angekündigten Starlink-Komplettausrüstung. Starlink arbeitet mit einer mittlerweile fünfstelligen Zahl an Satelliten im unteren, erdnäheren Weltraum. Das ermöglicht kurze Übertragungszeiten und hohe Bandbreiten. Lufthansa selbst spricht von der „derzeit schnellsten verfügbaren Inflight-Internetverbindung für Flugpassagiere“. Und für deren Verbreitung macht der Konzern nun selbst Tempo. Neuer Netzzugang für Reisende ohne Aufpreis Passagiere – vor allem Geschäftsreisende – dürften nicht zu lange mit der Ungewissheit reisen wollen, ob sie Flüge mit oder ohne schnellen Datenverkehr ergattern. Lufthansa spricht von einem „ambitionierten Projektzeitplan“ für die Ausrüstung der Konzernflotte. Flache Antennen müssen auf Flugzeugrümpfe montiert werden, im Inneren sind zusätzliche Kabel und Router nötig. Jeder Flieger muss dafür in die Werkstatt und fällt kurzzeitig im Betrieb aus. Für Lufthansa-Passagiere soll der neue Netzzugang ohne Extrazahlung erhältlich sein. Einzige Voraussetzung ist eine Registrierung, um eine sogenannte Travel-ID zu erhalten. Das ist eine Abkehr von einer früheren Strategie. Lufthansa hatte an Bord gratis nur das Versenden von Kurznachrichten über Messengerdienste ermöglicht. Wer mehr Internet wollte, musste für den Flynet-Dienst bezahlen. Abhängig von der Flugzeit und Nutzungsdauer kostete das sechs bis 25 Euro – je Flug. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte die alte Strategie einst mit technischen Hürden begründet, falls zu viele Reisende gleichzeitig surfen. „Für diejenigen, die das Internet wirklich brauchen und bereit sind, dafür zu zahlen, sinkt dann die Verbindungsqualität“, sagte er. Mit den großen Bandbreiten, die Starlink ermöglicht, fällt dieses Argument weitgehend weg. Die neue Onlineära bringt aber auch eine neue Herausforderung: Sosehr sich Vielflieger Arbeiten, Privatkino und mehr Digitales unterwegs wünschen, so groß ist die Sorge anderer Reisender, dass es in der Flugzeugkabine lauter wird, wenn die technischen Möglichkeiten von Smartphones ausgeschöpft werden. Lufthansa hat Benutzerregeln formuliert. Fluggäste sind „angehalten“, beim Abspielen von Videoinhalten „immer Kopfhörer zu tragen“. Auf Videotelefonate sollen sie verzichten – ebenso auf das Senden von Livestreams von Bord.
