FAZ 26.02.2026
16:05 Uhr

Stadtmitte Königstein: Wenn Bäume Bäumen weichen


Die Stadtmitte in Königstein soll dem Klimawandel trotzen. Dafür werden erst einmal Bäume gefällt. Das ist nicht schön, aber vernünftig.

Stadtmitte Königstein: Wenn Bäume Bäumen weichen

Die Königsteiner lieben Bäume. Kein Wunder, sie sind umgeben davon. Von dem Taunusstädtchen führen Waldwege auf den Großen Feldberg, den Altkönig, den Hardtberg. Aber auch mitten in der Stadt wachsen Bäume. Groß war die Trauer, als vor zweieinhalb Jahren ein 130 Jahre alter Mammutbaum dem Neubau eines Mehrfamilienhauses weichen musste. Vorher hatten Hunderte eine Petition zum Erhalt des Baumriesen unterschrieben. Am Donnerstag sind wieder Bäume gefallen, und wieder hat sich Protest geregt. In der Konrad-Adenauer-Anlage, einer Grünanlage neben der Hauptstraße, werden 45 Bäume gerodet, im nahen Kurpark 16. Der Grund ist, dass die Stadt ihr Zentrum in den nächsten Jahren für rund 16 Millionen Euro umbaut. Parkplätze werden unter die Erde verlegt, Haltestellen an einen neuen Busbahnhof. Und mithilfe von etwa fünf Millionen Euro Fördergeld vom Bund soll die Stadtmitte dem Klimawandel angepasst werden – und ein besseres Mikroklima bekommen. Dabei spielen Bäume eine Hauptrolle. Für die gut 60, die jetzt fallen, werden fast 200 neu gepflanzt. Nach Überzeugung der Mehrheit der Stadtverordneten, die das Großprojekt vorigen Sommer beschlossen haben, sind die neuen Bäume besser als die bisherigen. Von den gefällten hatten einige nach städtischen Angaben deutliche Schäden, andere standen nicht mehr sicher. Gepflanzt werden sollen stattdessen Eichen, Linden, Ahorn und Erlen, die besser mit Hitze, Trockenheit und Starkregen klarkommen. Bis die Kronen groß genug sind, um den Königsteinern Schatten zu spenden, wird es aber  noch ein paar Jahre dauern. Wieder melden sich in Königstein Baumfreunde zu Wort, die wenig Verständnis für Neubauten haben, dafür an alten Gewächsen hängen. Sie kritisieren den „Kahlschlag“ und ziehen in Zweifel, dass die jetzt abgeholzten Bäume nicht mehr gesund waren. Und natürlich war am Donnerstag auch in Königstein zu erleben, dass Roden ein roher Vorgang ist. Abgehackte Bäume stimmen keinen Naturliebhaber froh. Aber das Vorgehen ist vernünftig. Schließlich war die Konrad-Adenauer-Anlage bisher so ziemlich das Gegenteil einer Oase. Die Zeichnungen der Architekten zeigen ein dort statt eines Parkplatzes geplantes „Klimawäldchen“, 2027 als Flaniermeile mit Bäumchen, 2035 als zugewachsenes Idyll. Es ist den baumliebenden Bürgern zu wünschen, dass die neue Stadtmitte dem dann zumindest nahekommt.