FAZ 09.12.2025
07:25 Uhr

Staatstheater Mainz: Ein Coup für alle jungen Leute


Für fünf Euro in jede Vorstellung des Spielplans? Geht, sagt das Staatstheater Mainz. So könnte ein neuer Standard für kulturelle Teilhabe entstehen.

Staatstheater Mainz: Ein Coup für alle jungen Leute

Ein solches Nikolausgeschenk bekommen junge Leute in unserer Gesellschaft nur selten. Pünktlich zum zweiten Adventswochenende hat das Staatstheater Mainz ein beispielhaftes Vorhaben begonnen. Bis vorerst 2028 kommen alle Studierenden, Auszubildenden, Wehr- und Freiwilligendienstleistenden für fünf Euro in jede Vorstellung. Vorausgesetzt, es ist nicht ausverkauft. „Hop on“ löst damit ein, was zwar ein großer Wunsch ist, aber an den meisten Theatern und anderen Kunsteinrichtungen nicht funktioniert: ein einheitliches und möglichst einfaches Preissystem zu schaffen, das eine deutliche Einladung an alle jungen Leute ausspricht. Es ist schon immer ein gewisses Ärgernis gewesen, nur Studierenden, oft in Kooperation mit den Studentenvertretungen, möglichst günstige Eintrittskarten zu verschaffen – alle anderen aber bei maximal 50 Prozent des Preises zu lassen. Kulturelle Teilhabe nicht nur für Studenten Studentenpreise allein sind ein Privileg für künftige Akademiker, das durch nichts zu rechtfertigen ist. Es brüskiert gerade in einer maximal diversen Gesellschaft Gruppen der Bevölkerung, die man doch unbedingt der kulturellen Teilhabe versichern will. In Mainz streckt man die Hand aus und wird auch etwas davon haben: eine Verjüngung und vielleicht dauerhafte Bindung des Publikums. Eine Einladung, sich mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen, zu diskutieren, Standpunkte zu überdenken, die oft nur in der eigenen Filterblase oder Generation gelten. Dass sich das lohnt, ist die feste Überzeugung einer stattlichen Schar von Sponsoren, Partnern und Stiftungen, die das Vorhaben unterstützen.  Sie gleichen von einem Guthabenkonto aus, was dem Theater an Einnahmen durch die Pauschale fehlen wird. Das ist eine solidarische Tat, die nicht genug gelobt werden kann. Denn gerade die jungen Leute müssen in jüngster Zeit oft daran zweifeln, ob es ernst gemeint ist, sie zu fördern – angesichts der Rentendebatte, des von der Bundesregierung wieder kassierten Kulturpasses und immer neuer Klagen über das Bildungssystem. Umso erfreulicher ist dieses Projekt, das sich einpasst in eine überaus kluge Theaterpolitik, die der Mainzer Intendant Markus Müller mit seinem Team seit Jahren verfolgt. Von der „Klassenkasse“, mit der in den Foyers Spenden dafür gesammelt werden, auch wenig begüterten Schulen Theaterbesuche zu ermöglichen, über den Coup mit einem eigenen Theater-Restaurant bis zur Pausenversorgung, die im Ticketpreis enthalten ist. Nun führt der Weg, nachdem der AStA der Universität Mainz nach einer unschönen Auseinandersetzung die Kooperation mit dem Staatstheater Wiesbaden vorzieht, in Mainz zu einem Vorteil für alle, die nicht mehr Schüler, aber noch jung sind. Und man muss dafür nicht Mainzer sein: Alle dürfen kommen. Eine tolle Geste.