FAZ 10.12.2025
09:12 Uhr

Spuren der KreideZeit: Die Straße der Dinosaurier


In Bolivien wurden Tausende von Saurierspuren beschrieben. Schreitend und schwimmend wanderten sie in der späten Kreidezeit eine Küste entlang.

Spuren der KreideZeit: Die Straße der Dinosaurier

Bolivien ist das Land mit den wahrscheinlich meisten Fundorten versteinerter Dinosaurierspuren. Entlang des Ostrands des Andenhochlands sind in Sedimenten aus der Kreidezeit Tausende von Fußstapfen verschiedener Gruppen der ausgestorbenen Reptilien erhalten. Viele wurden erst vor wenigen Jahren oder Jahrzehnten entdeckt und sind noch gar nicht näher wissenschaftlich untersucht. Nun haben Forscher um Raúl Esperante vom Geoscience Research Institute in Kalifornien ein Vorkommen im Torotoro-Nationalpark in der Cordillera Oriental näher erforscht, dessen Umfang frühere Untersuchungen auf etwa 14.000 Fußabdrücke geschätzt hatten. Wie Esperante und Kollegen nun in einer aktuellen Studie im Fachjournal „PLOS One“ feststellen, sind es aber um die 16.600, die an der Fundstelle Carreras Pampa auf einem Areal von insgesamt 7485 Quadrat­metern frei liegen. Dabei handelt es sich um 1321 Fährten und 289 einzelne Fußabdrücke theropoder Dinosaurier, also solcher, die sich – wie die mit ihnen verwandten heutigen Vögel – auf kräftigen Hinterbeinen fortbewegten. Auch Abdrücke der ausbalancierenden Schwänze der Tiere wurden gefunden, sowie weitere 1378 Spuren, welche ­Dinosaurier schwimmend am Grund seichter Gewässer hinterlassen haben. Auffällig sei auch der hohe Anteil von Tieren mit sehr großer Schrittweite, ­gemessen an den anderen Fundstellen, ­schreiben Esperante und Kollegen. Die Orientierung der Fährten weise zudem darauf hin, dass die Dinosaurier sich offen­bar entlang einer ehemaligen Küstenlinie bewegt haben. Als Horden von Tyrannosauriern darf man sie sich allerdings nicht vorstellen. Zwar waren es ungefähr Zeitgenossen der nur in Nordamerika sicher belegten kultigen Raubechse. Die Spuren von Carreras Pampa entstanden vor 68 bis 70 Millionen Jahren und damit im letzten Stadium der Kreidezeit, die vor 66 Millionen Jahren mit dem plötzlichen Aussterben aller Dinosaurier endete – mit Ausnahme der Vorfahren unserer ­Vögel. Allerdings waren die Dinos von Carreras Pampa kleiner als T. Rex. Die meisten dürften eine Hüfthöhe zwischen 0,65 und 1,15 Metern erreicht haben, keines mehr als 1,25 Meter. Der T. Rex brachte es dagegen auf Hüfthöhen von bis zu vier ­Metern.