Der Chef des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Mika Beuster, legt eine Rolle rückwärts hin und tut so, als turne nicht er durch die Gegend, sondern der von ihm kritisierte Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU). Der DJV begrüße es, dass Günther zu den gegen ihn vorgebrachten Zensur-Vorwürfen eine „Klarstellung“ abgegeben habe, heißt es am Dienstag. Am Montag war der DJV noch „schockiert“ über Günthers – angebliche – Forderung „nach Zensurmaßnahmen gegen kritische Nachrichtenportale“. „Da stimmt in der Regel nichts“ Gemeint sind Äußerungen des CDU-Politikers in der Talkshow von Markus Lanz vom vergangenen Mittwoch, an denen sich das Portal Nius und die Springer-Medien seit Tagen abarbeiten. In der Sendung trat Günther dafür ein, es mit einem AfD-Verbotsverfahren zu versuchen, und klagte über Medien, die unsauber arbeiteten, Dauerkrawall in der Bundesregierung förderten und unserer Demokratie feindlich gesinnt seien. Das Portal Nius nannte er ausdrücklich und befand: „Wenn ich mir einen ,Nius‘-Artikel angucke, mit dem ich irgendwas zu tun habe, kann ich nur sagen, da stimmt in der Regel nichts drin.“ Günther trat dafür ein, sich von US-Digitalkonzernen zu emanzipieren, sie zu regulieren und Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren den Zugang zu Social Media zu verwehren. „Wir müssen das regulieren, wir müssen es notfalls zensieren und im Extremfall sogar verbieten.“ Er machte also einen großen Aufwasch, den Lanz mit dem Einwurf unterbrach: „Sie sagen: Wir müssen das regulieren, wir müssen es notfalls zensieren und im Extremfall sogar verbieten.“ „Ja“, sagte Günther, kam abermals auf das Social-Media-Verbot für Minderjährige und meinte, dass sich „alle zivilen Organisationen“ zur Demokratie bekennen und die Medien eine Diskussion über Qualitätsstandards führen müssten. War das ein „Ja“ zur Zensur unliebsamer Medien? Für Springer war es das und für Nius selbstverständlich auch. Dort bekam man sich gar nicht mehr ein über den vermeintlichen Zensor oder „Genossen“ Günther, dem der Nius-Chefredakteur Julian Reichelt totalitäres Gedankengut bescheinigte. Bei genauem Hinhören hätte man freilich erkennen können, dass Günther in seinen etwas krausen Ausführungen in den letzten Minuten der Talkrunde, in der er sich zuvor eine Stunde lang konzise zur Außenpolitik, zu Russland, USA, Ukraine, Venezuela, zur „Brandmauer“ und zur AfD geäußert hatte, mitnichten der großen Zensur das Wort redete. „Ja“ zur Pressefreiheit „Ja“ zum Social-Media-Verbot und „Ja“ zur Pressefreiheit, das seien seine Worte gewesen, schrieb er am Montag auf Instagram. Den Kampf für die Demokratie müssten Politik und Gesellschaft gemeinsam führen, die Medien hätten besondere Verantwortung, das habe er bei Lanz gefordert und sich gegen „Fake-News und politische Kampagnen durch sogenannte ,alternative Medien‘ positioniert“. „Aktivismus, ob von linker oder von rechter Seite“, sei „kein Journalismus“. Die „Reaktionen ebendieser ,alternativen‘ Medien“ seien „das perfekte Beispiel, wie Verkürzung, gezieltes Weglassen und bewusste Falschinterpretation zur Methode geworden sind. Das hält keine Gesellschaft dauerhaft aus.“ Quod erat demonstrandum würden wir an dieser Stelle sagen: Günther redet ein wenig ins Unreine, liefert eine Steilvorlage – und auf die fahren Nius, Springer, die Vaterlandsverräter von der AfD und leider auch der DJV ab. Dabei hätte die Runde von Lanz ein anderes Echo verdient gehabt, ging es in ihr doch um Fragen wie die, ob Europa zwischen den USA und Russland zerrieben wird und Deutschland Soldaten in die Ukraine schicken sollte, wozu sich Bundeskanzler Merz vorpreschend und sodann Bayerns Ministerpräsident nachjustierend äußerten. Doch das geht im Krawall unter.
