Der Bundeslandwirtschaftsminister schafft in seinem Ministerium den Begriff „Pestizide“ ab. So berichtet es vor Kurzem das „Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt“. Alois Rainer, CSU, habe „Pestizide“ durch „Pflanzenschutz“ ersetzt, heißt es, denn in den wolle er wieder Vertrauen schaffen. Eine Nachfrage beim Bundeslandwirtschaftsministerium, was an der Meldung dran ist, bringt wenig Erkenntnis. Nach drei Tagen antwortet der Referent: „Pflanzenschutzmittel haben einen zentralen Zweck: Sie schützen Kulturpflanzen vor Krankheiten, Schädlingen und Ernteausfällen.“ Ach so. Alles Weitere verliert sich im Nebel des Ministeriumsdeutsch und steigert schon mal nicht das Vertrauen in die Pressestelle. Dabei gibt es Sprachpuristen, die bereits den Begriff „Pestizid“ verharmlosend finden, denn die Wahrheit versteckt sich hinter einem Fachwort. Man könnte dazu genauso gut „Schädlingsvernichtungsmittel“ sagen, zu Herbiziden „Unkrautvernichter“ und zu Insektiziden „Insektenvernichtungsmittel“. Letztere vernichten allerdings nicht nur Insekten, sondern alle möglichen anderen Tiere gleich mit (in Ländern außerhalb der Europäischen Union auch Menschen, aber das ist eine andere Geschichte). Man könnte Pflanzenschutzmittel also mit Fug und Recht als „Ackergifte“ bezeichnen, auch wenn sie verhindern, dass die Kartoffeln verfaulen, der Mais gefressen und der Raps überwuchert wird. Dem Umweltwissenschaftler jedenfalls, der gerade im Wissenschaftsmagazin „Science“ gezeigt hat, dass die Belastungen mit und die Giftwirkung von Pflanzenschutzmitteln weltweit steigen, sind die Begriffe egal. Unabhängig davon, wie man sie nennt, gehören sie zu den giftigsten Chemikalien, die in großen Mengen in die Umwelt gelangen dürfen, sagt er. Mehr Vertrauen entsteht daher sicher nicht durch ein Sprachver- oder -gebot. Damit sind schon andere gescheitert, nicht nur Politiker, sondern auch Unternehmenslenker, die Freisetzungen ankündigen, und keiner jubelt, denn alle wissen, dass Mitarbeiter entlassen werden. Vertrauen in Pflanzenschutz bringt vermutlich nur ein anderer Umgang mit den Chemikalien. Ein erster Schritt könnte das Verbot derjenigen Wirkstoffe in den Pflanzenschutzmitteln sein, die sich in der Umwelt in eine fruchtbarkeitsschädigende Substanz wie Trifluoressigsäure verwandeln und die wir nun mit steigenden Konzentrationen in Wein und Wasser wiederfinden.
