Der amerikanische Basketballspieler Tyrese Haliburton hat wegen einer Verletzung seit einem halben Jahr kein Spiel mehr gemacht – und am vergangenen Wochenende wohl trotzdem mehr Aufmerksamkeit bekommen als jeder andere Vertreter seines Sports. Er hat am Sonntag auf der Plattform X geschrieben, was mit Blick auf den neuesten Vorfall in Minneapolis nicht nur er gedacht hat: „Alex Pretti was murdered.“ Alex Pretti wurde ermordet. Die Frage, ob die Tötung des amerikanischen Krankenpflegers Alex Pretti, der am Samstag in Minneapolis als Protestierender von vermummten Bundesbeamten auf den Boden gedrückt und dann von diesen erschossen wurde, auch ein Mord war, sollte von einem Gericht geklärt werden. Doch weil man sich wegen der Aussagen des amerikanischen Präsidenten und Vizepräsidenten nicht sicher sein darf, ob und unter welchen Umständen Gerichte diese Frage klären werden, war es gut, dass Haliburton als erster großer Sportler der großen Sportligen den Mut gehabt hat, das genau so zu schreiben. Manche würden nun anmerken, dass so ein geschriebener Satz einen Multimillionär wie Haliburton nichts kostet. Aber wenn es nichts kosten würde (etwa die Gunst mancher Geldgeber), würden es vermutlich viel mehr große Sportler machen. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich vor den Basketballspielern auch an diesem Wochenende wieder die Basketballspielerinnen, die die Geldgeber dringender brauchen, zu Wort gemeldet haben. Doch weil es eben fast immer bei Worten bleibt, stellt sich die Frage, die sich in solchen Situationen stets auf Neue stellt: Was bringt es, wenn Athleten und Athletinnen den Mund aufmachen? „Ich finde es nicht interessant, Vorbilder zu haben“ In der Diskussion darüber wird immer wieder darauf hingewiesen, dass sie Vorbilder seien, Verantwortung hätten. Der deutsche Rapper Maxim Drüner, der kein Sportler ist, aber als Mitglied der Gruppe K.I.Z. in Deutschland mehr Aufmerksamkeit bekommt als die meisten Basketballer, hat einmal gesagt, dass er von dem Konzept Vorbild nichts halte. Seine Sicht: „Ich finde es nicht interessant, Vorbilder zu haben, denen man alles nachmacht. Das will ich den Leuten gar nicht angewöhnen, [...] da will ich gar nicht Teil von sein. Sie sollen sich selber überlegen: Ist es korrekt, was ich da erzähle, macht es Sinn? Und sollen sich dann ihre eigene Meinung bilden.“ Das ist eine nützliche Kritik an dem Vorbild-Prinzip, das vor allem im Sport durch ständige Wiederholung zur Phrase verkommen ist. Und trotzdem war es wichtig, dass Tyrese Haliburton am Wochenende den Mund aufgemacht hat, weil er und alle anderen in diesem Fall nicht als Vorbilder gebraucht werden, sondern als Unterstützer. Sein Post auf X ist bis Montagnachmittag mehr als 22 Millionen Mal angezeigt worden. Alle, die ihn gesehen haben, können überlegen, ob das, was er schrieb, korrekt ist, ob es Sinn macht. Doch das Wichtigste daran ist, dass er denen weiter Mut machen kann, die in Trumps Amerika gerade wirklich mutig sind: die Protestierenden, die trotz der Gewalt des Staates auf die Straße gehen und Widerstand leisten.
