FAZ 07.01.2026
13:36 Uhr

Sport in eigener Wohnung: Der „Hometrainer“ ist salonfähig geworden


An der Strippe zum Traumkörper? Ein Viertel der Deutschen hat Fitnessgeräte im Haushalt. Dabei ist der Rollentrainer die Siebträgermaschine für Sportbegeisterte: schick und teuer.

Sport in eigener Wohnung: Der „Hometrainer“ ist salonfähig geworden

Deutschland trainiert also gern daheim. Das suggeriert zumindest die „Zahl der Woche“ des Statistischen Bundesamts. Demnach steht in 26 Prozent der deutschen Haushalte ein Fitnessgerät wie etwa ein Rollentrainer fürs Fahrrad oder ein Crosstrainer. 12,9 Millionen dieser Hometrainer gehörten 2023, auf dieses Jahr beruft sich das Amt in seiner aktuellsten Erhebung, zu den privaten Haushalten. Überraschend ist das nicht. Wurden solche Geräte in grauer Vorzeit von Aerobic-Models in schrillen Teleshopping-Sendungen beworben, gehören sie heutzutage zur Standard-Raumausstattung eines guten Viertels aller deutschen Haushalte. Quasi die Siebträgermaschine für Sportbegeisterte. Ein Lifestyleprodukt – schick und teuer, auch die Rollen für die Rennradler. Ist drinnen wirklich das neue draußen? Eine Fernsehwerbung vor etwas mehr als 30 Jahren, das kann man auf Youtube nachsehen, versprach seinerzeit unter Hinweis auf den Hometrainer: „Verwenden Sie ihn überall, während Sie zu Hause fernsehen, verbrennen Sie Kalorien und bleiben Sie fit, sogar während Sie telefonieren.“ Im Winter an der Strippe zum Traumkörper? Das klingt auch heute noch verheißungsvoll. Aber ist drinnen wirklich das neue draußen? Klar, zuhause trainieren ist einerseits bequem und andererseits kann man sehr gezielt etwa die im peniblen Trainingsplan vorgegebenen Intervalle abarbeiten. Zwifties zum Beispiel, ja, mit z geschrieben, sind keine Ultras der Sängerin Taylor Swift, sondern Aficionados der Indoor-Cycling-Plattform Zwift; wobei auch beides geht. Gestrampelt wird in der virtuellen Welt Watopia, in der die Watts deutlich leichter zu pedalieren sind als im eisigen Gegenwind auf der Landstraße. Und die computermodellierte Landschaft ist wohl auch schöner als die meist grauen deutschen Lande im Winter. Wahrer Sport jenseits der Komfortzone Auf der Plattform Strava laden die Heimtrainierer dann virtuelle Radfahrten hoch, deren Kilometer äquivalent zu auf Asphalt gefahrenen Kilometern zählen. Das ist doch, so ohne Gegenwind, eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber den Draußenradlern! Außerdem: Die Wohnzimmerathleten schwitzen, tropfen ihren Boden voll – wie unhygienisch! – und lassen sich von Ventilatoren kühlen, während draußen Väterchen Frost in diesen Tagen fast jede Schweißperle verhindert. Viel besser! Also lieber den Helm aufsetzen und sich ins Freie wagen, wenn auch nur zum Spaß an der Freude. Weil der wahre Sport erst jenseits der Komfortzone des behaglichen Zuhauses beginnt. Bestenfalls sind zwei paar Handschuhe anzuziehen, eine Mütze unter den Helm und die Socken in Alufolie einzuwickeln, bevor man in die Schuhe steigt, so wird Wärme reflektiert. Dann die Überziehschuhe aus Neopren drüber. Und wehe, man hat eine Kleidungsschicht vergessen. Damit dauert das Anziehen für die winterliche Ausfahrt zwar ungefähr genauso lange wie das gesamte „Homeworkout“. Dazu kommen noch die Minuten, in denen sich die fast abgestorbenen Extremitäten wieder akklimatisieren müssen. Und das Rad will auch geputzt werden. Also vielleicht ein Vorschlag als Kompromiss: Stellt den Heimtrainer auf den Balkon. Da gibt’s frische Luft. Und die Sturzgefahr bei Schnee und Eis ist gleich null.