FAZ 02.03.2026
15:09 Uhr

Sport in Zeiten des Bombens: Der Friedensheld Trump als Kriegsherr


Vor 87 Tagen noch bekam Donald Trump den FIFA-Friedenspreis verliehen: Nähmen der Fußball-Weltverband und das IOC ihre eigenen Botschaften ernst, müssten sie dem US-Präsidenten die Fußball-WM 2026 und Olympia 2028 entziehen.

Sport in Zeiten des Bombens: Der Friedensheld Trump als Kriegsherr

An diesem Dienstag sind es noch 100 Tage, bis in Mexiko-Stadt die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 angepfiffen werden soll. Vor 87 Tagen hat sich der Präsident der Vereinigten Staaten, mit dem die WM 2026 mehr als mit jeder anderen Person in Verbindung gebracht wird, die Medaille umgehängt, die es von Gianni Infantino, dem Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbands FIFA, zum für Donald Trump erfundenen FIFA-Friedenspreis als Goodie dazu gab. Zum Abschluss der Auslosung traten die Village People mit Trumps Lieblingssong „YMCA“ auf, Rudi Völler, Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bunds, wippte im Takt. Nun hat der WM-Gastgeber und FIFA-Friedenspreisträger Trump zwischen Auslosung und Anpfiff Zeit für einen Angriffskrieg gegen ein für die WM qualifiziertes Land gefunden. Die Fußball-WM in den Händen von Trump war nie eine gute Idee Warum? Von einer unmittelbaren Bedrohung Amerikas durch die Islamische Republik Iran ist die Rede. Allerdings widerspricht das eigene Verteidigungsministerium, das sich unter dem FIFA-Friedenspreisträger in Kriegsministerium umbenannt hatte. „Reuters“ berichtete am Montag von dieser Aussage von Offiziellen des Pentagon. Dann wiederum sagt Trump, er wolle gemeinsam mit den Israelis einen Regimewechsel in Iran herbeibomben. Das hat den Massenmörder Ali Khamenei und etliche an den Verbrechen der Islamischen Republik beteiligte Schergen ihr Leben gekostet, allerdings auch die Mädchen, die am Samstag in der Stadt Minab ihre Schule besuchten. Sie lag in der Nähe eines Stützpunkts der Revolutionsgarden. Von 180 Toten, mehrheitlich Kindern, berichten iranische Medien. Die Schule sei von den Angreifern beschossen worden, behaupten die Iraner, die Amerikaner wollen Berichte prüfen, die Israelis sind sich eigener Operationen in dem Gebiet „nicht bewusst“. Derweil leiden die WM-Teilnehmer Jordanien, Qatar und Saudi-Arabien unter der Reaktion der Islamischen Republik, die sich nicht von der Macht bomben lassen will. Die Fußball-WM in den Händen von Trump war nie eine gute Idee. Mit dem FIFA-Friedenspreis hat Infantino ohne Not eine Verbindung zu Trumps Politik geknüpft, die nun in ein Fiasko zu münden droht. Als Trump Nicolás Maduro in Venezuela kidnappen ließ, hatte Infantino noch Glück: Venezuela ist nicht für die WM qualifiziert. Vor zwölf Tagen, Trumps „Board of Peace“ konstiuierte sich, trug Infantino die „USA“-Kappe in Rot auf dem Kopf. Das gleiche Modell in Weiß trug „Board of Peace“-Initiator und FIFA-Friedenspreisträger Trump bei seiner Kriegserklärung am Samstagmorgen. Nach Tag drei dieses Krieges, dessen Ziel und dessen voraussichtliche Dauer mindestens so unklar sind wie zu dessen Beginn am vergangenen Samstag, lässt sich nüchtern konstatieren: Diese Fußball-WM wird, wie die 2018 in Russland, von einem Kriegsherrn ausgerichtet. Wladimir Putin hatte seinen Krieg gegen die Ukraine zum damaligen Zeitpunkt verschleiert, Trump lässt bei Tageslicht bomben. Er tut Putin damit einen Gefallen: Infantino, der Russland längst aufs Spielfeld zurückholen will, wird – wie das Internationale Olympische Komitee – auf die Vielzahl der Konflikte in der Welt verweisen. Trumps Krieg ist eben einer mehr. Würden Infantino und seine FIFA, würde das IOC die eigenen Friedensbotschaften ernst nehmen, müsste Trump nicht nur der lächerliche FIFA-Friedenspreis entzogen werden, sondern WM und die Olympischen Spiele 2028.