Der Januar zählt nicht gerade zu den beliebtesten Monaten. Die Tage sind kurz, der Himmel grau, die Luft in Deutschland ist so eisig wie in keinem anderen Monat. Doch es gibt Menschen, für die diese ersten Wochen des Jahres ein Glücksfall sind: Fitnessstudiobetreiber. „Maximal sparen bis 8.1.“, so wirbt eine große Fitnesskette gerade auf ihrer Internetseite, eine andere bietet fünf Wochen Gratistraining für Anmeldungen zum Jahreswechsel an. Parallel dazu werden Zeitungen und Internetseiten nun wieder mit Ratgeberartikeln geflutet werden, die erklären, wie man Fett am effektivsten zum Schmelzen oder die Muskeln am schnellsten zum Wachsen bringt. Endlich fitter, stärker, schöner werden! Es gilt alles rauszuholen aus den hehren Vorsätzen und neuen Zielen, von denen sich die Leute zwischen dem zweiten Sekt und der ersten Silvesterrakete erzählt haben: nächstes Jahr endlich fitter, stärker, schöner werden! Regelmäßig joggen gehen, drei Kilo Muskelmasse aufbauen! Und er ist nur zu verständlich, der Wunsch nach mehr Sport und mehr Gesundheit; nach einem Körper, der einen sicher durch die Jahre trägt. Man kann am Geschäftsmodell der großen Muskelhäuser allerdings auch gut erkennen, was das Problem an all den Sportvorsätzen zum Jahreswechsel ist. Denn die Studiobetreiber profitieren nicht nur von vielen Anmeldungen: vor allem profitieren sie davon, wenn von den vielen frisch Angemeldeten eine Vielzahl nach ein paar Wochen lieber zu Hause bleibt und trotzdem zahlt. Freude ist ein entscheidendes Element Und damit können sie rechnen. Denn die Krux an den Vorsätzen der Bewegungswilligen ist, dass die wenigsten sie einhalten. Sie mögen zwar etwas gefunden haben, was fitter, stärker und gesünder macht. Der Haken ist nur, dass was angeblich am fittesten und gesündesten macht, nicht unbedingt die meiste Freude bringt. Und die ist, wenn es um Sport geht, noch immer ein entscheidendes Element. Die beste Voraussetzung, um regelmäßig zum Sport zu gehen ist nicht der eisernste Durchhaltewille oder der beste Trainingsplan: Die beste Voraussetzung ist, dass man Spaß daran hat. Für wen Sport nur Mittel zum Zweck ist, dessen Motivation schwindet im Zweifel schneller als die zusätzlichen Weihnachtskilos. Wer hingegen gern zum Sport geht; wem Freude durch die Glieder strömt, wenn er sie bewegt, der geht höchstwahrscheinlich öfter hin. Ganz ohne sich dafür widerwillig aus dem Haus quälen zu müssen. Der beste Sportvorsatz zum Jahreswechsel ist deshalb nicht, mehr Sport zu machen, um gesünder, stärker oder schlanker zu werden. Der beste Vorsatz ist, in diesem Jahr die Sportart zu finden, die einem Spaß macht. Es muss nicht der Zone-2-Lauf durch den Wald sein, der so toll die Grundausdauer stärkt; nicht der Supersatz im Fitnessstudio, der die Muskeln schnell aufpumpt; nicht der Intervalllauf, der den VO2-Max-Wert auf der Fitnessuhr in die Höhe schnellen lässt. Es darf auch der Amateurkick in der Sporthalle um die Ecke sein. Es kann Karate sein, Reiten, Rudern oder BMX-Fahren, irgendwas wird schon dabei sein im großen, bunten Sportartenstrauß. Sicher ist jedenfalls: Wer 2026 den Sport findet, der ihm wirklich Freude macht, muss sich beim nächsten Jahreswechsel nicht extra vornehmen, mehr Sport zu treiben.
