Erfreut ist Lukas Kwasniok wahrlich nicht gewesen, als er am Samstagnachmittag wie auf fast jeder Pressekonferenz auf Saïd El Mala angesprochen wurde. „Ich glaube, heute ist nicht der richtige Tag, um über Saïd zu sprechen“, erwiderte der Trainer des 1. FC Köln nach dem 2:2 des Aufsteigers gegen die TSG Hoffenheim. „Ich habe jeden Tag das Vergnügen, mich zu dem Thema zu äußern, aber wenn jemand so ein Tor macht wie Ragnar Ache, würde ich heute gerne die Headline ‚König der Lüfte‘ lesen“, sagte er. „Es geht heute um den Punkt und Ragnar Ache, nicht um Saïd.“ Ache war ein sensationeller Treffer per Fallrückzieher gelungen, der trotz des frühen Zeitpunktes im Jahr 2026 von den Mitspielern, dem Trainer und Experten schon jetzt zum „Tor des Jahres“ erklärt wurde. Und doch war die Frage nach El Mala in diesem Moment interessanter als Aches monumentales Torkunstwerk, das keiner weiteren Interpretation bedarf. Die El-Mala-Debatte aber wurde an diesem Tag mit neuen und interessanten Argumenten angereichert. Nachdem der 19 Jahre alte Angreifer zuvor während sechs Partien an keinem Tor mehr beteiligt war, hatte er zunächst die Flanke zu Aches Treffer gegeben, bevor er selbst das 2:2 erzielte. Als Startelfspieler, was im aufgrund eines medizinischen Notfalls im Publikum sehr stillen Stadion Momente der Begeisterung erzeugte und die rege geführte Diskussion über die Arbeit Kwasnioks antreiben wird. Unzufriedenheit mit Kwasnioks Umgang mit El Mala Viele Anhänger und Teile des Umfeldes kritisieren den Trainer dafür, dass er seinen gefährlichsten Spieler in den ersten acht Partien des Jahres nur vier Mal von Beginn an aufstellte. Zumal die Einwechslungen oft erst lange nach der klassischen Wechselphase rund um die 60. Minute folgten. Kwasiniok nehme seinem Team eine ihrer besten Offensivwaffen und vernichte außerdem Kapital, weil interessierte Klubs aus England mutmaßlich weniger Geld für einen Ersatzspieler bezahlen werden als für eine Stammkraft, lauten die Kernargumente. El Malas Auftritt gegen Hoffenheim scheint nun den Kritikern recht zu geben. Kwasniok hat immer wieder erklärt, dass es viele Stürmer in der Bundesliga gebe, die ab und zu Tore schießen und Tore vorbereiten, wie El Mala, der jetzt acht Tore geschossen und vier aufgelegt hat. Viel seltener, sagt Kwasniok, seien hingegen Einwechselspieler, die so viel Einfluss auf Spiele nehmen wie El Mala, wenn er im letzten Spieldrittel auf müde Abwehrspieler trifft. Zwei Tage vor der Partie hatte der Trainer sich noch recht ausführlich zu El Mala geäußert und von dem „Auftrag“ gesprochen, „auf der einen Seite Spiele zu gewinnen und auf der anderen Seite Saïd dabei zu helfen, besser zu werden“. Das habe man „in den vergangenen Monaten nicht so schlecht hinbekommen“. Gegner stellen sich auf El Mala ein Das zwischenzeitliche Leistungstief des Teenagers wird intern nicht auf die Anzahl der gespielten Minuten zurückgeführt, sondern auf einen unausweichlichen Anpassungsprozess. Die Gegner haben sich auf die Bewegungen und Stärken des Emporkömmlings eingestellt, „es ist schwerer geworden für ihn“, sagte Kwasniok. Der anfangs so unwiderstehlich erscheinende El-Mala-Move mit einem Dribbling durch zwei, drei Gegner auf dem linken Flügel mit anschließendem Schuss mit rechts aufs Tor gelingt kaum noch. Deshalb war das Hoffenheim-Spiel von so großer Bedeutung für die Kölner und ihr Supertalent. Denn El Mala schlug die Flanke für Aches Tor von der rechten Seite, wo er sonst selten auftaucht. Das spricht für seine Flexibilität. Und er traf am Ende eines langen Sprints durch die Spielfeldmitte, an dessen Ende er den Ball geschickt abschirmte. „Saïd hat es wieder allein gezeigt, hoffentlich macht er das jetzt auch wieder öfter“, sagte Ache, während der Kölner Verteidiger Joel Schmid erklärte: „Auf diesem jungen Kerl ist eine Menge Druck drauf, er hat dann auch gemeint, er sei überglücklich, dass es wieder geklappt hat.“ Die Entwicklung ist erkennbar, was das für El Malas Startelfaussichten bedeutet, bleibt dennoch unklar.
